B R ARY

Tl-IE MüSr.üM OF fVlOD^KN ART Raoeivadt

ERSTER BAND

DER AUTOBIOGRAPHIENSAMMLUNG

WIR ÜBER UNS SELBST

r

Digitized by the Internet Archive in 2015

https://archive.org/details/filmknstlerwirb1928film_1

DR. HERMANN TREUNER

FILMKÜNSTLER

WIR

ÜBER UNS SELBST

HERAUSGEGEBEN VON DR. HERMANN TREUNER

19 2 8

SIBYLLEN' VERLAG / BERLIN

270 ganzseitige Porträts / 269 Autobiographien

Dieses Budi wurde gedrudit und gebunden bei Herrose 'S) Ziemsen, Wittenberg (Bez. Halle) Die Klisdheeherstellung besorgte die Firma Sinsel 'S) Co., Leipzig Copyright 1928 by Sibyllen -Verlag, Berlin / Printed in Germany

Alle Redite vorbehalten, insbesondere auch das Redit der Übersetzung in fremde Sprachen

FILMKÜNSTLER

WIR ÜBER UNS SELBST

Ein Querschnitt durdi das unfaßbare, unbegrenzbare Neuland der Filmkunst soll dieses Buch sein. Eine neue Kunst im Spiegel ihrer Künstler. Sidier ist das Bild, das uns dieser Spiegel zeigt, nodi nicht ab^ geschlossen. Aber schließlich ist ja der Film nodi im Werden, und die Schwierigkeiten, die tausend einzelnen Steinchen aus der ganzen Welt zu einem einzigen Gesamtbild zusammenzufassen, sind unendlich.

Trotzdem aber werden die einzelnen Reflexe aus den Seiten dieses Buclies den Begriff »Filmkunst« in ebenso reizvoller wie mannig^ facher Weise von den versAiedensten Seiten her beleuchten und hoffentlich dazu beitragen, dem Film und denen, die unter Ein^^ Setzung all ihres Könnens und Wollens an seiner Entwid^lung arbeiten, neue Freunde zu werben.

Truus van Aalten

Meine Wiege stand in Holland, und zwar in Arnheim. Meine Familie ist so unkünstlerisch wie nur möglich, was auch schon darin seinen Aus- druck findet, daß mein Vater eine Drogerie besaß. Ich selbst hatte dafür schon als kleines Mädel eine ungeheure Sehnsucht nach dem Film. Was eigentlich Film und Filmkunst ist, war mir sicher nicht klar, aber ich wollte nur das eine: ich wollte zum Film. Zunächst waren jedoch noch nicht die geringsten Anzeichen dafür vorhanden, daß sich mein Wunsch verwirklichen sollte, denn meine Beschäftigung als Kindermädchen und später als Verkäu- ferin entbehrte jeder künstlerischen Grundlage. Dafür aber trug ich jeden Cent meines Taschengeldes ins Kino. Eines Tages erschien in der holländischen Fachpresse ein Schönheits-Wettbewerb der Ufa, die für einen Film aus sieben europäischen Ländern je ein junges Mädchen als Darstellerin suchte. Hier bot sich mir die ersehnte Gelegenheit. Besonders schön bin ich zwar nicht, und außerdem war auch der Einreichungstermin für den Wettbewerb bereits abgelaufen, als ich von ihm erfuhr. Trotzdem aber schickte ich sofort mein Bild ein, und ich war die Auserwählte. Es war also doch wohl Bestimmung, daß ich zum Film sollte. Ich habe inzwischen drei Filme bei der Ufa gespielt, aber mein Lieblingswunsch ist mir noch nicht erfüllt worden: Ich warte immer noch auf die eine große Rolle, die ich von Anfang an ersehnt habe: Tragisch-komisch muß sie sein. Tragisch der Charakter, komisch die Situation. Ich glaube, daß hier meine größten Fähigkeiten liegen. Gewiß sind diese Rollen schwer, sehr schwer sogar, aber gerade das Schwere der Aufgabe reizt mich. Ich möchte arbeiten, immerzu arbeiten, bis ich mein Ziel erreicht habe, eine große Künstlerin zu werden, deren Kunst auf der ganzen Welt Anerkennung und Dankbarkeit findet.

Alfred Abel

Meine Heimatstadt ist Leipzig, wo ich die Schule besuchte und wo der „Herr von Metropolis"' mit den wilden Jungens Trapper und Indianer spielte. Dann war eines Tages die Schule ganz aus. Die Suche nach dem Beruf ging los: Kaufmann, Kunstzeichner, Gärtner, Förster; schließlich der Verzweiflungssprung auf die Bretter! Schmiere, i Mark Wochengage. Übernachten auf der Bühne zwischen Requisiten. Ständiger Hunger, Ein- brucli in die Speisekammer eines Gasthofes das waren so einige Scherze, die einem das Leben bot. Aber der Optimismus verließ mich nicht und be- liielt schließlich recht. Es ging mir wirklich von Tag zu Tag besser und besser . . .

Im Jahre 191 3 bereits warfen mich armes Menschenwrack die stürmischen Lebenswogen aufs Filmland, wo ich mich unter Oswald bald herausmachte; das war in „Die stille Mühle" von Sudermann. Dann kamen so viele Filme, daß ich sie nicht alle aufzählen will. Strindbergs „Rausch" und Dostojew- skys „Idiot" zusammen mit Asta Nielsen, „Sappho" und „Die Flamme" mit Pola Negri möchte ich erwähnen. Eine gute Rolle war der Graf Told in „Dr. Mabuse". Dann kam „Metropolis".

Ich liebe den Film mehr als das Theater. Leider liegt es mit dem Film und seinen Machern noch sehr im argen. Es gibt nur wenig gute Film- manuskripte und noch weniger vernünftige Produzenten. Filmrollen richtig zu gestalten, ist schwieriger, als Bühnenfiguren auf die Beine zu stellen. Tausendfach ist das Rätselgesicht der Filmkunst, dieser neuen zehnten Muse, und phantastisch Großes werden der Welt diejenigen offenbaren, die dieser Muse wahrhaftig mit ganzer Seele ergeben sind!

Renee Adoree

Mein Vater war Franzose, meine Mutter Spanierin und mein Großvater Russe. Ich selbst wurde in Lille geboren. Mein Vater war ein berühmter Zirkusstar, und meine Mutter gehörte ebenfalls einer Truppe an. Auch ich trat mit dieser Zirkustruppe auf, sobald ich auf meinen Beinen stehen konnte. Zuerst trat ich in einem Ballett mit 12 kleinen Mädchen auf, eine Tanznummer, die überall Sensation erregte, wo wir spielten. In Frankreich, Belgien und den skandinavischen Ländern. Außer im Ballett trat ich auch in einer Pantomime auf und erhielt hier die erste Ausbildung für meine spä- tere Filmtätigkeit. Mit 10 Jahren arbeitete ich in einer Nummer „Die ge- heime Frau X". Meine Aufgabe war, Tag für Tag meinen Kopf einem Löwen in den offenen Rachen zu stecken. Das sah sehr gefährlich aus, war in Wirklichkeit aber ganz harmlos, denn mein guter Löwe war so alt, daß man ihn mit Milch füttern mußte. Irgendeine feste Nahrung konnte er überhaupt nicht mehr kauen. Als ich dann älter wurde, spezialisierte ich mich auf Tanzen und Kunstreiten. In Frankreich sah ich zum erstenmal einen Film. Der Krieg vertrieb uns aus Europa, und ich kam nach New York, wo ich als Tänzerin am Theater arbeitete. Ich begann gerade be- kannt zu werden, als Fox-Film auf der Suche nach neuen Filmdarstellerin- nen war. Auch von mir wurde eine Probeaufnahme gemacht. Aber diese Probeaufnahme gefiel mir so wenig, daß ich beschloß, auf der Bühne zu bleiben. Später überredete mich Tom Moore nochmals, eine Probeauf- nahme zu machen, auf Grund deien ich für eine Hauptrolle in seinem Film engagiert wurde. Obwohl ich selbst von meiner neuen Tätigkeit noch nicht überzeugt war, arbeitete ich nacheinander bei verschiedenen Gesellschaften. Erst mein Erfolg als Partnerin von John Gilbert in „Die große Parade" war entscheidend. Jetzt ist der Film mein ganzer Ehrgeiz. Ich spielte dann noch mit John Gilbert und Lillian Gish in „La Boheme" und zuletzt unter George Hill in „Die Kosaken". Wenn ich mein eigener Kritiker sein darf, dann glaube ich, daß meine beste Arbeit in „Die große Parade" und als kleines Chinesenmädchen in „Mr. Wu" war. Ich habe bisher in mehr als zwei Dutzend großen Filmen gespielt, manchmal in leichten Rollen, aber auch in schweren dramatischen Rollen, die ich vorziehe. Mein größter Ehr- geiz, nämlich einmal ein russisches Bauernmädchen zu spielen, ist jetzt be- friedigt worden, da ich die Hauptrolle in dem Film „Die Kosaken" spiele.

Marcella Albani

Mein Weg zum Film hat über manche Klippen geführt. Mit 14 Jahren verließ ich die Schule in Rom, wo ich geboren wurde, und meine Eltern er- füllten mir den Wunsch, zur Bühne gehen zu dürfen. Ich vergötterte damals die Duse, wartete schüchtern am Bühneneingang auf sie und war selig, wenn ich einen freundlichen Blick aus den schwermütigen Augen dieser großen Künstlerin auffangen konnte. Zum ersten Male sah ich damals deutsche Filme mit Asta Nielsen und Henny Porten. Mit diesen Filmköniginnen zog in mein Herz die Sehnsucht nach dieser stummen neuen Kunst ein. Ich wollte die kleine Duse des Films werden. Mein Vater verbot mir das Filmen. Da brannte ich durch. Die Polizei suchte mich. Ich saß in Rom mit glühen- den Wangen in einer Filmschule. An einem sonnigen Frühlingstage holte mich mein Vater zurück. Jetzt war es aus. Weder Film noch Theater. Da nahm ich mir in der Verzweiflung des sechzehnjährigen Backfischs das Leben: ich vergiftete mich. Wie durch ein Wunder nur genas ich nach langer Krankheit zu einem neuen Leben. Die Eltern waren glücklich. Jetzt durfte ich filmen. Bald lernte ich meinen jetzigen Mann, den Regisseur Schamberg, kennen und spielte unter seiner Leitung. 1922 kam ich mit meinem Gatten nach Berlin und spielte hier in den Filmen „Frauenschicksal" und „Das Bild der Liebe". Dann engagierte mich Zelnik für „Briefe, die ihn nicht erreichten" mit Bassermann. Bei Fox spielte ich in „Das Geheimnis der alten Mamsell". Endlich kam die große Rolle unter Joe May in„Dagfin".

Viele, viele Filmrollen hat man mir gegeben, nicht immer sind sie gut durchgearbeitet und geben genügende Spielmöglichkeiten. Psychologisch interessante Rollen, aus denen etwas herauszuholen ist, in denen ich ganz und gar aufgehen und die Zuschauer zum stärksten Miterleben zwingen kann so etwas reizt mich im Film ! Dann will ich gern alles Wertvolle hergeben, was in mir steckt, um Menschen zu gestalten, keine Puppen- figuren 1

Luciano Albertini

Mein Geburtsort in Oberitalien ist zugleich auch die Geburtsstätte Musso- linis, des italienischen Staatssekretärs Balbo und des weltbekannten Er- finders Marconi. Als junger Mann trat ich in den Marinedienst. Ich be- gann auf einem Segelschiff. Als ich eintrat, war ich ein fröhlicher Bursche, doch das entbehrungsreiche Leben und der eiserne Dienst ließen mich heran- reifen. Schon auf dem Segelschiff entwickelten sich Fähigkeiten, die mir in späteren Jahren beim Film zugute kamen.

Zum Film kam ich wie folgt: Als bester Turner der italienischen Marine hatte ich eine Marineturnlehrerstelle in Turin inne. Eines Abends verließ ich die Kaserne. Auf der Straße sah ich plötzlich, wie drei Straßenräuber einen Herrn, in dessen Begleitung sich zwei junge Mädchen befanden, überfielen. Bei Professor Pechin in Lyon hatte ich die Kunst des Angriffs und der Verteidigung gelernt. Mit diesen Kenntnissen und mit Schnellig- keit ausgerüstet, konnte ich die Räuber in die Flucht schlagen. Der Vater der beiden Mädchen entpuppte sich später als der bekannte italienische Film- fabrikant Ambrosio. Ich gefiel ihm, und er bat mich, ein Filmengagement bei seiner Firma anzunehmen. Ich schrieb selber das Manuskript, und bald erschien mein erster Film „Die Todesspirale", der ein Welterfolg wurde. Dann gründete ich eine eigene Film-Gesellschaft in Turin. Unerschrocken- heit und Sensationen verschafften mir bald in allen Ländern eine große Ge- meinde.

1921 kam ich nach Deutschland. In „Die Heimkehr des Odysseus" spielte ich zum erstenmal unter der Regie von Max Obal, mit dem ich erst sechs Jahre später wieder zusammen arbeiten sollte. Es folgte „Die Schlucht des Todes" mit Lya de Putti als Partnerin. In Amerika, bei der „Universal", drehte ich dann einen 30aktigen Film unter der Regie von Joe Marchai. Meine letzten Filme sind „Rinaldo Rinaldini", „Der größte Gauner des Jahrhunderts" und „Der Unüberwindliche".

Was mich am Film interessiert? Sensationen und ein atemberaubendes Tempo.

Georg Alexander

Wenn man lebt, muß man doch irgendwo zur Welt gekommen sein. Bei mir hatte Hannover an der Leine die Ehre. Auf der Schule war ich der faulste Junge der Klasse, dafür aber stets der Anführer bei allen möglichen und unmöglichen Jugendstreichen, so daß der gestrenge Herr Professor nur immer sein graumeliertes Haupt schüttelte, während dem Gehege seiner Zähne folgende geflügelte Worte entflohen: „Alexander, aus dir wird nie was werden! In Latein hast du 'ne Vier, in Französisch 'ne Vier bis Fünf und in Mathematik 'ne Fünf bis Sechs ! Mensch, wie willst du es im Leben je zu was bringen ?" Auch mein alter Herr schloß sich dieser Anschauung an. Selbst der altbewährte Rohrstock wirkte nicht recht. Eigentlich hatte ja mein Vater im tiefsten Grunde seines Herzens immer gehofft, daß sein Sohn ein so tüchtiger Rechtsanwalt wie er selber werden würde. Aber dieser zeigte durchaus keine Neigung, sich dereinst hinter verklausulierten Ge- setzbüchern zu vergraben. Im Gegenteil : Schauspieler wollte ich werden Komödiant! Eigentlich war der alte Herr dann auch ganz froh, als ich eines Tages kurzerhand auskniff.

Fünfzehneinhalb Jahre war ich alt, als die Zeit der Abenteuer begann. Doch ich darf bekennen, daß auch in den schwierigsten Situationen meine Zuversicht mich nicht verlassen hat. Das Glück blieb mir treu. Nach un- vermeidlicher Schmierenzeit endlich Engagement in Hamburg. Kurze Zeit darauf spielte ich in Hannover. 191 4 Kleines Theater in Berlin. Während des Krieges war ich draußen im Felde. Mit der Zeit bin ich dann an allen Berliner Bühnen aufgetreten.

191 9 filmte ich das erstemal. Rolle auf Rolle folgte. Eine meiner popu- lärsten Rollen ist wohl der Detektiv Bobby Dodd in dem Film „Der Mann ohne Namen" gewesen.

Ich filme sehr gern, aber auch die Bühne möchte ich nicht missen. Der Film soll das Leben widerspiegeln, wie es ist, aber er soll auch nicht die Sonnenseite des Lebens vergessen. Mein Wunsch ist es, den Zuschauer die Tragik des Lebens vergessen zu lassen und ihm unerschütterlichen Optimis- mus und eine gesunde Lebensbejahung zu vermitteln. Sollte mir das gelungen sein, würde ich mich reichlich belohnt fühlen.

Roy d'Arcy

Bis ich zum Film kam, war mein Leben so bunt bewegt wie ein Aben- teurerroman. Geboren wurde ich in San Francisco. Aber schon als kleiner Junge kam ich nach Europa und besuchte in Deutschland die Schule. Hier wurde ich so gründlich erzogen, daß ich sogar meine Muttersprache ver- lernte. Nachdem ich einige Jahre studiert hatte, ging ich nach Paris, wurde hier Maler und konnte als solcher auch einige Erfolge verzeichnen. Nachdem ich einige Zeit in Paris gelebt hatte, ließ mir mein Abenteurer- blut keine Ruhe und trieb mich wieder auf die Wanderschaft. Ich schloß mich einer Wandertruppe an und zog mit dieser durch Sachsen nach Böhmen. Doch auch hier hielt es mich nicht lange, und ich schiffte mich nach Süd- amerika ein. Hier arbeitete ich als Ingenieur in einem Bergwerk. In Argen- tinien hielt ich es 5 Jahre aus. Dann trieb es mich wieder in die Weite. Wieder machte ich einen großen Sprung, und zwar diesmal nach Afrika und Port Said. Von dort ging ich nach China und arbeitete hier auf einem Fischdampfer. Zur Abwechslung wurde ich dann Aufwascher in einem Cafe in Singapore. Auf verschiedenen Umwegen mit vielerlei Abenteuern kam ich über Tahiti, San Francisco schließlich nach New York. Hier reizte mich das Theater, und da ich über eine ganz angenehme Stimme verfüge, trat ich in einem musikalischen Lustspiel auf und kam mit diesem Stück als Mitglied einer Wandertruppe nach Los Angeles. Nichts war selbstverständ- licher, als daß ich hier zum Film ging, und zwar war es Erich von Stroheim, der mich in unseren Singspielen sah und für seinen Film „E5ie lustige Witwe" engagierte. Dieser erste Film machte mir gleich einen Namen. Nachdem ich mich selbst auf der Leinwand gesehen hatte, beschloß ich, nun berufsmäßig Filmschurken zu spielen, eine wenn auch vom Publikum nicht immer geschätzte, so doch reizvolle darstellerische Aufgabe.

Einer meiner liebsten Filme, die ich gespielt habe, war „La Boheme".

Lissy Arna

Geboren in Berlin. Das Lyzeum mit Erfolg besucht (jede Klasse drei- mal), ferner dreimal glücklich verlobt, einmal glücklich verheiratet und glücklich geschieden.

Eines schönen Tages sitze ich allein in einer Konditorei. Auf die Frage eines einzelnen Herrn, ob ich noch frei wäre, schüttelte ich stolz mit dem Kopfe. Das legte er für Ja aus und engagierte mich für einen P'ilm. Nun tat ich natürlich so (trotzdem ich damals ein Glashaus von einem Treibhause nicht unterscheiden konnte), als ob ich eine ganz alte routinierte Filmdar- stellerin wäre.

Breite Filmvvege mußte ich gehen, die sich nachträglich alle als unpassier- bare Holzwege herausstellten. Aber der kleine schmale „Katzensteg", über den zur Not ein Mensch auch einmal gehen kann, wurde für mich die breite Brücke des Erfolges. Gerhard Lamprecht war es, der es mir ermöglichte, mit den Rollen der Kokotten und Halbweltdamen Schluß zu machen. Er vertraute mir die „Regine" in seinem Filme „Der Katzensteg" an. „Schwere Jungens, leichte Mädchen", „Wochenendzauber", „i -|- i = 3" und „Schin- derhannes" folgten.

Am Film reizt mich die schwere Arbeit, das unerhört zeitgemäße Tempo, und daß es mir vergönnt ist, armen Menschen der breiten Masse für ein ge- ringes Eintrittsgeld mein Bestes zu geben, sie zu unterhalten, ja sie so zu interessieren, daß sie zwei Stunden lang im Weinen wie im Lachen mit mir gehen.

Siegfried Arno

Ja, das waren noch Zeiten, als ich in meiner Vaterstadt Hamburg auf dem Realgymnasium saß. Damals in der Tertia machte ich schon richtiges Theater zusammen mit meinen Klassenkameraden. Ich pachtete einen Ham- burger Vorstadt-Theater-Saal zum Preise von acht Mark pro Nach- mittag. Die Mutter eines Schülers, die gut Klavier spielen konnte, wurde als „Orchester" verpflichtet. Nun ging die Sache los! Wir hatten bald unser Stammpublikum, ja sogar das Lehrerkollegium erschien (eine un- glaubliche Sache für damalige Begriffe!). Das Entree wurde prompt be- zahlt, die Vorstellung begann: Die „Arno-Truppe" spielte „Tosca"! (Ich war 13 Jahre alt!)

Nach Beendigung der Schulzeit hieß es, einen Beruf wählen. Ich hatte drei ausgesprochene Interessen : die ausgezeichnete Küche meiner Mama, die Malerei und das Theater. Koch oder Maler vom Schauspieler traute ich mir nichts zu sagen. Drei Jahre rein in die Kunstgewerbeschule, Mode- zeichnerei usw. ! Dann, eines Abends, gab es den großen Krach. Anstatt die Abendkurse zu besuchen, hatte ich hoch oben auf der Galerie des Thalia- Theaters gesessen. Mein Vater wollte die Sache „diplomatisch" beilegen, ging mit mir zu dem berühmten Schauspieler und Lehrer Max Montor und hoffte, daß der uns rausschmeißen und ich von meinen Theatergrillen ge- heilt würde. Aber es kam anders: Montor war begeistert, als ich ihm Ver- schiedenes aus dem Stegreif vorsprach. Er gab mir sofort einen Empfehlungs- brief an die Direktion des Harburger Stadttheaters, und am Sonntag darauf stand ich schon auf der Bühne als fest verpflichteter Schauspieler. Bald wurde ich Komiker, und das ist auch heute noch meine starke Seite. In allen möglichen Städten Deutschlands habe ich Theater gespielt. In Berlin wurde ich rein zufällig für den Film entdeckt, für den ich mich bis dahin nicht interessierte. „Die Frau von vierzig Jahren", „Manon Lescaut", „Sohn des Hannibal", „Provinzonkel", „Panzergewölbe" sind meine ersten Filme. Der Film, seitdem ich ihn zur Genüge kenne, ist eine meiner liebsten Be- schäftigungen geworden. Er ist bestimmt das Kunstfeld der Zukunft. Und was mich selbst anbetrifft, so glaube ich, könnte man mit mir im Film noch ganz andere unglaublich amüsante Dinge anstellen. Wie denken Sie dar- über ? . . .

Georg Asagaroff

Ich bin Russe und wurde in Moskau geboren. Seit 191 3 arbeite ich beim Film und bin Schüler des bekannten deutschen Regisseurs Professor Bauer. In Rußland war ich bei den Filmfirmen Ermoljeff und Chanschonkow. Fast alle europäischen Länder habe ich bereist und war in den letzten Jahren in Deutschland bei der Emelka und bei der Ufa tätig. Mein letzter Film heißt „Flucht aus der Hölle".

Der Film ist die Kunst des tätigen Schweigens. Der Film sucht den Weg in die Tiefe, nicht in die Breite. Autor, Regisseur und Darsteller müssen Psychologen sein, um eine innere Welt aufbauen zu können. Gott sei Dank ist das Sparsystem am Abwirtschaften, der Film der Zukunft wird der En- semblefilm sein. Die Ideen aus Rußland, daß ein aufrichtiger Film nur durch Kollektivarbeit entstehen kann, breiten sich immer mehr aus. Auch der kleinste Komparse muß in seiner Eigenart gewertet und beachtet werden. Die lobenden Kritiken über die Ordnung, die ich in meinem letzten Film in die Menschenmassen hereinbrachte, habe ich jenen kleinen Leuten, die mit Leib und Seele bei ihrer Tätigkeit waren, zu verdanken.

Die meisten Menschen geben ihren Namen, ihre Kleider, ihre Plastik, ihre Augen dem Film die wenigsten geben ihr Herz. Sehr viel Herz aber habe ich gerade bei den kleinen und kleinsten Schauspielern gefunden.

Die Grundlage des Films ist sein Manuskript. Sein Inhalt mag meinet- wegen unoriginell oder kitschig sein. Wenn die Handlung des Manuskripts logisch aufgebaut ist und interessiert, kann das Niveau des Films mit künst- lerischen Mitteln gehoben werden.

Wir hätten in Rußland keine berühmten Schauspieler? Das ist insofern richtig, daß wir dort keine künstlich hochgezüchteten Stars besitzen. Unsere Schauspieler wirken durch ihr Spiel, nicht durch ihren Namen! Dort haben wir die Filmschulen, in denen sich jeder Regisseur das für ihn Brauchbare aussuchen kann. Durch diese Schulen, die die Grundlage des Kollektivs sind, erhält der russische Film ständig neue und wertvolle Blutzufuhr. Was wir in Deutschland brauchen, ist eine Filmschule, aber eine ehrliche Schule, die am besten auf staatlicher Grundlage beruht.

Betty Balfour

Meine Heimat ist London. Als ich ii Jahre alt war, betrat ich im Court- Theater in London zum erstenmal die Bühne. Mein Filmdebüt hatte ich, als ich 17 Jahre alt war, in dem Film „Nothing Else Matters". Seit dieser Zeit habe ich in vielen englischen, französischen und deutschen Filmen die Hauptrollen gespielt. Mein letzter Großfilm heißt „Champagner". 1924 gewann ich den ersten Preis in einem Wettbewerb der Beliebtheit der englischen Filmstars, der von den „Daily News" ausgeschrieben wurde. 1927 machte ich eine schwere Krankheit durch, die ich mir während der Aufnahme für einen Film in Frankreich zugezogen hatte. Ich habe ver- schiedene Angebote aus Amerika bekommen, die ich jedoch alle abgelehnt habe.

Ich bin der Überzeugung, daß das Wichtigste für einen guten Filmschau- spieler die Ernsthaftigkeit seiner Arbeit ist. Je mehr man mit seiner Dar- stellung dem wirklichen Leben gleichen kann, um so besser ist es für den Film. In dieser Beziehung weicht der Film vom Theater ab, bei dem das Theatralische nun einmal die Hauptsache ist. Shakespeare sagt: „In der Ent- fernung liegt der Zauber", und so wirkt das Theatralische der Bühne, auf die Entfernung gesehen, natürlich. Aber im Film muß die Darstellung, so- wohl körperlich wie seelisch, intimer sein, da der Filmschauspieler in viel stärkerem Kontakt mit seinem Zuschauer ist.

Ich habe nur einen großen Ehrgeiz, nämlich, daß meine Filme immer besser und besser werden müssen.

George Bancroft

Ich bin ein Filmschurke, aber kein gewöhnlicher Feld-, Wald- und Wie- sen-Filmschurke, sondern ein lachender Schurke, und das ist wohl auch der Grund meines Erfolges, denn ich versuche allen meinen Rollen, und in An- betracht meines Äußeren gibt man mir immer nur Schurkenrollen, soweit als möglich Menschlichkeit und vor allen Dingen freundlichen Humor zu ge- ben. So kann ich die größten Bösewichter spielen, und trotzdem hat das Pu- blikum diese Bösevvichter irgendwie immer ein bißchen gern. Eines Tages kam ich vom Osten nach dem Westen, und am ersten Tage schon, als ich im Westen im Atelier arbeitete, erhielt ich auf Grund meiner eigenartigen Cha- rakterdarstellung einen längeren Vertrag mit der Paramount. Mein „Jack Slade" in Mark Twains „Roughing It" wurde für meinen Erfolg in Holly- wood entscheidend.

Mein Leben ? : Ich wurde in Philadelphia geboren und im Tomes Institute in Port Deposit und später in der Naval- Akademie in Annapolis erzogen. In Annapolis faßte ich den Entschluß, zur Bühne zu gehen, und fuhr nach New York, wo ich durch harte Arbeit und viel Geduld und Ausdauer mir endlich am „Rialto" einen Namen machen konnte. Dann spielte ich mehrere Jahre lang in den Broadway-Theatern Hauptrollen in den großen Zugstücken. Eines Tages rief mich dann der Film, und ich verließ die Bühne. Mein erster Film war „Driven", in dem ich einen brutalen Bergarbeiter zu spielen hatte. Dann kam ich zur Paramount und schließlich zu James Cruze, der damals „The Pony Expreß" inszenierte. So folgte Film auf Film und werden hoffentlich auch noch viele Filme folgen.

Vilma Banky

Es ist nicht leicht, Filmstar zu werden, das kann ich bezeugen. Geboren wurde ich in Nagydorog in der Nähe von Budapest in Ungarn, und zwar hieß ich damals Banky Vilma. Meine Mutter war eine bekannte ungarische Bühnenschauspielerin. Mich selbst zog es von Anfang an zum Film, und ich begann beim Corvin-Film in Budapest. Dann folgten kleinere und größere Rollen in Wien, München und Berlin, wo ich eine Zeitlang bei der Ufa tätig war. Es gelang mir aber nicht, mich in Deutschland durchzusetzen. Im Frühjahr 1925, als ich gerade auf Urlaub in Budapest war, kam Samuel Goldwyn nach Berlin. Einige Freunde von mir machten ihn auf mich auf- merksam, ohne aber bei ihm Interesse zu finden, bis Samuel Goldwyn eines Tages zufällig eine Photographie von mir sah. Nun versuchte er, mich überall zu finden, ohne daß es ihm gelang. Durch Zufall aber kamen wir im letzten Moment, wenige Stunden vor seiner Abreise, doch noch zusam- men, und am selben Abend hatte ich einen fünfjährigen Vertrag für Amerika in der Tasche. Im März 1925 kam ich in Hollywood an. Mein erster Film war „Der schwarze Engel" mit Ronald Colman. Dann spielte ich als Part- nerin von Rudolf Valentino in „Der Adler" und „Der Sohn des Scheich", um meine nächsten Filme „Entfesselte Elemente" und „Nacht der Liebe" wieder mit Ronald Colman zu spielen. Entgegen allem Brauch verliebte ich mich nicht in einen meiner Partner, sondern heiratete im Juni 1927 Rod la Rocque.

Ich würde gern einmal mit meinem Gatten einen Film spielen, aber das wird wohl niemals werden, denn ein Ehepaar als Liebhaber ist etwas, was das amerikanische Publikum nicht interessiert.

John Barrymore

Ich wurde als jüngstes Kind der bekannten Theaterfamilie Barrymore in London geboren. Schon als Junge wollte ich durchaus Künstler werden. Ich besuchte zuerst eine Kunstschule in London und später die Kunstakademie in New York, wo ich allerdings nur einen einzigen Tag studierte. Dann nahm mich George Bridgeman, der eine eigene Kunstakademie hatte, für mehrere Jahre bei sich auf. Bevor ich noch 20 Jahre alt war, arbeitete ich für zwei New Yorker Zeitungen, indem ich versuchte, Feuilletons zu schrei- ben. So war ich genau 20 Minuten bei dem New York Morning-Telegraph engagiert, und dieses Engagement war gleichzeitig mit meiner ersten Novelle beendet. Dann betätigte ich mich als Reporter und illustrierte kleine No- vellen und Erzählungen.

Als ich 21 Jahre alt war, trat ich zum erstenmal an einem Theater in Chicago auf. Später kam ich nach New York an das Savoy-Theater, wo ich in dem Stück „The Dictator" großen Erfolg hatte. Mit diesem und anderen Stücken machte ich eine Tournee nach London und Australien. Mein Bruder Lionel befand sich gleichfalls bei unserer Truppe. Nun folgte ein Erfolg beim Theater auf den anderen. Mein größter Erfolg war „Hamlet", den ich lOimal in New York City spielte. Mit meinem „Hamlet" trat ich 1,925 in London auf, und als ich von London zurückkehrte, überraschte ich auf dem Schiff die Reporter mit der Erklärung, ich beabsichtige jetzt zu filmen. Seit dieser Erklärung bin ich nicht mehr auf der Bühne aufgetreten. Beim Film reizen mich besonders spannende Stoffe und interessante Charakter- rollen. Mein schönster Moment war, als ich im April 1926 erklären konnte, daß ich von jetzt ab eigene Filme herstellen würde. Es war für mich eine besondere Freude, in meinem ersten eigenen Film mit Conrad Veidt zu- sammen arbeiten zu können.

Außer dem Film gibt es noch zwei Dinge, die ich liebe, nämlich Segeln und Fischen auf hoher See.

Lionel Barrymore

Ich entstamme der bekannten Schauspielerfamilie Barrymore und wurde in Philadelphia geboren. Erzogen wurde ich in New York. Meine Bühnen- laufbahn begann bereits, als ich noch ein Kind war, und seitdem bin ich in zahllosen Stücken aufgetreten.

Meine Filmlaufbahn begann 1909, als ich mit Mary Pickford unter der Regie von D. W. Griffith den Film „Friends" spielte. Inzwischen habe ich mehrere Dutzend Filme gespielt. Wenn man mich heute fragt, ob ich lieber beim Theater oder lieber im Film spiele, so ist das eine Frage, die ich nicht entscheiden kann. Ich liebe beides in gleichem Maße. Film ist für mich gleicherweise Arbeit und Erholung und ebenso das Theater. Ich bin eben Schauspieler aus Überzeugung.

Felix Bäsch

Geboren in Wien. Nach Absolvierung des Gymnasiums sollte ich stu- dieren, doch nach großen Kämpfen gelang es mir, meine Sehnsucht, zur Bühne zu gehen, zu verwirklichen. Mein erstes Engagement fand mich be- reits am Burgtheater in Wien, wo ich zehn Jahre lang tätig war und eine erste künstlerische Erziehung erhielt. Doch die Ferne lockte. Ich bekam Sehnsucht, die weite Welt kennenzulernen. Ich schloß mich einer großen Gastspieltournee durch Rußland an. Dann erhielt ich ein Bühnen-Engage- ment nach Deutschland. Eine meiner heimlichen, aber um so größeren Lie- ben war Frau Musika. Ich nahm Gesangunterricht und erhielt ein Engage- ment ans Metropoltheater in Berlin, das damals die klassische Stätte der Operette war. Doch der Drang nach Selbständigkeit und das Streben, selbst Regie zu führen, wurde in mir immer stärker. Ich übernahm die Direktion des Komödienhauses in Berlin. Auch mein Wunsch nach Regiebetätigung sollte endlich erfüllt werden. Das Resultat war der Film.

Mein Studium auf dem Gebiete dieser neuen Kunst war ein rein prak- tisches. Ich spielte nämlich. Dann kam endlich das erste Angebot, das mir Regie übertrug.

Ich habe bisher 70 Filme hergestellt. Asta Nielsen, Paul Wegener, Con- rad Veidt, Emil Jannings, Käthe Dorsch, Harry Liedtke, Fritzi Massary, Wremer Krauß usw. spielten unter meiner Regie.

Und der Film hält mich fest, weil die Möglichkeit, alle Phantasie meines Gehirns sofort in reale Wirklichkeit umzusetzen, mich unendlich reizt. Das moderne Gesellschaftsleben ernst oder heiter zu schildern, ist meine Lieblingsaufgabe; aber Künstler müssen es darstellen, keine „Typen". Die Vorliebe für Typen halte ich für eine vorübergehende Zeiterscheinung, die besonders in Rußland gehandhabt wird. Die harmonische Zusammen- arbeit zwischen Autor, Künstlern, Operateur, dem gesamten künstlerisch- technischen Stab, dem kaufmännisch-künstlerisch gebildeten und kapital- kräftigen Produktionsleiter und dem Regisseur ist Vorbedingung und gleich- zeitig auch die Garantie für einen guten künstlerischen und geschäftlich ergiebigen Film. Und so wie es im Theaterjargon heißt: „Speelt man gut!", muß es für den Film heißen: „Dreht man gut!" Dann kommt alles von selbst : Kunst und Geld !

Giuseppe Becce

Geboren zu Lonigo, Provinz Vicenza bei Venedig, Februar 1882. In Padua Dr. phil. geworden, in Padua auch Musik studiert und das sympho- nische Studentenorchester dirigiert. An der Universität Berlin weiter Philo- sophie studiert, dann mich gänzlich dem Musikstudium gewidmet. Bei Pro- fessor Nikisch Dirigierstudium privatissime gehabt. Oper, Operette, Sym- phonien geschrieben. In Deutschland aufgeführt: „Das Bett der Pompa- dour". Im Jahre 1913 durch Zufall zum Film gekommen. Zuerst als Haupt- darsteller des Richard Wagner im „Wagnerfilm" (100. Geburtstag Wag- ners). Messter, der Hersteller des Films, gab mir die Originalmusik zum Wagner-Film in Auftrag. Großer Erfolg. Von da ab blieb ich als Haus- komponist bei Messter, komponierte 191 3 und 1914 außer dem Wagner-Film ein Porten-Lustspiel „Komteß Ursel", ein Drama „Schuldig". 1914 nahm ich teil an den Arbeiten Messters zu seiner großen Erfindung „Die Meister- dirigenten". Dabei hatte ich die Vorarbeiten zu den Filmaufnahmen von Nikisch (6. Symphonie von Tschaikowsky, Vorspiel zu „Tristan und Isolde"), von Schuch („Oberon"-, „Freischütz"-, „Tannhäuser"-Ouvertüren), von Weingartner (7. Symphonie von Beethoven, „Egmont"-Ouvertüre, „Leo- noren"-Ouvertüre), von Oskar Fried (Berlioz' „Fantastique" und „Don Juan" von Strauss) zu leisten. Das waren äußerst wichtige Vorarbeiten, die mich besonders mit Schuch und Nikisch in engste Verbindung brachten. Im Kriege übernahm ich dann die musikalische Illustration und Leitung der Filme im Mozartsaal und blieb auch dort, als die Ufa die Messtersche Pro- duktion übernahm. Übersiedelte nachher zum Cinespalast, dann Tauentzien- palast, dann wieder Ufapavillon, später zum Gloriapalast, wo ich jetzt noch wirke. Seit 1913 habe ich mich intensiv mit der Filmmusik beschäftigt. Ich schuf die Originalmusik zu zehn großen Filmen, darunter „Der letzte Mann" von Murnau, „Tartüff" von Murnau, „Katzensteg" von Lamp- recht. Ich dirigierte für die Ufa viele Premieren im Reiche und auch in London.

Ich betrachte als das wichtigste Ergebnis meiner Filmtätigkeit die Schöp- fung der Kinothek, eine Sammlung von Kompositionen spezifischer Film- musik, die heute bis zum 6. Bande gediehen ist und in der ganzen Welt ge- spielt wird.

Noah Beery

Ich gehöre heute zu den beliebtesten Schurken-Darstellern Amerikas. Aber meine Schurkerei bezieht sich lediglich auf den Film. Außerhalb des Ateliers bin ich einer der gutmütigsten und friedfertigsten Menschen und könnte keiner Fliege etwas zuleide tun.

Ich wurde in Missouri geboren und besuchte in Kansas City zusammen mit meinem Bruder Wallace die Schule. Später erhielt ich Schauspielunter- richt. Doch bevor ich endgültig zum Film kam, habe ich mich erst noch in einer Reihe anderer Berufe versucht. So war ich u. a. Zeitungsverkäufer, Straßenbahnschaffner, später Messenger Boy und Verkäufer von Nüssen und Süßigkeiten in einem Wanderzirkus. Als junger Bursche kam ich dann nach New York und suchte beim Theater Beschäftigung zu finden. Es dauerte jedoch lange, ehe ich Erfolg hatte, und in dieser Zeit ging es mir nicht gerade gut. Schließlich aber konnte ich den Direktor einer Operettentruppe von meinen Fähigkeiten überzeugen, wurde engagiert und reiste mit dieser Truppe durch das ganze Land. Dann beschloß ich eines Tages, zum Film zu gehen. Ich verkaufte kurz entschlossen alles, was ich besaß und fuhr nach Hollywood. Ich hatte hier auch Erfolg und fand Beschäftigung, zwar nicht als Darsteller, sondern als Lastträger im Paramount-Atelier. Auf diese Weise kam ich jedoch mit den Regisseuren in Berührung und erhielt schließlich auch ein Engagement. Die Art meiner Rollen wurde natürlich durch mein Äußeres bestimmt. Ich habe inzwischen viele Filme gespielt. Meine beste Rolle war zweifellos der Sergeant Lejeune in „Blutsbrüder- schaft". ,

Wallace Beery

Ich wurde auf einer Farm in Western Missouri geboren und mit meinem Bruder zusammen in Kansas City erzogen. Meine ersten Schritte machte ich auf der Bühne, bei der mein Bruder in Kansas City beschäftigt war. Später entdeckte man, daß ich eine ganz brauchbare Stimme hatte, und ich wurde für ein musikalisches Lustspiel nach New York City engagiert. Hier kam ich auch mit dem Film in Berührung. Ich begann als Lustspieldarsteller und erschien zuerst in einer langen Filmserie als schwedisches Hausmädchen. Mack Sennett nahm mich dann mit nach Los Angeles und beschäftigte mich hier weiter in seinen Filmlustspielen. Mein erster dramatischer Film wax Marshall Neilans „The Unpardonable Sin". Mit diesem Film begann mein Aufstieg, der mich bald zu einem bekannten Charakterdarsteller des ameri- kanischen Films machte. Meine frühere Tätigkeit als Lustspieldarsteller kommt mir heute bei meinen dramatischen Charakteren sehr zustatten, da ich allen meinen Rollen durch das Einfügen einzelner lustiger Episoden sym- pathische Züge verleihen kann. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß es im Film nicht so sehr darauf ankommt, darstellerisches Virtuosentum zu zeigen, als vielmehr allen Figuren echtes, menschliches Leben zu geben, denn nur dadurch wirken sie überzeugend und reißen das Publikum in ihren Bann.

Monta Bell

Ich glaube, ich gehöre zu den jüngstea Regisseuren, denn ich bin erst seit 1922 beim Film, und zwar begann ich bei Charlie Chaplin als Regie- Assistent. Doch bevor ich zum Film kam, hatte ich schon ein ziemlich be- wegtes Leben hinter mir. Geboren wurde ich in Washington und besuchte hier das Gymnasium. Dann wurde ich Journalist und setzte mich in diesem Beruf bald durch. Eine Zeitlang war ich sogar Herausgeber des Wa- shington Herald und anderer Zeitungen. Ich hatte von jeher eine große Zu- neigung zum Theater und war während meiner Tätigkeit bei der Presse nebenher Direktor, Regisseur und Schauspieler bei einer Theatertruppe in Washington. Nachdem ich mit Chaplin zusammen gearbeitet hatte, in- szenierte ich selbst einen Film „Broadway after Dark", der ein großer Er- folg wurde. Dann machte ich einen zweiten Film für Warner Brothers und wurde daraufhin für eine Serie von Filmen für Metro Goldwyn-Maycr ver- pflichtet, wo ich die ersten Filme mit Norma Shearer inszenierte, ferner mehrere Filme für Famous Players Lasky.

Obwohl ich als Film-Regisseur große Erfolge erringen konnte, reizte es mich doch viel mehr, selbst zu spielen. Vor allen Dingen spiele ich für mein Leben gern Theater.

Wilhelm Bendow

Was soll ich erzählen ? Daß ich sehr viel Sinn für Humor habe oder wie alt ich bin ? Leider bin ich schon in dem Alter, daß ich nicht mehr darüber sprechen kann, aber das „gefährliche" ist es noch nicht, nein, ich bin über- haupt ungefährlich . . ., und täglich trinke ich Kruschensalz, damit ich meine Figur nicht verliere, und nähre mich nur von Löwenmark mit Birnen, um schlank zu bleiben . . . wirklich. Und geboren bin ich auch, ja, bei Hannover auf dem Lande, aber man merkt es heute nicht mehr, die Schafe habe ich jedoch leider nicht gehütet schade, das würde so hübsch hierher- passen, aber man soll ja nicht lügen . . . nein, und in die Schule gegangen bin ich auch und habe auch später nichts mehr dazugelernt.

An einem schönen Frühjahrsmorgen kam ich dann plötzlich zum Theater. Ich wollte erst jugendlicher Liebhaber werden und ging auf die Reinhardt- schule, von dort aber holte mich Professor Strakosch fort, um mich hier in Berlin privatim zum jugendlichen Komiker auszubilden, weil er mich für gemeingefährlich hielt, ja, deshalb bildete er mich auch stets mit größter Vorsicht aus. Und dann wurde ich für fünf Jahre bei Reinhardt engagiert. Dann bekam ich einen ehrenvollen Ruf an das Deutsche Schauspielhaus nach Hamburg. Natürlich hob sich der Ruf des Theaters durch meine Berufung bedeutend.

Eines Abends saß ich mit Paul Wegener in Berlin im Kabarett „Schall und Rauch", ganz harmlos als Zuschauer. Worauf Herr von Wolzogen kam und zu mir sagte: „Wollen Sie nicht auch mal bei mir.^" Natürlich wollte ich. Und so wurde ich Kabarettist und gleichzeitig abermals nach Berlin verpflichtet, zu den Rotter-Bühnen.

Nun griff auch der Film mit rauher Hand in mein ruhiges und beschau- liches Dasein ! Es ging alles mit mir „Drunter und Drüber". „Die Welle 505" hob mich „Für Dich" und „An Alle" zu künstlerischen Höhepunkten . . . Film, Theater, Kabarett! Ich war ein armes, unruhiges und gehetztes Wild! Wenn jedoch die Berliner über mich lachen, dann bin ich ganz beruhigt. „Rosen aus dem Süden", „Gebrüder Schellenberg" usw. waren Filme, in denen ich größere Rollen spielte. Neulich hat ein Kritiker von mir be- hauptet, daß ich nicht nur witzig, sondern auch geistreich sei. Diese Fest- stellung hat mich so gefreut, daß ich beruhigt und von Herzen froh diesen Artikel schließen will.

Ludwig Berger

Ich bin Süddeutscher von Geburt, und zwar stamme ich aus Mainz. In Heidelberg habe ich Kunstgeschichte studiert und hier auch promoviert. Mein Interesse galt vor allen Dingen dem Theater, und schon nach kurzer Bühnenlaufbahn wurde ich durch Reinhardt aus Hamburg nach Berlin ge- holt, wo ich lange Zeit als Regisseur am Deutschen Theater tätig war. Dann berief mich Reinhardt an seine Bühnen, bei denen ich außer klassischen vor allen Dingen moderne Dichter inszenierte. Mein Interesse für die Bühne zeigte sich auch darin, daß ich mehrere Stücke geschrieben habe. In Wien sah ich mir öfter Filme an. Erotiken- und einige Lubitsch-Filme weckten in mir die Sehnsucht, auch einmal einen Film zu inszenieren. Bei der Ufa konnte ich meinen Wunsch verwirklichen. Ich inszenierte „Der Richter von Zalamea" und „Christine Herre", zwei Filme, die ich heute nur noch als meine Lehrlingsarbeiten bezeichnen kann. Allmählich aber wurde mir der Unterschied zwischen Bühnen- und Filmregie klar. Vor allen Dingen lernte ich von meinen Schauspielern, so von Werner Krauß, sehr viel. Eine starke Hilfe habe ich auch an Erich Pommer gehabt. Mein erster großer Erfolg wurde der Ufa-Film „Ein Glas Wasser", der sich mit meinem nächsten Film „Der verlorene Schuh" noch verstärkte. Als ich dann für die Ufa „Ein Walzertraum" geschaffen hatte, rief man mich nach Amerika, wo ich jetzt noch tätig bin.

Film und Theater haben nur die Schauspieler miteinander gemeinsam. Es wäre vollkommen falsch, die Kunstform des Theaters auf den Film zu übertragen. Wesentlich ist vor allem, daß der Film seine eigene Drama- turgie hat. Auch wirkt der Darsteller nicht so sehr durch seine schau- spielerische Gestaltungskraft, als durch seine ganze künstlerische Persönlich- keit, denn da ihm beim Film das Wort fehlt, muß der ganze Körper als Einheit wie auch mit der geringsten Bewegung „sprechen". Einer der we^ sentlichsten Faktoren der Filmregie ist für mich das Herausarbeiten des stimmungsmäßigen Hintergrundes, das Milieu der Handlung. Ich habe keine Lieblingsstoffe, sondern jeder Film, der mir künstlerische Aufgaben stellt, reizt mich in gleichem Maße.

Ulrich Bettac

Geboren bin ich zu Stettin, wo ich die Bismarck-Oberrealschule besuchte. Ich war kein schlechter Schüler, wäre aber sicherlich noch viel besser ge- wesen, wenn ich nicht damals schon den Kopf voll bunter Hoffnungen von Theater und Film gehabt hätte. Ich konnte fast alle meine „Pauker" imi- tieren, war aber auch schon eifrig dabei, fast alle großen klassischen Rollen zu studieren, die ich dann am Ende meiner Schulzeit beinahe alle auswendig konnte. Besonders hatten es mir Schiller und Shakespeare angetan. Die Rolle des „Franz Moor" und die des „Shylock" liebte ich über alles. Just, als ich in der Prima saß, brach der Krieg aus. Ich hatte mir jedoch infolge meiner sportlichen Betätigungen eine so starke Herzneurose angeradelt, daß man mich nirgends als Kriegsfreiwilligen haben wollte.

Dem elterlichen Wunsche gehorchend, ging ich auf die „Landwirtschafts- schule von Pommern", da meine Angehörigen von meinen schauspielerischen „Sehnsüchten" nichts wissen wollten. Doch als ich einmal in Berlin war, hielt ich meine Probeansprache auf der Schauspielschule des Deutschen Theaters, und zwar rezitierte ich die Rolle des „Franz Moor". Die be- rühmten Fachleute, wie Prof. Reinhardt und Milan gaben mir unter Lächeln den Bescheid: „Liebhaber durch und durch." Das hatte absolut nicht in meiner Absicht gelegen. Ich wollte doch in großen klassischen Darbietungen paradieren trotzdem blieb ich auf der Schauspielschule. Natürlich war meine erste Rolle der „Romeo". Ein Engagement am Großherzoglich- Oldenburgischen Hoftheater folgte. Dann kam ich nach Frankfurt a. Main. In „Frühlingserwachen", „Dies irae", in Halbes „Strom" usw. hatte ich be- sonders großen Erfolg. In „Das Licht scheint in der Finsternis" war ich der Gegenspieler von Moissi. Dann kam Berlin, Theater am Zoo, bald dar- auf gastierte ich bei Direktor Barnowsky mit Klopfer zusammen in „Kollege Crampton". In Schnitzlers „Liebelei" sah mich Direktor Davidson von der Ufa und engagierte mich für den Jannings-Film „Alles für Geld". Dann spielte ich zwei Filme bei Friedrich Zelnik „Die Herrin von Monbijou" und „Das Mädel von Capri", dann in dem Ufa-Film „Die Blonde und die Schwarze".

Rollen, die mir ganz besonders liegen, sind die möglichst frischen jugend- lichen und sympathischen Jungens sowohl lachend als weinend nur müssen die Gestalten etwas Verinnerlichtes haben.

Teddy Bill

In jener berühmten Stadt, in der die Einwohner alle „ein goldenes Herz" haben, bin ich geboren. Ich besuchte das Theresianum. Klassengenossen von mir waren Egon v. Jordan, Andre Mattoni und Emmo Jugo. Mein Haupt- interesse galt dem Theater. Tragende Rollen, die heute noch immer auf sich warten lassen, spielte ich damals schon in einer Reihe von Schülervorstel- lungen. Ich machte den Krieg mit und ging nach Beendigung desselben zur Bühne. Wie jeder Komiker wollte ich hochdramatische Rollen spielen. Doch man hat es nie unterlassen, mir zu sagen, daß ich im hochdramatischen Fache nie etwas werden würde.

Ich bin enthusiastischer Sportsmann, besonders hat es mir neben dem Autosport das Tennisspiel angetan. Wenn auch meine Sportleistungen nicht schlecht waren, so hat man mir gesagt, daß meine Bewegungen bei Ausübung dieses Sportes oft derart komisch seien, daß ich unbedingt zum Film gehen müsse. So kam ich nach Berlin und zu Richard Eichberg. Unter der Regie von Erich Schönfelder spielte ich im Film „Prinzessin Trulala" eine Rolle. „Die schönsten Beine von Berlin" mit Ellen Richter, „Es zogen drei Bur- schen" und „Spreewaldmädchen" sind meine letzten Filme.

Mein Ehrgeiz ist es, eine Rolle nicht stereotyp und monoton herunterzu- spielen, sondern eigene Ideen in das Spiel zu bringen, es durch feine Nu- ancen zu charakterisieren und zu individualisieren. Aber ich möchte kein reiner Komiker sein, sondern gerade im tragikomischen Fach etwas leisten. Meine physischen Gegebenheiten sind für das rein komische Fach prädesti- niert, aber ich möchte Rollen spielen, die zu Herzen gehen, und in denen rein Menschliches mitschwingt.

Mein größtes Ideal ist natürlich Chaplin, jenes Genie, das die Leute lachen und weinen läßt, ganz wie es will.

Noe Bloch

Ich habe meine Karriere als Filmmann im Jahre 1920 in Paris als Direktor der Gesellschaft „Albatros" begonnen. Während meiner Tätigkeit bei der Albatros erreichte die Produktion dieser Gesellschaft eine derartige Höhe, daß die Filme, die damals hergestellt wurden, auf dem ganzen europäischen Markt einen außergewöhnlichen Erfolg hatten. Ab Juni 1924 habe ich für die Gesellschaften Cine-France-Film und Cine-Alliance-Film produziert. Zu dieser Produktion gehörten die zwei Monumentalfilme „Der Kurier des Zaren" und „Casanova". Diese beiden Filme hatten nicht nur allein in Europa einen großen Erfolg, sondern auch in Amerika.

Ich bin ein überzeugter Gegner aller Filme, die „fabriziert" werden. Ich bin der Meinung, daß solche Filme auf das Publikum keinen Eindruck machen, und der Grund dafür ist, daß die Theater weniger besucht werden. Filme, die in Eile hergestellt werden, sind einer dem anderen so ähnlich, daß sie im Publikum Widerwillen hervorrufen, und sind für diejenigen ein seriöses Angriffsargument, die auf dem Standpunkt stehen, daß der Film mit der Kunst nichts zu tun hat. Diese Ansicht vertreten leider die meisten literarisch Gebildeten und die Literaten selbst, was zur Folge hat, daß ein großer Teil dieser Leute dem Film kein Interesse entgegenbringt, und damit ist zu erklären, daß wir so wenig gute Manuskripte haben. Je schneller die sogenannten „Filmfabrikanten" unschädlich gemacht werden und die Pro- duktion nur denjenigen verbleibt, die die Möglichkeit haben, die rein ge- schäftlichen Interessen am Film mit den künstlerischen in Einklang zu bringen, desto schneller wird die Zeit kommen, daß der Film allgemein an- erkannt wird und damit seine Blüte erreicht.

Eleanor Boardman

Meine Lebensgeschichte ist erfüllt von der Romantik des wirklichen Le- bens. Ich hatte erst wenige Rollen an der Bühne gespielt, nachdem ich mir vorher meinen Lebensunterhalt durch Modellstehen für Maler und Plakate sowie durch Entwürfe für Innendekoration verdient hatte, als ich, während ich mit Laurette Taylor in einem Stück auftrat, meine Stimme verlor. Da- mals (1921) war die alte Goldwyn-Compagnie gerade auf der Suche nach Filmnachwuchs. Ein guter Freund erzählte mir davon. Ich war damals na- türlich ganz zusammengebrochen und nicht gerade hoffnungsvoll. Trotzdem begab ich mich in das Bureau der Goldwyn-Compagnie in New York. Ich hatte Glück. Man machte eine Probeaufnahme von mir, die jedoch nicht allzu günstig war. Eine zweite Probeaufnahme jedoch fiel besser aus, und man schickte mich in das Goldwyn-Atelier nach Culver City. Als ich ins Atelier kam, begann ich meine Arbeit zunächst mit einer gewissen inneren Gleichgültigkeit. Damals war mir alles ganz egal. Allmählich aber bekam ich Interesse an meinem neuen Beruf und studierte Tag und Nacht Be- wegungen, Schminken und alles andere, was mir für den Erfolg beim Film notwendig schien. Meine erwachende Begeisterung und mein Ehrgeiz ent- wickelten schließlich mein natürliches Talent, und allmählich gelang es mir, mich von kleinen bis zu tragenden Rollen emporzuarbeiten. Heute ge- hört meine ganze Liebe dem Film. Ich habe im Film neue künstlerische Aus- drucksmöglichkeiten gefunden, Ausdrucksmöglichkeiten, die vielleicht die künstlerische Form unserer Zeit sind.

Carmen Boni

Ich liebe meine Heimat Italien, aber Film-Deutschland ist meine zweite Heimat geworden.

Gleich mein erster Film „Komtesse Bubikopf", der unter der Regie meines Mannes, Augusto Genina, in Italien gedreht wurde und in Deutschland seine Uraufführung erlebte, war ein großer Erfolg für mich.

Die deutsche Premiere fand um 1 1 Uhr abends statt, so kam es, daß nur die ganz großen Filmenthusiasten erschienen waren. Trotzdem wurde diese Premiere ausschlaggebend für mich.

Gleich darauf kam das erste Engagement für einen deutschen Film. Ich hatte zwar günstige Angebote aus Frankreich erhalten, aber mich reizte es, einmal in Deutschland den „Sprung ins Glück" zu machen und in deutschen Ateliers, von deren hervorragenden technischen Ausrüstungen man mir be- reits so viel vorgeschwärmt hatte, zu arbeiten. So spielte ich dann unter der Regie von Robert Land die Titelrolle in dem Film „Venus im Frack", der groß herausgebracht wurde und ein starker Erfolgsfilm war.

Nun folgte Film auf Film. „Das Mädchen der Straße" nach dem Theater- stück „Scampolo" und „Liebeskarneval", alles Filme, in denen ich die Hauptrolle spielte, und die von Augusto Genina inszeniert wurden. Eine besondere Freude war es für mich, daß der Titania-Palast in Steglitz mit meinem Film „Sprung ins Glück" eröffnet wurde.

Ich liebe es, heitere und charmante Charaktere darzustellen. Die Rollen der großen Dame liegen mir ebenso wie die des kleinen Mädchens. Aber ich denke nicht an Lustspiele, die nur die Lachmuskeln reizen, und die man schnell vergißt, nein, mein Bestreben ist es, mich in die Herzen meines Publikums für immer hineinzuspielen.

Clara Bow

Ich wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Brooklyn geboren. Als ich die Girls Bayridge High School besuchte, gewann ich eines Tages einen Preis bei einem Schönheitswettbewerb eines großen Magazins. Ich wollte es zuerst gar nicht glauben, daß ich zu den Auserwählten gehörte. Erst als man mich im November 1922 zu dem Preisgericht berief und Probeaufnah- men für den Film von mir machte, war ich überzeugt. Das Resultat dieses Preisausschreibens war für mich ein Abendkleid, ein schöner Silberpreis und ein Filmkontrakt, der mir eine Rolle in einem großen Film garantierte). Christy Cabanne wagte es und gab mir eine kleine Rolle in einem Film mit Billie Dove. Ich hatte natürlich noch keine Ahnung vom Schminken, und als meine Szene kam und ich schreien und weinen mußte, verwischten mir meine Tränen die ganze Schminke, und als wir dann die Szene im Vorführungs- raum sahen, wurde sie von Cabanne aus dem Film herausgeschnitten. Die- ser große Erfolg veranlaßte mich, meine Film-Idee gänzlich aufzugeben, und ich besuchte eine Handelsschule. Drei Monate später, als ich schon gar nicht mehr an den Film dachte, rief mich eines Tages Elmer Klifton an. Er hatte meine Bilder in dem Magazin gesehen, und da er gerade einen Film machen wollte, erklärte er, ich wäre das Mädchen, das er brauche. Auf Grund einer neuen Probeaufnahme bekam ich die Hauptrolle mit einer VVochengage von 50 Dollar. Nun folgten 22 Wochen harter Arbeit, bis ich mich an all die Dinge, die zum Film gehören, gewöhnt hatte. Klifton wurde immer zufriedener mit mir, so daß er meine Rolle immer mehr ausbaute, bis sie eine der Hauptrollen in seinem Film wurde. Auf Grund dieser Rolle wurde ich sofort für einen anderen Film engagiert, um von nun an eine Rolle nach der anderen zu bekommen.

Ich habe erkannt, daß Filmen kein Vergnügen, sondern harte, anstrengende Arbeit ist. Vor allen Dingen halte ich es für sehr wertvoll, daß man mög- lichst viele Sports beherrscht. Ich selbst beschäftigte mich mit Leichtathle- tik, Schwimmen, Reiten, Autofahren und vor allem Tanzen. Alle diese Dinge kommen mir in meinen Rollen sehr zustatten.

Jean Bradin

Ich wurde in Paris geboren und entstamme einer angesehenen Familie. Mein Vater war Direktor eines der größten Pariser Warenhäuser und hat es mir nie vergessen können, daß ich die kaufmännische Karriere ausschlug, um Schauspieler zu werden. Aber ich war von Anfang an für den Film be- geistert. Meine bedeutendsten französischen Erfolge waren in „L'Auberge", „Reveille" und „Paul et Virgine". In England spielte ich eine Hauptrolle in dem Film „Island of despair". Dann wurde ich nach Deutschland ge- rufen und spielte hier in dem Korda-Film „Eine moderne Dubarry", sodann in dem Ufa-Film „Am Rande der Welt".

Ich bin von meinem Beruf begeistert, und das ist alles, was ich über den Film zu sagen habe.

Hans Brausewetter

Schnee und Eis mag ich absolut nicht leiden. Das kommt daher, weil ich unter heißer spanischer Sonne zu Malaga geboren wurde. Hier in Spanien, wo mein Vater sich als praktischer Arzt niedergelassen hatte, verlebte ich eine herrliche unvergeßliche Jugendzeit, ritt auf eigenem Pferde, spielte Tennis das ist noch heute meine Leidenschaft und wurde von der Schule nicht allzusehr bedrückt, da ich zu Hause Privatunterricht erhielt. Mit zwölf Jahren kam ich zusammen mit meiner Schwester auf die deutsche Realschule in Madrid, und erst kurz vor dem Kriege betrat ich meine deutsche Heimat, die ich überhaupt noch nicht kannte, um das Stralsunder Gym- nasium zu besuchen. Theaterspielen war schon in Spanien meine Lieblings- beschäftigung, ich studierte mit meiner Schwester alle möglichen Klassiker ein und gab große Familien-Theateraufführungen. Mein Vater brachte meinen künstlerischen Bestrebungen viel Interesse entgegen, war er doch selbst als Übersetzer spanischer Literatur tätig, aber sein Wunsch war es, daß ich Arzt werden sollte.

Bei Ausbruch des Krieges meldete ich mich als Kriegsfreiwilliger, doch eine doppelte Lungenentzündung machte meiner Soldatenlaufbahn ein jähes Ende. Der vorübergehende völlige Verlust der Stimme schien meine Schau- spielerlaufbahn schon vor dem Beginn zu beenden. Doch ich erholte mich, kam nach Berlin zurück, wurde von Theodor Loos geprüft, und das Glück war mir günstig. Das Deutsche Volkstheater in Wien suchte für die Neu- einstudierung des „Faust" einen Schüler. Ich wurde angenommen. Felix Holländer sah mich dort und engagierte mich für fünf Jahre ans Deutsche Theater in Berlin.

Der Film erschien eines Tages in Gestalt eines kleinen Hilfsregisseurs, der mich für eine Dienerrolle unter Regisseur Licho in dem Ufa-Film „Das Spiel mit dem Weibe" mit Lotte Neumann verpflichtete. Dann kam der Film „Ein Glas Wasser", „Der Wetterwart" mit Mady Christians usw. Unter dem Regisseur Rasumny in „Überflüssige Menschen" bekam ich erst- malig eine Rolle, in der ich nicht wie sonst die stets lieben, netten, sym- pathischen Menschen und Naturburschen zu verkörpern hatte, sondern ein kleines unsympathisches Ekel einen Schreiber, versoffenen Durchschnitts- menschen — keine Komikerrolle, sondern eine sehr ernste, tragische Charge, die mich besonders interessierte.

Persönlich liegen mir am besten innerlich tief empfindende Menschen etwas bäuerisch-derbe, aber gemütvolle Personen, wie beispielsweise im „Wetterwart".

Herbert Brenon

Ich bin ein Sohn der grünen Insel, und zwar wurde ich in Dublin in Irland geboren. Mein Vater war ein berühmter Verleger und Theaterkritiker. Schon früh trieb es mich, die Welt kennenzulernen, und als ich kaum i6 Jahre alt war, ging ich nach New York. Ich begann mit einer Gage von 4 Dollar die Woche als Boy an einem Vorstadttheater. Doch schon bald machte ich Karriere und betrat als Statist die Bretter, die die Welt bedeuten. Allmählich konnte ich meine Lage verbessern, doch die ersten großen Rollen erhielt ich erst, als ich Mitglied einer Tourneetruppe wurde. Als Charakter-Schau- spieler zog ich dann mit verschiedenen Truppen mehrere Jahre lang durch die Staaten. Schließlich gründete ich sogar eine eigene Truppe, mit der ich Tourneen unternahm.

Mit dem Film kam ich auf ganz eigenartige Weise in Berührung. Ich begann in meinem Theater in den Pausen kurze Filme zu zeigen. Es war einer der ersten Versuche, Theater und Film zu kombinieren. Da meinem Theater jedoch auf die Dauer der große Erfolg versagt blieb, machte ich einen neuen Versuch, indem ich den Zuschauerraum in eine Rollschuhbahn umwandelte und gleichzeitig Filme zeigte. Aber auch dieser Versuch schlug fehl. Inzwischen hatte mich der Film schon so gepackt, daß ich beschloß, mich ganz diesem neuen Kunstgebiet zu widmen. Carl Lämmle engagierte mich zuerst als Manuskriptautor. Ein Jahr später (1910) inszenierte ich meinen ersten Film „All For Her". Bei der Imp-Companie blieb ich drei Jahre als Schauspieler und Regisseur. Als ich fühlte, daß ich durch die Gleichförmigkeit meiner Filme Gefahr lief, in Routine zu verfallen, bewog ich die leitenden Männer meiner Gesellschaft, einige ehrgeizige Projekte zu versuchen, und meine Filme „Ivanhoe" und der sensationelle „Neptune's Daughter" waren die Ergebnisse. Durch den letzteren Film kam ich zu Fox, bei dem ich „Vampire"-Filme von Theda Bara machte. 19 16 drehte ich meinen ersten eigenen Film „War Brides", in dem ich Alla Nazimova zum erstenmal auf die Leinwand brachte. Ehe jedoch der Film vollendet war, traten die Vereinigten Staaten in den Krieg ein, die Regierung verbot meinen Film, und dieser erste Versuch endete mit einem völligen finanziellen Zusammenbruch. Diesen Schlag konnte ich lange nicht verwinden und kehrte nach England zurück, wo ich 191 8 nach langer Pause wieder einen Film machte. Nach kurzer Tätigkeit in Rom kam ich 1920 auf Veranlassung von Josef M. Schenk nach Amerika zurück, wo ich verschiedene Filme mitNorma Talmadge machte, dann wurde ich auf fünf Jahre von der Paramount ver- pflichtet, für die ich u. a. „Peter Pan" und „Blutsbrüderschaft" drehte. Verschiedene Differenzen mit der Paramount bewogen mich, wieder selb- ständig zu produzieren.

Ich habe bisher über 300 Filme inszeniert und u. a. Richard Barthelmeß, Betty Bronson, Esther Ralston und Mary Brian entdeckt.

Mary Brian

Wenn sich meine Eltern nicht entschlossen hätten, ihr Heim in Dallas in Texas zu verlassen und nach Los Angeles zu verziehen, so wäre ich wohl nie zum Film gekommen. In Dallas wurde ich geboren und erzogen und verbrachte hier die ersten 17 Jahre meines Lebens. Es ist also noch nicht lange her, daß meine Familie nach Los Angeles zog, wo ich mich damit be- schäftigte, Porträts und Aquarelle zu malen. Meine Bilder machten mir sehr bald einen guten Namen. Kurz nach meiner Ankunft an der Westküste ver- anlaßte mich einer meiner Bekannten, mich an einem Schönheitswettbewerb einer Lokalzeitung zu beteiligen. Ich gewann den ersten Preis des Wett- bewerbes, und dadurch wurde der Manager des Metropolitan-Theaters in Los Angeles auf mich aufmerksam. Man verpflichtete mich für eine Rolle in einer Bühnenschau, die in diesem Theater den Film-Vorstellungen vor- anging. Damals suchte Herbert Brenon überall eine Darstellerin für die „Wendy" in seinem Film „Peter Pan". Der Direktor des Metropolitan- Theaters, der mit mir sehr zufrieden war, schlug mich für diese Rolle vor. Man machte eine Probeaufnahme, und Herbert Brenon hatte seine „Wendy" gefunden. Durch diese Rolle wurde ich bekannt und habe seitdem in kurzer Zeit noch 12 große Paramount-Filme gespielt.

Ich fühle mich beim Film sehr glücklich und freue mich, wenn ich Ge- legenheit habe, junge Mädchen so zu spielen, wie junge Mädchen nun ein- mal sind: frisch, lustig und unbekümmert.

Elga Brink

Ich wurde als Tochter eines Bankiers in Waidmannslust bei Berlin ge- boren. Meine Filmkarriere verdanke ich dem Zufall. Auf einer Gesellschaft bei Albert Pommer, dem Bruder Erich Pommers, wurden Bilder von mir gezeigt, die so zusagten, daß Herr Pommer mich überredete, eine Probe- aufnahme machen zu lassen. Gesagt, getan! Man schminkte mich mit einer neuen Leichnerschminke, die aus transparentem Grün bestand, aber mehr für das amerikanische als das deutsche Atelierlicht geeignet war. Diese Schminke versagte bei mir vollkommen, es schien schon alles verloren. Doch ein neues Schminkverfahren brachte mir den Erfolg. Unter Leo Laskos Regie filmte ich zum ersten Male. Danach verpflichtete mich Robison für den Film „Zwischen Abend und Morgen" mit Werner Krauß als Partner. Ich war damals i6 Jahre alt, doch die Rolle eines dreizehnjährigen Kindes soll mir vorzüglich gelungen sein.

Nun kam Jacoby und brachte mich in einer Reihe von Filmen heraus. So in „Paradies im Schnee", „Quo vadis" (wir waren damals ein ganzes Jahr in Rom), „Gasthaus zur Ehe", „Der Ritt in die Sonne", „Frau ohne Namen" usw. Auch bei Schünzel spielte ich in den Filmen „Hahn im Korbe" und „Der Stolz der Kompagnie". Meine letzten Filme drehte ich bei Gau- mont in England.

Es gibt für mich nichts Idealeres, als Menschenschicksale im Film zu verkörpern. Die Rolle jedoch, in der man gewissermaßen das Letzte aus- schöpfen könnte, habe ich bisher noch nicht bekommen, aber ich hoffe, daß dieser große Tag auch für mich kommen wird.

Clive Brook

Ich bin Engländer, und zwar sowohl von Geburt, als auch aus Über- zeuguns. Geboren wurde ich in London. Meine Mutter war eine bekannte Opernsängerin. Von ihr habe ich auch sicher meine künstlerische Begabung. Ich besuchte zunächst das Dulwich College. Meine Eltern beabsichtigten, einen Rechtsanwalt aus mir zu machen. Als mein Vater aber später große geschäftliche Verluste erlitt, mußte er seine Absichten ändern und mich von der Schule nehmen. Mit 15 Jahren wurde ich daher Hilfssekretär beim Colonial-Club in London. Diese Tätigkeit befriedigte mich jedoch keines- wegs, sondern mein Ehrgeiz ging dahin, das mir von meiner Mutter vert- erbte Bühnentalent zu betätigen. Ich machte indessen vorläufig keinen ernst- haften Versuch, zur Bühne zu gehen. Als der Krieg ausbrach, war ich ge- rade auf Urlaub im Süden Englands. Im September 1914 trat ich als Frei- williger in das Artists Rifles-Regiment ein. Dieses Regiment setzte sich aus Berufssoldaten und Studenten zusammen. Ein halbes Jahr später wurde dieses Regiment aufgelöst. Meinen ersten Dienst als Unteroffizier übte ich bei der Maschinengewehr-Abteilung in London aus, die mit der Zeppelin- Abwehr an der Küste betraut war. Als dann Maschinengewehr-Regimenter gebildet wurden, wurde ich von meiner Abteilung zu einem Regiment ab- kommandiert und machte mit diesem fast den ganzen Krieg an der Front mit. Als der Krieg vorbei war, unternahm ich meinen ersten ernsthaften Versuch, zur Bühne zu gehen. Ein bekannter britischer Unternehmer ver- pflichtete mich für eine Hauptrolle in dem Stück „Fair and Warner", wel- ches lange Zeit mit großem Erfolg gegeben wurde. Diese Rolle verschaffte mir einen Kontrakt mit einem der bekannten englischen Theatermanager, und ich wurde für die Hauptrolle in „Over Sunday" verpflichtet, mit der ich einen großen Erfolg errang. In diesem Stück hatte ich eine sehr hübsche Partnerin, Mildred Evelyn, und ich tat, was man in so einem Falle tut, ich heiratete sie im September 1920.

Nun kam auch, was kommen mußte. Ich erhielt Filmangebote und spielte zunächst in mehreren englischen Filmen. Ende 1924 kam ich nach Amerika und filmte zunächst bei Thomas Ince. Nachdem ich hier mehrere Rollen gespielt hatte, folgten Engagements bei First National, Warner Brothers, Universal, bis ich schließlich zur Paramount kam. Meine größten Film- erfolge waren zweifelsohne „The Populär Sin" und „Stacheldraht".

Ich bin überzeugt, im Gegensatz zu anderen Meinungen, daß nicht die Kunst oder allein das Publikum für den Erfolg des Filmschauspielers ent- scheidend ist, sondern einzig und allein seine eigene Arbeit. Wer seine Rollen mit Überzeugung und unter Einsetzung seines ganzen künstlerischen Könnens spielt, wird stets den Erfolg für sich haben.

Clarence Brown

Meine Heimatstadt ist Clinton (Mass.). Studiert habe ich an der Univer- sität von Tennessee, w^o ich mein Examen machte. Dann w.ar ich als In- genieur bei mehreren Automobilfabriken tätig und besaß auch meine eigene Brown Motor Car Company in Birminham. Meine Filmlaufbahn begann unter Maurice Tourneur, bei dem ich 191 5 Regieassistent in dem Clara Kimball-Film „Trilby" w^ar. Sechs Jahre habe ich mit Maurice Tourneur gearbeitet und dann selbst für United Artists Regie geführt. Man behauptet, daß ich niemals einen Film gemacht habe, der nicht ein Erfolg wurde. Zu meinen besten Filmen rechne ich das „Gänsemädchen", „Der Adler" mit Rudolf Valentine, „Kiki" mit Norma Talmadge und „Es war" mit John Gilbert und Greta Garbo.

Der Film ist heute meine Lebensaufgabe. Bevorzugte Stoffe kenne ich nicht. Jedes gute Manuskript hat für mich den gleichen Reiz, jedoch glaube ich, daß es notwendig ist, in jedem Film, auch dem ernstesten, einige lustige Episoden unterzubringen, denn ein Film soll stets in irgendeiner Form etwas Erheiterndes, Frohes haben.

Tod Browning

In Louisville (Kentucky) wurde ich geboren und besuchte auch hier die Schule. Als ich i6 Jahre alt war, trat ich in eine wandernde Schauspicler- truppe ein, mit der ich mehrere Jahre kreuz und quer herumzog. Bei dieser Truppe mußte ich alles machen, was überhaupt in Frage kam, und erhielt eine gründliche Ausbildung in allen Dingen, sowohl als Schauspieler wie vor allem auch in technischen und geschäftlichen Angelegenheiten. Dann verbrachte ich einige Zeit an einem Vaudeville-Theater. Mit einer Schau- spielertruppe, die burleske Komödien spielte, wanderte ich zweimal um die Erde. 191 2 begann ich meine Filmlaufbahn als Lustspicldarsteller unter der Regie von D. W. Griffith. Nachdem ich ein Jahr Filmlustspiele gespielt hatte, begann ich selbst Spielfilme zu inszenieren. Dann arbeitete ich 5 Jahre für Metro und Universal, wo ich viele Filme mit Priscilla Dean inszenierte, u. a. auch „Die Rose von Stambul". Ich habe bisher 25 Groß- filme geschaffen, von denen zwei Lon Chaney als Star hatten. Meine Er- fahrungen, die ich bei der Wandertruppe gesammelt hatte, kamen mir bei meinen Arbeiten sehr zustatten. Am liebsten beschäftigte ich mich mit Abenteurerfilmen, die eine spannende Handlung und starke dramatische Rollen aufweisen.

Jacque Catelain

Meine Abstammung: Etwas russisches, deutsches, spanisches und vor allem durch meine Mutter schwedisches Blut, französisches durch meinen Vater. Geboren wurde ich im Pavillon Henri IV. in Saint-Germain-en-Laye. Am selben Tage legte mir meine Schwester auf meine Wiege einen großen Kasten voller Spielsachen, unter deren Gewicht ich zu ersticken drohte. Am folgenden Tage feierte mein Vater in dem historischen Zimmer, in dem Ludwig XIV. geboren war, auf folgende reizende Art meine Geburt. Um meine mit vielen Blumen geschmückte Wiege standen zahlreiche junge Mäd- chen in Feenkostümen, die Gedichte aufsagten, während meine Verwandten meine Ankunft mit Champagner begrüßten. Meine Jugend verlebte ich auf einem einsamen Schloß in Flandern. Schon bald machten sich bei mir künstlerische Regungen geltend, die mein Vater großzügig unterstützte. Vor allen Dingen interessierte ich mich für Klavierspielen und Malerei. Mit 9 Jahren weinte ich in Brügge vor einem Memling. Mit lo Jahren ent- deckte ich während eines Aufenthaltes in Paris in der Oper Wagner und widmete ihm einen leidenschaftlichen Kult. Mit 1 1 Jahren schrieb und in- szenierte ich eine Tragödie in 20 Akten, und mit 12 Jahren, geblendet durch den Ruhm Nijinskis, beschloß ich, Tänzer zu werden. Schließlich landete ich mit 16 Jahren in einer Schauspielschule, die ich jedoch schon vor dem Schlußexamen verließ. 191 7 machte mich Marcel L'Herbier auf die stumme Kunst aufmerksam. Er schrieb damals sein erstes Manuskript „Le Torrent". Mit ebensoviel Begeisterung wie Unerfahrenheit stürzte ich mich auf den Film. Seit damals habe ich nicht aufgehört zu drehen. Auf „Torrent" folgte „Rose France", der erste Film Marcel L'Herbiers, dann unter dessen Regie mehrere andere Filme. Für den Film „Le Marchand de Plaisirs" schrieb ich selbst das Manuskript, führte Regie und spielte gleich- zeitig die beiden Helden in einer Doppelrolle. Durch diesen Versuch be- friedigt, schonte ich dann meine Kräfte, um nur noch zu spielen, unter Leonce Perret „Königsmark", unter L'Herbier „L'Inhumaine". Nun packte mich wieder die Lust, selbst zu inszenieren. Ich schrieb innerhalb von 40 Tagen das Manuskript „La Galerie des Monstres", inszenierte diesen Film und spielte wieder die männliche Hauptrolle. Ich hatte die Freude, für diesen Film die reizende Lois Moran entdeckt zu haben, die seitdem in Amerika eine so glänzende Karriere gemacht hat. Unter meinen wenigen Filmen sind vor allen Dingen „Der Rosenkavalier" und „Die Apachen von Paris", die ich beide in Deutschland machte, zu nennen. Der Film „Apachen von Paris" bot mir die seltene Gelegenheit, einen bereits beendeten Film noch einmal vollkommen neu zu spielen, da das erste Negativ bei einem Brande vollständig vernichtet wurde. Dieses Nocheinmalspielen einer Rolle war künstlerisch sehr wertvoll für mich. Ich habe unendlich viel dadurch gelernt. Die stumme Kunst ist in bezug auf ihre suggestive Kraft jeder anderen ebenbürtig. Ich weiß nicht, ob meine persönlichen Leistungen, die ich mit aller meiner Begeisterung dem Film widme, für diesen von irgend- welchem Wert sind. Aber auf jeden Fall werde ich noch lange meine Kräfte dieser jungen Kunst widmen.

Alberto Cavalcanti

Ich wurde in Rio de Janeiro geboren. Meine Familie bestimmte mich für die diplomatische Laufbahn, und als ich die Rechtswissenschaften zu studieren begann, war ich einer der jüngsten Studenten meiner Fakultät. Aber das hinderte mich nicht, schon damals aktiven Anteil an den politischen Er- eignissen zu nehmen. Um eine Karriere, die sich bald als unheilvoll an- kündigte, zu vermeiden, bot mir mein Vater eine lange Reise nach Europa an, die ich mir brennend wünschte, unter der Bedingung jedoch, daß ich mein Studium aufgab. Dann begann ich an der Schule der schönen Künste in Genf Architektur zu studieren, und als Architekt kam ich auch mit dem Film in Berührung, indem ich für verschiedene französische Filme die De- korationen baute. Da mich der Film sehr interessierte, wurde ich zunächst Regieassistent und später selbst Regisseur. Ich habe bisher folgende Filme gemacht: „Le Train sans Yeux", „Montmartre", „En Rade", „Yvette", „La P'tite Lilie" und „La Jalousie du Barbouille". Vor allem anderen be- geisterte mich der Film durch seine moralische Wirkung auf die inter- nationale Menge. Der Film ist ein Instrument, dessen Zweck es ist, den Massen zu dienen und sie nicht zu verraten. Meine Generation hatte zu viele Tendenzen, sich mit der Kunst zu beschäftigen, als sie den Film entdeckte. Sie hat unzählige Begriffe erfunden: Avantgarde, der reine Film, der abso- lute oder abstrakte Film. Alle diese beziehen sich aber viel mehr auf die Musik oder die kubistische Malerei, die sich schon überlebt hat, da von ihr alle menschliche Bewegung ausgeschlossen ist, und mit ihnen kann man das Publikum nicht für die Film-Theater interessieren. Dieses Publikum selbst war andererseits vergiftet durch die akademische Malerei, das Melo- drama und die verfilmten Romane mit all ihrer literarischen Konvention. Der Versuch, die Menge zu interessieren, indem ich ihr ganz einfach durch die primitivsten visuellen Hilfsmittel die Erregung gab, ist das, was ich zu tun unternommen habe.

In meinen Filmen ist viel Gedankliches. Aber das Wichtigste für mich ist, daß man von der Objektivität dieser Bilder gesprochen hat, denn diese Objektivität selbst ist die Basis des filmischen Versuchs, von dem ich oben gesprochen habe. Dieser Versuch ist ein Teil einer Entwicklung, von der ich selbst nichts mehr als ein kleines Glied bin. Andere teilweise Reak- tionen, wie z. B. diejenige, den äußeren Rhythmus (Montage) zu beseitigen und im Gegenteil die Eigenbewegung innerhalb der Bilder, die der wirk- liche Rhythmus des Films ist, zu begründen, geben die Hoffnung, daß auch andere Punkte sich ebenfalls bald klären werden, und daß der Film sehr schnell den Platz einnehmen wird, der ihm wirklich entsprechend seiner Bedeutung und seinem Wert zukommt.

Lon Chaney

Man nennt mich den Mann mit den looo Gesichtern, und obwohl ich meistens in meinen Rollen drohend und finster aussehe, bin ich in Wirk- lichkeit doch ein ganz friedlicher Mensch. Ich stamme aus den Colorado Springs. Ich wurde Schauspieler, weil ich eben Schauspieler werden mußte. Schon als kleiner Junge spielte ich mit meinem Bruder Stücke, die wir selbst erfanden. Mit i6 Jahren veranstaltete ich bereits eine Amateuraufführung mit einem eigenen Stück. Dann war ich kurze Zeit an einem großen Theater engagiert. In den nächsten Jahren wechselte ich meine Berufe sehr oft, arbeitete als selbständiger Geschäftsmann, reiste mit Wandertruppen, spielte Theater und war auch im Transportgeschäft tätig. Dann beschäftigte ich mich längere Zeit mit Innendekorationen. 1912 führte mich mein „natür- licher Drang, Schauspieler zu werden", nach mehreren Enttäuschungen am Theater zum Film. Ich begann zuerst als Lustspielschauspieler. Doch es dauerte nicht lange, bis mich die Regisseure ausschließlich für Schurken- oder ähnliche Charakterrollen engagierten. Als ich die Hauptrolle in „The Miracle Man" spielte, errang ich meinen entscheidenden Erfolg. Seitdem habe ich eine große Anzahl Filme gespielt, die mich überall bekannt ge- macht haben. Lieblingsrollen kenne ich nicht. Ich stehe auf dem Stand- punkt, daß ein guter Schauspieler jede Rolle, und wenn sie ihm scheinbar auch gar nicht liegt, spielen können muß. Die Beherrschung der Maske ist für mich einer der wichtigsten Faktoren des Filmschauspielers, und zwar in dem Sinne, daß schon die Maske eines der stärksten Hilfsmittel zur Anlage der ganzen Rolle ist. Soviel ich auch schon gespielt habe, so glaube ich doch versucht zu haben, in meinen Rollen wiederzugeben, daß es keinen absolut schlechten Menschen gibt. Irgendwie hat jeder einige gute Seiten, und diese guten Seiten herauszufinden und in meinem Spiel hervor- treten zu lassen, ist eine Aufgabe, die mich bei jeder Rolle immer wieder von neuem reizt.

I

Charlie Chaplin

Ich entstamme einer bekannten Londoner Theaterfamilie. Mein Vater, Charlie Chaplin, war eine der beliebtesten Erscheinungen der Musikbühnen. Leider starb er auf der Höhe seiner Laufbahn, als ich noch ein ganz kleiner Junge war. Meine Mutter errang zunächst große Erfolge als Primadonna an der englischen Oper, und als ich am i6. April 1889 in London geboren wurde, spielte sie die Hauptrollen an dem Vaudeville-Theater. Mein erstes Auftreten auf der Bühne vollzog sich als Baby in den Armen meiner Mutter. Bei dieser theatralischen Erbschaft war es nur selbstverständlich, daß ich mich ebenfalls der Bühne zuwandte. Schon als kleiner Junge wurde ich Mitglied einer Tanztruppe, die unter dem Namen „Eight Lancashire Lads" bekannt war. Dann erzielte ich große Erfolge als der kleine Boy Billy in „Sherlock Holmes". Zu dieser Zeit unterhielt ich die anderen Mitglieder unserer Tanztruppe in ihren Garderoben mit Imitationen bekannter Schau- spieler. Später machte ich Tourneen durch alle Varietes von Großbritannien, und der Name Chaplin war an allen führenden Theatern bekannt. 19 10 kam ich nach Amerika und spielte hier eine Reihe von Pantomimen. In Phila- delphia erhielt ich ein Angebot von der Keystone Film-Companie für ein Jahr mit einer Gage von 100 Dollar pro Woche. Selbstverständlich nahm ich an. Von meinem ersten Lustspiel an war ich eines der bekanntesten und beliebtesten Mitglieder der Keystone-Truppe. Das kam wohl daher, daß ich neue Ideen in die Film-Komödien brachte. Trotz aller Clownerie versuchte ich immer künstlerisch zu bleiben und meinen Gestalten menschliche Echt- heit zu geben. Film bedeutet für mich ernsthaft-künstlerische Arbeit, und das war wohl der Grund zu meinen Erfolgen. 191 8 gründete ich die Chaplin- Film-Companie in Hollywood und später mit Mary Pickford, Douglas Fair- banks und D. W. Griffith die United Artists Corporation. Jetzt begann ich größere Filme zu machen, und zwar „The Kid", „Goldrausch" und als letzten „Zirkus". Ich versuche, in die Lustigkeit dieser Komödien tiefe menschliche Tragik zu verflechten. Dieses Bedürfnis nach ernster, drama- tischer Arbeit fand auch seinen Ausdruck in dem Film „AWomanof Paris", den ich selbst geschrieben und auch selbst inszeniert habe. Es reizt mich, tragische Charaktere darzustellen, und ich habe in dieser Beziehung große Pläne. Was davon verwirklicht werden kann, wird die Zukunft zeigen.

I

Mady Christians

Ich erblickte in Wien das Licht der Welt. Mein Vater war damals am Volkstheater tätig. In meinem zweiten Lebensjahre kam ich bereits nach Berlin, wo mein Vater einen neuen Wirkungskreis hatte. Im elterlichen Hause genoß ich Privatunterricht und kam mit sieben Jahren ins Kloster zu den Ursulinerinnen, wo ich mich aber sehr einsam fühlte. Nach der Heimkehr meiner Eltern, die in jener 2^it dauernd auf Tournee waren, wurde ich mit zehn Jahren wieder nach Hause geholt, wo ich in einem pri- vaten Zirkel mit zwei anderen Mädels unterrichtet wurde. Im großen und ganzen war ich eine gute Schülerin, nur ziemlich einseitig begabt. Kunst und Literatur und alles, was damit zusammenhing, interessierten mich brennend. Aber Mathematik und Physik waren meine persönlichen Feinde. Trotzdem kam ich immer durch, weil ich meinem Ehrgeiz dieses Manko nicht eingestehen wollte und mir den ganzen Zimt, ohne ihn zu kapieren, Wort für Wort einpaukte. Im Jahre 191 3 kam ich mit den Eltern nach Amerika, wurde im College weiter unterrichtet, besuchte die Handelsschule, half mit den dort erworbenen Kenntnissen meinem Vater im Theater- bureau und trat erstmalig anläßlich einer Wohltätigkeitsvorstellung für das „Rote Kreuz" als absolute Amateurin auf. Bis dahin hatte ich noch mit keinem Gedanken an direkte Kunstbetätigung gedacht! Nur etwas arbeiten wollte ich!

Als ich nach Deutschland zurückkam es war im Jahre 19 17 mußte ich mir Geld verdienen, da mein Vater infolge der Feindseligkeiten in Amerika zurückgehalten wurde und mir kein Geld schicken konnte. Ich ging zu Professor Reinhardt, schwindelte ihm von allerhand in Amerika bei meinem Vater gespielten Rollen vor und wurde versuchsweise mit einer winzig kleinen Gage engagiert. Denselben Dreh versuchte ich bei Zelnik. Dieser hörte sich alles still lächelnd an und sagte: „Gut, machen wir einen Versuch!" und engagierte mich für den Film „Krone der Kerkyra". Sicher war meine Leistung kaum berauschend. Ich habe dann weiter am Deutschen Theater gespielt, und zwar schlecht die Presse war sogar der Meinung, es sei noch viel schlechter gewesen! Als es überall glücklich bekannt war, daß ich unmöglich und ein „Stück Unglück" sei, fing bei mir der Ehrgeiz an. 1921 war mein Startjahr. Bei der Ufa spielte ich im „Mann ohne Na- men" mit Liedtke unter Jacobys Regie mit gutem Erfolge im Theater hatte ich meinen ersten Treffer bei den Rotter-Bühnen in „Casanovas Sohn".

Rollen, die mir besonders gut liegen, sind echte weibliche Figuren mit innerem Leben egal, ob die Charaktere ernst oder heiter gehalten sind. Aber seit „Walzertraum" soll ich ja immerzu nur noch Lustspiele machen, das will ich nicht! Ich möchte ernste dramatische Sachen spielen mit heiteren Augenblicken. In der „Königin Luise" bin ich der Erfüllung meines Wunsches schon sehr nahe gekommen.

Ronald Colman

Daß ich berufsmäßiger Schauspieler wurde, verdanke ich buchstäblich einer deutschen Schrapnellkugel. Doch davon später. Geboren wurde ich in Richmond in England und erhielt meinen Unterricht in Little Hampton in Sussex. Vor 1914 amüsierte ich mich auf meine Weise und verdiente mein Taschengeld als Amateur-Schauspieler an englischen Bühnen. Als der Krieg erklärt wurde, trat ich in London in ein schottisches Regiment ein. In der ersten Schlacht von Ypern wurde ich durch eine Schrapnellkugel verwundet und lag mehrere Monate im Hospital. Nach meiner endgültigen Genesung sollte ich in den Orient versetzt werden. In der Zwischenzeit erhielt ich ein Engagement von Lena Ashwell, zwei Wochen an einem großen Lon- doner Variete aufzutreten. Hier hatte ich einen derartigen Erfolg, daß man von allen Seiten in mich drang, Berufsschauspieler zu werden. Ich überließ die Entscheidung dem Schicksal. Erhielt ich zuerst die Versetzung nach dem Orient, so wollte ich nach dem Orient gehen. Erhielt ich zuerst einen Kontrakt für das Theater, so wollte ich beim Theater bleiben. Das Theater siegte mit einem Vorsprung von 48 Stunden. Nach dem Kriege kam ich nach New York, und hier sah mich Henry King, als ich eine kleine Rolle im Empire Theatre spielte. Henry King fragte mich, ob ich filmen wollte. In der Annahme, daß Henry King einen Scherz machte, lachte ich ihn aus. Aber King gab mir die Hauptrolle neben Lillian Gish in der „Weißen Schwester", und damit war mein Schicksal entschieden. Ich blieb beim Film, dann folgte „Romola", ebenfalls mit Lillian Gish. Durch meine Er- folge in diesen beiden Filmen erhielt ich einen langjährigen Kontrakt von Samuel Goldwyn und erzielte hier meinen größten Erfolg in dem Film „Der schwarze Engel" mit Vilma Banky. Dann folgten „Stella Dallas" sowie „Entfesselte Elemente" und „Nacht der Liebe" mit Vilma Banky.

Worauf meine Erfolge beruhen, weiß ich nicht, vielleicht darauf, daß ich alle meine Rollen mit innerer Überzeugung spiele, und das werde ich immer tun.

ehester Conklin

Heute bin ich ein bekannter Filmkomödiant, früher war ich Student der Landwirtschaft.

Ich habe die Filmlaufbahn ergriffen, um etwas zu essen zu haben, denn das hatte ich bei der Landwirtschaft nicht.

Meine erste Filmgage betrug 3 Dollar pro Tag für einige Tage, später machte ich glänzende Fortschritte, denn ich bekam 5 Dollar.

Vor meinen Filmtagen war ich eine Zeitlang Zirkusclown bei der Barnes- Truppe, und noch vorher war ich Komiker bei einer Vaudeville-Wander- truppe.

Doch zurück zum Film. Ich spielte zunächst vier Jahre komische Bur- schen und andere komische Charaktere bei Mack Sennett. Dann machte ich mich selbständig. Nachdem ich in dem Pola Negri-Film „Eine Frau von Welt" mitgewirkt hatte, erhielt ich einen Kontrakt von der Paramount, bei der ich noch heute tätig bin.

Und vor allem diesen wurde ich geboren, und zwar in Oskaloosa in Iowa. Daß ich verheiratet bin, kinderblaue Augen habe, gern Ping-Pong spiele, lustige Bücher lese und gern in Salz- und Süßwasser schwimme, dürfte mein Charakterbild restlos vervollständigen.

Joan Crawford

Ich kam direkt von der Revue zum Film. An der Bühne war ich als Lu- cille Le Sueur bekannt. Durch das Preisausschreiben eines Magazins wurde ich für die Filmrollen als Joan Crawford bestimmt, und unter diesem Na- men wurde ich dann nach einer dreimonatigen Filmausbildung von der Metro Goldwyn-Mayer engagiert. Obwohl ich erst 1925 zum Film kam, konnte ich mich sehr schnell durchsetzen.

Geboren wurde ich in San Antonio in Texas und in einem Mädchenr Pensionat in Kansas City erzogen. Schon als kleines Mädchen schwärmte ich für das Theater. Mein Vater besaß selbst ein großes Theater, und ich träumte immer davon, wenn ich einmal alt genug sein würde, mein Glück auf der Bühne zu versuchen. Meine Eltern aber waren mit meinem Wunsch absolut nicht einverstanden, und so lief ich als Backfisch einfach von Hause fort und fuhr nach Chicago, um dort auf eigene Faust meine Bühnenlauf- bahn zu probieren. 1922 trat ich zum erstenmal als Tänzerin in einer Re- vue in Chicago auf. Dann spielte ich am Schubert-Theater in New York und später am Wintergarten. Hier wurde ich für den Film entdeckt. Mein erster Film war „Pretty Ladies", in dem ich als Statistin mitwirkte. Doch schon in meinem zweiten Film spielte ich eine wichtige Rolle, und zwar in dem Jackie Coogan-Film „Der Lumpensammler". Von jetzt ab ging es schnell vorwärts. Heute vermisse ich das Theater gar nicht mehr, sondern habe einen vollwertigen Ersatz im Film gefunden, der mich absolut be- friedigt, zumal er mir Gelegenheit gibt, meiner zweiten großen Liebe, dem Tanz, treu zu bleiben. Ich habe bisher 26 Tanzpreise errungen, und darauf bin ich ebenso stolz wie auf meine Filmerfolge.

James Cruze

Ich wurde in Ogden in Utah geboren. Hier erhielt ich auch meine Schul- bildung. Schon als Sechzehnjähriger spielte ich im Amateur-Theater und wurde später sogar in einem Amateur-Ensemble Star. 1903 organisierte ich eine eigene Gesellschaft, die ich aber 1906 bereits verließ, um nach New York zu gehen, wo ich bei Jesse Lasky engagiert wurde. Inzwischen begann ich auch bei Pathe in New York zu filmen. 1908 verließ ich die Bühne und wandte mich vollkommen dem Film zu, hatte aber zunächst nur geringe Erfolge, bis Jesse Lasky 1916 mich nach Hollywood als Regisseur berief. Hier konnte ich mich bald durchsetzen und habe bisher eine Anzahl großer Filme inszeniert. Zu meinen besten Filmen gehört „Die Karawane" und „Schlachtschiff Constitution". Ich habe eine besondere Vorliebe für histori- sche Filme, denn ich glaube, daß es eine der dankbarsten Aufgaben des Films ist, unserer Zeit längst vergangene Perioden wieder lebendig vor Augen zu führen.

Karl Dane

Mein Vater besaß ein großes Theater in Kopenhagen, wo ich auch ge- boren wurde. Es ist wohl selbstverständlich, daß ich von frühester Jugend an Theaterblut in den Adern hatte. Schon als Junge mußte ich beim Theater alles das tun, was ich irgendwie tun konnte. Vom Laufjungen an bis zum Baby auf der Bühne wurde ich überall an meines Vaters Theater verwandt. Als ich 1 5 Jahre alt war, verließ ich die Bühne und begann zu studieren, und zwar wollte ich Ingenieur werden. Obwohl ich die meiste Zeit meines Lebens beim Theater verbracht habe, sind die technischen Angelegenheiten stets meine Lieblingsbeschäftigung geblieben. Bei Ausbruch des Krieges kehrte ich zum Theater zurück. Nach dem Kriege ging ich nach Amerika und begann hier, indem ich Beschäftigung als Statist in den Eastern Studios suchte. Als ich meine ersten kleinen Rollen spielte, hielt man es allgemein für ein aussichtsloses Unternehmen. Doch schon in meinem ersten Film fiel ich auf und bekam daraufhin eine Hauptrolle in einem großen Kriegsfilm. Dann trat ich bis 1920 als Schauspieler an einem Theater auf, um nun wieder zu filmen. So machte ich einen Film nach dem anderen, bis ich in der „Großen Parade" meinen ersten gro'ßen entscheidenden Erfolg hatte. Unter den nächsten Filmen, die ich dann machte, waren „La Boheme", „Der scharlachrote Buchstabe" und „Der Sohn des Scheichs". Mein Äußeres be- stimmt zum großen Teil die Art der Rollen, die ich spielen kann. Aber trotz dieser Begrenzung oder vielleicht gerade deswegen liebe ich das Filmen.

Bebe Daniels

Ich entstamme einem alten spanischen Fürstengeschlecht, und ein Groß- vater mütterlicherseits war lange Jahre Gouverneur von Columbia. Ich selbst wurde in Dallas in Texas geboren, und zwar war meine Mutter Spanierin und mein Vater ein Schotte. Mein spanisches Blut äußerte sich bei mir in schwarzen Haaren und ganz dunklen Augen.

Daß ich Schauspielerin wurde, war für mich selbstverständlich. Zuerst trat ich bei einer Theatertruppe auf, die Shakespeare-Dramen spielte. Dann spielte ich bei einer anderen Truppe Kinderrollen. Meine Filmkarriere be- gann, als ich 8 Jahre alt war und ebenfalls in einer Kinderrolle verwendet wurde. Dann kehrte ich zur Bühne zurück, spielte jedoch gleichzeitig eine Serie von Filmlustspielen für Rolin-Pathe. In diesen Lustspielen sah mich Cecil B. de Mille und engagierte mich sofort für Hauptrollen in seinen Filmen. Nachdem ich eine Anzahl Großfilme gespielt hatte, wurde ich Star der Pa- ramount-Gesellschaft und habe bei dieser bisher 17 Großfilme gespielt. Am liebsten sind mir die Rollen, die mir Gelegenheit bieten, mein lebhaftes Temperament zu entfalten. Meine Filme müssen viel Handlung und viel Humor haben, denn das Publikum soll an ihnen Freude haben.

Constantin J. David

Also zunächst: Ich stamme von einer spanischen Mutter und einem deut- schen Vater ab. Geboren wurde ich auf einem französischen Dampfer im türkischen Meer. Dann lebte ich bis zu meinem sechzehnten Jahre in Konstantinopel, wo ich auch zur Schule ging und das Abitur machte. Dann kam ich nach Deutschland und trat in ein kaufmännisches Geschäft ein. Hier blieb ich aber nur vier Wochen, dann riß ich einfach aus, um heimlich Medizin zu studieren. Doch bald ging ich zur Germanistik über. Schon wäh- rend meiner Studien war ich literarisch tätig. In Hamburg entdeckte mich Baron von Berger. Ich legte ihm eine Jugendarbeit von mÜr, ein Drama, vor, und auf Grund dieser Arbeit überredete mich Baron von Berger, mich ganz der schriftstellerischen Karriere zu widmen. Während ich in Berlin weiter studierte, gab ich die literarische Zeitschrift „Der Weckruf" heraus. 1 914 errang ich mit einem Schauspiel in Posen einen durchschlagenden Erfolg. Dann kam der Krieg und riß mich aus meiner Laufbahn heraus. Aus dem Felde zurückgekehrt, beschäftigte ich mich zunächst mit kunsthistorischen Arbeiten und gab die Zeitschrift „Kornscheuer" heraus, in der ich mich vor allen Dingen für moderne Kunst einsetzte. Inzwischen lernte ich den Film kennen, der mich außerordentlich interessierte, und nach einem kurzen Aufenthalt im Auslande begann ich als photographischer Assistent bei einem Film zu arbeiten. Aber schon 5 Monate später gründete ich die Greenbaum- Gesellschaft und inszenierte 1925 meinen ersten Film „Sündenbabel" mit Reinhold Schünzel. Dieser Film wurde ein großer Erfolg. Dann folgte „Die unberührte Frau", „Täglich Brot", „Männer vor der Ehe", „Das brennende Schiff" und zuletzt bei der Ufa der Kriminalfilm „Vom Täter fehlt jede Spur".

Was ich zum Film im allgemeinen zu sagen habe, ist folgendes: Würde Goethe, wenn er heute lebte, von irgendeinem Filmmann ge- fragt werden, was eigentlich verfilmt werden müßte, dann würde Goethe wahrscheinlich antworten mit den Worten der lustigen Figur aus dem Vor- spiel des „Faust", nämlich:

Greift nur hinein ins volle Menschenleben!

Ein jeder lebt's, nicht vielen ist's bekannt.

Und wo ihr's packt, da ist's interessant. Man muß nur mit offenen Augen seine Mitwelt anschauen, um Stoff genug für seine Filme zu finden.

Marion Davies

Meine ersten Erfolge errang ich auf der Bühne. Geboren wurde ich in Brooklyn, wo ich auch zuerst die Schule besuchte. Später kam' ich in ein Pensionat in New York City. Meine Ausbildung spezialisierte sich vor allen Dingen auf dramatischen Unterricht, französische Literaturgeschichte und Musik. Ich verließ das Pensionat, als ich noch sehr jung war. Meine erste Rolle war ein Chorgirl in „Chin-Chin". Dann spielte ich in „Oh Boy", und von dort kam ich an die Ziegfeld Folies. Ich habe mich von jeher sehr für den Film interessiert. Während eines kurzen Ferienaufenthaltes in Florida wurde ich zufällig mit mehreren anderen Girls am Badestrand gefilmt. Ein New Yorker Filmdirektor sah diesen Film und veranlaßte mich, die Bühne mit dem Film zu vertauschen.

Schon mein erster Film war ein großer Erfolg. Ich habe bisher ungefähr 25 Filme gespielt und möchte den Film heute nicht mehr vermissen. Mein einziger Ehrgeiz ist, im Film so gut zu sein, daß mein Werk unvergessen bleibt.

Marceline Day

Ich wurde in Colorado Springs geboren. Als ich noch ganz klein war, sie- delten meine Eltern nach Salt Lake City über, und ich wtirde zusammen mit meiner Schwester Alice, die heute ebenfalls eine bekannte Schauspielerin ist, in den öffentlichen Schulen dieser Stadt erzogen. 1920 zogen wir Schwe- stern mit meiner Mutter nach Los Angeles, wo meine Mutter ein großes Ge- schäft eröffnete. Wir Mädchen besuchten inzwischen eine Handelsschule. Dann arbeitete ich zunächst als Privatsekretärin. Als meine Mutter krank wurde, mußten wir Mädchen ganz für die Familie sorgen. Ein Zufall führte meine Schwester Alice in die Paramount-Ateliers, wo man sie überredete, einen Versuch mit dem Film zu machen. Dieser Versuch gelang so gut, daß ich dem Beispiel meiner Schwester folgte. Meine ersten Filmversuche fan- den im Jahre 1923 statt. Ich spielte in mehreren Lustspielen und dann als Badegirl für Mack Sennett. Nach mehreren kleinen Rollen spielte ich die Hauptrolle in meinem ersten großen Film „The Splendid Road". Nach die- sem Film wurde ich sehr schnell bekannt und errang seitdem Erfolg auf Er- folg, bis mich schließlich John Barrymore für die weibliche Hauptrolle in. seinem Film „Der Bettelpoet" engagierte.

Ich hoffe, noch recht viele Filme zu spielen, und habe nur den einen Wunsch, möglichst immer ernste dramatische Charaktere darstellen zu können.

Maly Delschaft

Mit 8 Jahren bereits trat ich in meiner Heimatstadt Hamburg als kleine Darstellerin am Stadttheater in Märchenstücken auf das war der An- fang der Karriere. Ich habe oft die Schule geschwänzt „um der Kunst willen", und ich glaube, die Leidenschaft für die Bühne habe ich von meinem Großvater geerbt. Nach Absolvierung der Schule durfte ich in Hamburg bei Carl Wagner studieren, wurde darauf als Naive an die Hamburger Sprech- bühne engagiert, dann nach Bremen als Sentimentale und landete endlich in Breslau, wo ich in modernen Stücken ganz große, menschlich tiefe Rollen spielte. Hier entdeckte mich Hilde Wörner für den Film und engagierte mich für ihr gleichnamiges Filmunternehmen. Nach Berlin übergesiedelt, spielte ich in „Danton" und errang hier meine ersten Filmlorbeeren. Theater spielte ich natürlich auch nebenher. Nun kam Film auf Film! „Variete" unter Dupont, „Die eiserne Braut", „Anneliese von Dessau", „Sünden- babel", „Die drei Portiermädchen", „Die letzte Droschke", „Die Wis- kottens" usw.

Ich bemühe mich, künstlerisch vielseitig zu sein. Ich kann eigentlich nicht sagen, welche Rolle ich am liebsten spiele. Vom Straßenmädchen bis zur Gräfin das ist mir gleich! Nur eine Bedingung: die Rollen müssen menschlich echt sein und keine verlogenen, verkitschten Menschenkarika- turen! Ich erinnere mich z. B. gern einer Rolle, die ich im Film „Die da unten" unter Victor Janson spielte. Überhaupt, der Film ist doch etwas Schönes, was ich nicht mehr missen möchte. Er bringt immer neue Aufgaben, viel interessantere und mannigfachere als die Bühne. Und er bringt noch etwas mehr, nämlich den Erfolg und mit ihm die Gunst des Publikums der ganzen Welt!

Carol Dempster

Ich entstamme einer Offiziersfamilie und wurde in Los Angeles geboren und erzogen. Ursprünglich war ich Tänzerin und trat eines Tages mit einem "bekannten Ballett im Beiprogramm eines Griffith-Films auf. Hier sah mich D. W. Griffith und entdeckte mich für den Film. Obwohl ich erst kurze Zeit filme, habe ich doch schon viel Erfolg errungen; ich glaube des- halb, weil ich mich in jede meiner Rollen vollkommen hineinlebe und mich mit dem von mir zu verkörpernden Charakter absolut eins fühle.

Ich liebe meinen Beruf und hoffe, daß er mir noch viele Erfolge bringen wird.

Xenia Desni

Ein Roman, wie ihn nur phantasievolle Schriftsteller schreiben können, ist mein Leben. In Kiew geboren, zeigte ich schon als Kind tänzerische Begabung, und meine Eltern ließen mich in dieser Richtung hin ausbilden. Als blutjunges Mädchen schon tanzte ich vor dem großen Publikum und feierte meine ersten Triumphe. Dann engagierte mich ein Petersburger Theater. Der Weltkrieg brach aus. Schon vor seinem Ausbruch hatte ich gefilmt. Eine Krankheit zwang mich, meine Filmtätigkeit zu unterbrechen. Ich suchte Erholung an der warmen sonnigen Küste des Schwarzen Meeres und verlebte hier glückliche Tage. Da kam der große Zusammenbruch Rußlands. Die Revolution begann. Ich floh aus diesem entsetzlichen Blut- bad zusammen mit anderen Familien auf einem Segelboot aufs Meer hinaus. Ein fremdes Schiff nahm uns auf. Vertrieben, hilflos, ohne Barmittel, seelisch und körperlich zusammengebrochen, stand ich eines Tages in Kon- stantinopel. Der Hunger kam. Endlich engagierte mich ein Variete als Tänzerin. Mein Ziel war Deutschland. Ich mußte dem deutschen Film gehören, das wußte ich. Ich schrieb an die Ufa und sparte das Reisegeld zusammen. Dann wurde ich aufgefordert, meine Bilder einzuschicken. Da hielt es mich nicht mehr länger. Ich packte meine Koffer und fuhr nach Berlin. Aber es war schwer, den Weg zum deutschen Film zu finden. Eines Tages aber wurde ich Erich Pommer vorgestellt und wurde fest engagiert als Star der Ufa. Die Pforten des wunderbaren Filmlandes öffneten sich weit vor mir. „Prinzessin Suwarin", ein Roman, der so sehr meinem eigenen gleicht, war einer meiner ersten Filme. „Ruf des Schicksals", „Sprung ins Leben", „Turm des Schweigens", „Die gefundene Braut", „Ein rheinisches Mädchen", „Walzertraum" und noch viele, viele andere FUme haben mich als Hauptdarstellerin gezeigt.

Heute, da die düsteren Wolken meines Schicksals der strahlenden Film- sonne gewichen sind, bin ich wieder das frohe Menschenkind geworden, das ich immer gewesen. Der Film ist mein Lebenselement, ich liebe ihn, weil er das Leben wie keine andere Kunst widerspiegeln kann und dem Menschen die Tiefen und Höhen unseres Daseins vermittels seiner großen visionären Kunst aufzuzeigen vermag.

Lien Deyers

Wenn man erst 17 Jahre alt ist, so hat man noch nicht viel von seinem Leben zu erzählen. Ich bin Holländerin und wurde in Amsterdam geboren. Später lebte ich im Haag, wo mein Vater ein großes Hotel besaß. Dann ver- brachte ich einige Jahre in verschiedenen Pensionen in Lausanne und Brüssel. Wie so viele junge Mädchen heutzutage spürte auch ich den bekannten un- widerstehlichen Drang in mir, Filmstar zu werden. Mein Vater jedoch hatte für diesen meinen Plan absolut nichts über. Aber jede sich mir bietende Möglichkeit, der Erfüllung meines sehnlichsten Wunsches näherzukommen, nutzte ich aus. Schon 1924 wurden von mir in Haarlem Probeaufnahmen gemacht. Aber obwohl diese Probeaufnahmen sehr gut ausfielen, war es un- möglich, meinen Vater umzustimmen und seine Einwilligung zum Filmen zu erhalten. Erst als mein Vater zum zweitenmal heiratete, und zwar eine Wiener Schauspielerin, verbesserten sich meine Aussichten bedeutend. Meine neue Mama hatte volles Verständnis für meine künstlerischen Wünsche und unterstützte mich, so sehr sie nur konnte.

Es war im Frühjahr 1927, als eine Wiener Filmzeitschrift einen Auto- grammtag mit Fritz Lang und Thea von Harbou veranstaltete. Nichts war selbstverständlicher, als daß ich hinging. Den ganzen Tag über wieder- holte ich die wenigen deutschen Worte, die mir meine Mutter eingeprägt hatte. Als die Reihe endlich an mich kam, ging ich forsch auf Fritz Lang zu, gab ihm die Hand und fragte ihn: „Wollen Sie mich nicht auch für den Film entdecken?" Ein ruhiger forschender Blick durch das Monokel, und Fritz Lang schrieb auf die ihm vorgelegte Karte „nach Berlin kommen". Thea von Harbou schrieb auf ihre Karte „auf Wiedersehen in Berlin". Hochbeglückt zog ich mit diesen wertvollen Autogrammen nach Hause. Als die Eltern wieder nach Holland zurückkehrten, kostete es vier Wochen harter Arbeit, bis mein Vater endlich seine Einwilligung gab, daß ich mit meiner Mutter nach Berlin fuhr. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang es mir, Fritz Lang zu sprechen. Dann wurden Probeaufnahmen ge- macht, und endlich hatte ich mein Engagement. So bin ich zum Film ge- kommen, und mein erster Film war der große Fritz Lang-Film „Spione". Ich habe mich sehr auf meine Arbeit gefreut und bin von meiner Filmtätig- keit restlos begeistert. Wie sollte es mit 17 Jahren auch anders sein? Interessant ist, daß meine erste Aufnahme mit einer wirklichen Filmtaufe begann, denn meine erste Szene mußte ich im Regen spielen, als armes, kleines, zitterndes Streichholzmädchen an einer Straßenecke. Ich habe nun inzwischen schon weitere Filme gespielt und warte mit aller Begeisterung und aller Hoffnung meiner 17 Jahre auf meinen großen Erfolg.

Wilhelm Dieterle

Als Kind armer Eltern wurde ich geboren. Die Pfalz ist meine Heimat. Die Sehnsucht nach dem Theater bestand schon, als ich noch zur Schule ging. Aber vorläufig wurde nichts aus meinem Traum. Ich mußte in die Lehre gehen zu einem Schreiner und bestand die Meisterprüfung. Die Eltern waren froh, mich in einem vernünftigen Berufe zu sehen, aber ich fühlte, daß ich ins Rampenlicht gehörte. Ich ging an die Bühnenschule in Mannheim, und dann begann die Wanderschaft von Schmiere zu Schmiere. In Plauen blieb ich längere Zeit, dann in Zürich, München und schließlich landete ich bei Reinhardt in Berlin.

Es dauerte lange, bis ich zum Film kam. E. A. Dupont brachte mich schließlich ins Jupiterlicht. 1921 filmte ich mit Henny Porten in „Geyer- wally", und seitdem bin ich dem Film ergeben. Jetzt kamen auch die großen Rollen, und ich erkannte, daß die schöpferischen Möglichkeiten vor der Kamera bedeutend größere sind als auf der Bühne. Der Kampf zwischen Mensch und Objektiv ist das Spannendste und Aufregendste, was ich kenne. Er macht mir das Leben jeden Tag aufs neue zur Sensation. Meine einzige Liebe, Unterhaltung, Erholung, mein einziger Freund ist die Kamera des Films. Ich würde um des Filmes willen hungern wenn es sein müßte und ich weiß, was hungern heißt. Den Film fördern, ihm nützen und dienen können, ist mein Ziel. Aus dieser Liebe zum Film heraus bin ich auch Regisseur geworden. Neues Leben vor der Kamera zu gestalten und dem ewig interessanten menschlichen Wechselspiel auf neuen bisher unerforschten Filmpfaden nachzuspüren, ist die einzige und größte Freude meines Lebens ! Was immer ich für den Film tue ich tue es mit ganzer, leiden- schaftlicher Hingabe!

Albert Dieudonne

Meine Jugend verlebte ich in Paris. Krieg spielen und Bücher waren mein Hauptinteresse. Nach Beendigung der Schule lernte ich unter der Leitung meines Vaters, der Holzbildhauer war, um auch Bildhauer zu werden. Aber sobald ich meine Tagesarbeit erledigt hatte, kehrte ich zu meinen Büchern zurück.

Mein Großvater war ein bekannter Schauspieler, und es war meine größte Freude, ihn zu den Generalproben zu begleiten. Auch ich geriet allmählich ganz in den Bann des Theaters, und auf meine dringenden Bitten hin gab mir mein Großvater schließlich gegen den Wunsch meines Vaters dramati- schen Unterricht. Im Jahre 1909 trat ich in das Konservatorium von Paris ein. Nach kurzem Studium begann ich in Paris klassische Rollen zu spielen, dann in der Schweiz, England und schließlich in Brüssel. Hier spielte ich zum ersten Male eine Rolle, die für mein Leben entscheidend werden sollte, nämlich den „Napoleon".

Streitigkeiten mit einem Schneider, der die eigentümliche Idee hatte, fort- während die Bezahlung seiner Rechnungen von mir zu verlangen, brachten mich dazu, ein Stück zu schreiben. Dieses Stück wurde in Brüssel aufge- führt. Durch diesen Erfolg ermutigt, schrieb ich noch vier Stücke. 191 7 machte ich, gelegentlich eines Urlaubs, die Bekanntschaft von Abel Gance und spielte bei ihm meinen ersten Film. Ich war sofort derartig vom Film begeistert, daß ich beschloß, mich ganz dem Film zu widmen. Ich arbeitete dann bei Gaumont und anderen großen Gesellschaften in Filmen, von denen ich viele selbst geschrieben habe. 1924, als ich gerade selbst einen großen Film drehen wollte, bot mir Abel Gance die Rolle des Napoleon in seinem großen Film an. Voller Freude griff ich zu, und die nächsten Jahre gehör- ten ganz diesem großen Werk. Seit dieser Zeit sind mir viele Rollen ange- boten worden. Aber ich halte mich an die bekannte Devise: „Lieber weniger, aber besser." Und in dieser Devise liegt die ganze Zukunft der Kinemato- graphie.

Richard Dix

Ich gehöre zu denjenigen Filmschauspielern, die beinahe an der Stätte ihres Wirkens geboren wurden, denn meine Eltern lebten in Los Angeles in Kalifornien. Aber genau sechs Wochen vor meiner Geburt wechselten sie ihren Wohnsitz und zogen nach St. Paul, Minnesota. Ich wurde in Min- nesota erzogen und studierte an der St. Paul Central High School, um, einem Wunsche meines Vaters folgend, Pastor zu werden. Doch während meines Studiums interessierte ich mich mehr für Sport und vor allen Dingen für die dramatische Kunst. Wenn ich nicht beim Fußball, Baseball oder anderen Freiluftsports beschäftigt war, betätigte ich mich in dem Dramati- schen Klub unserer Universität und trat beinahe in jedem Stück auf, das bei uns gespielt wurde. Dann besuchte ich die Universität von Minnesota ein Jahr lang, um schließlich eine Stellung in einer Bank anzunehmen. Hier wurde es mir jedoch bald zu langweilig, und ich versuchte es jetzt in einem Architektenbureau. Zu gleicher Zeit besuchte ich abends eine Schau- spielschule und hatte schließlich das Glück, bei einer kleinen Theatertruppe engagiert zu werden. Doch bald trieb mich mein Ehrgeiz nach New York, wo ich nacheinander an mehreren Theatern auftrat. So war ein Jahr in New York vergangen, als ich durch den Tod meines Vaters nach Haus gerufen wurde. Ich mußte jetzt für meine Mutter und meine Schwester sorgen, und da meine Gage an dem Theater in Minnesota recht klein war, beschloß ich, nach dem Westen zu gehen.

In Los Angeles wurde ich als Hauptdarsteller für die Morosko-Truppe engagiert, bei der ich große Erfolge errang. Es ist nur natürlich, daß ich nach meinen Erfolgen an der Bühne bald zum Film ging. Auch hier blieb mir der Erfolg treu, und ich konnte mich sehr schnell durchsetzen. Ich glaube, beim Film jetzt endgültig die mich restlos befriedigende Tätigkeit gefunden zu haben. Der Film ist weit mehr als das Theater imstande, alle Wünsche seiner Schauspieler nach künstlerischer Betätigung zu befriedigen. Ganz besonders freue ich mich aber, wenn mir eine Rolle Gelegenheit gibt, irgendeinen Sport praktisch auszuüben.

Lucy Doraine

Eine französische Filmzeitung läßt mich als Blumenmädchen in die Film- karriere hineinschneien. Ein amerikanisches Blatt macht mich gar zur Pri- madonna des russischen Hofballetts und zur Geliebten des Zaren. Aber weder die melancholische Montmartre-Romantik des französischen Repor- ters, noch die bizarren Phantasieausbrüche seines amerikanischen Kollegen treffen die Wahrheit.

Ich bin Ungarin. Mein Vater war Staatsbeamter. Er wollte natürlich nichts davon wissen, daß seine Tochter sich zur Bühnenlaufbahn berufen fühlte. Endlich jedoch mußte er einsehen, daß gegen meine „Dickköpfig- keit" kaum anzukämpfen war und ließ mir schließlich meinen Willen. Dar- auf absolvierte ich die bekannte Theaterschule Bötys in Budapest. Dann trat ich öffentlich auf.

Während eines Engagements lernte ich einen jungen Schauspieler kennen und lieben. Michael Kertesz. Auf seinen Wunsch gab ich blutenden Herzens meine Bühnenlaufbahn auf. Politische Wirren trieben uns nach Wien. Hier wurde mein Gatte in der Sascha-Film-Gesellschaft als Re- gisseur engagiert. Man drehte bei der Sascha damals gerade einen Harry Walden-Füm „Die Dame mit den schwarzen Handschuhen". Für die weib- liche Hauptrolle konnte die Direktion nicht die geeignete Darstellerin fin- den. Ich bestürmte meinen Mann, mir die Rolle zu geben. Doch er wollte nicht. Schließlich erlaubte er mir, unter dem Namen Lucy Doraine zum Direktor zu gehen. Ich mußte verschweigen, daß ich seine Gattin sei. Ge- sagt, getan, und ich wurde engagiert! Jetzt wendete sich das Blättchen. Nun hatte mein Mann, der eifersüchtig wurde, große Mühe, den anderen plau- sibel zu machen, daß Fräulein Doraine seine ihm schon seit drei Jahren an- getraute Frau sei. Erst durch die Vorlegung eines Trauscheines gelang ihm dieses.

1922 kam ich nach München zur Emelka. Gründete bald darauf in Berlin mit der Messter zusammen die Lucy Doraine-Film-Gesellschaft. Zur selben Zeit erhielt ich aus Amerika ein sehr günstiges Engagementsangebot auf fünf Jahre, das ich unter diesen Umständen natürlich nicht annehmen konnte. In unserer Gesellschaft wurden innerhalb zweier Jahre sechs Filme hergestellt, u. a. „Schicksal" mit Conrad Veidt als meinem Partner.

Mein Wunsch ist es, große tragische Rollen zu spielen, die mit Tempera- ment und Leidenschaft geladen sind.

Anita Dorris

Meine Heimatstadt ist Lübeck. Über die Schulzeit sprechen die meisten nicht gern. Ich auch nicht. So will ich gleich mit meiner Theaterlaufbahn begixinen, die mir den Weg zum Film ebnete. Ich liebte die Bretter, aber es war stets ein unerfüllter Wunsch in mir, eine Sehnsucht, ein Unbefrie- digtsein. Und dieses Gefühl ist erst verschwunden, seitdem ich filme. Der Film füllt mich ganz aus, ist mein zweites Ich geworden. Ich liebe die Gegenwart ebenso wie die Zukunft und darum den Film, der beides gleich- zeitig ist.

Beim Filmen sind meine Gedanken ganz auf die Person, die ich dar- stelle, konzentriert. Es ist schwer und dauert eine lange Zeit, bis man völlig vergißt, daß man schauspielert. Aber es gelang mir. Und ich bin stolz dar- auf, stolzer als auf manche meiner sogenannten Publikumserfolge, wenn ich auch diese nie missen möchte. Ist es nicht für einen Künstler ein herrliches Gefühl, wenn er weiß, daß sein Publikum zu ihm hält, daß seine Arbeit keine verlorene ist?

Es ist für mich eine besondere Freude, gleich während meiner Anfangs- laufbahn mit Künstlern wie Moissi, Wegener, der Gläßner usw. zusammen gewirkt zu haben. Noch heute denke ich gern an diese schöne Zeit zurück.

Ich werde weiter an dem Ausbau meiner künstlerischen Persönlichkeit arbeiten. Man kann und wird niemals so viel können, um nicht immer noch Fehler an sich selbst zu entdecken. Und diese heißt es mit aller Gewalt aus- merzen. Bevor mir das nicht gelingt, zum großen Teil wenigstens gelingt, läßt mir mein künstlerischer Ehrgeiz keine Ruhe.

Arthur Duarte

Ich bin in Lissabon geboren. Dort besuchte ich das berühmte Konser- vatorium, das ich mit Auszeichnung beendete. Dann wandte ich mich der Bühne zu und wurde Schauspieler am portugiesischen Landestlieater in Lissabon. Hier spielte ich jugendliche Charakterliebhaber, und zwar mit gutem Erfolge. Eines Tages entdeckte mich der französische Filmregisseur Roger Lyon und engagierte mich nach Paris. Hier spielte ich die Haupt- rollen in einer großen Anzahl von Filmen, bis ich eines Tages Angebote aus Deutschland bekam. Mein erster deutscher Film war unter Const. J. David „Das brennende Schiff". Zuletzt habe ich in dem Ufa-Film „Der Tanzstudent" unter der Regie von Johannes Guter gefilmt.

Der Hauptreiz des Films ist für mich seine Internationalität, seine Kunst, die überall gespielt und überall verstanden wird und wie keine andere dem Künstler Gelegenheit gibt, sich in allen Ländern zu betätigen.

E. A. Dupont

Ich bin Sachse von Geburt, und zwar ist meine Heimat Zeitz. In Berlin besuchte ich das Gymnasium und studierte für kurze Zeit auch an der Universität. Dann wandte ich mich der Presse zu, und zwar war ich Redak- teur der Morgenpost und der B. Z. Schon damals interessierte ich mich sehr für den Film und bekannte mich dadurch zu dieser neuen Kunst, daß ich als erster in einer Tageszeitung eine ständige Filmrubrik einführte, eine Einrichtung, die damals in Deutschland vollkommen neu war. Da ich selbst die Filmkritik führte, kam ich natürlich mit den Leuten aus der Filmpraxis in engste Berührung. Die Folge davon war, daß ich nach und nach 40 Film- manuskripte schrieb, die sämtlich gedreht wurden, zum Teil von Regisseuren wie Joe May, Friedrich Zelnik, Richard Oswald und Meinert. 1918 trat man an mich mit der Aufforderung heran, selbst einen Film zu inszenieren. Nach kurzem Zögern war mein Entschluß gefaßt. Ich gab meine Journa- listenlaufbahn auf und wurde Regisseur. Mein erster Film hieß „Europa postlagernd" und war ein Detektivfilm mit Max Landa in der Hauptrolle. Der Erfolg dieses Films wurde Anlaß, daß ich hintereinander zwei Detektiv- filme mit Max Landa in der Hauptrolle inszenierte. Dann ging ich zur Gloria und inszenierte hier eine Reihe Großfilme, die mich schnell bekannt machten. Hier entstanden u. a. „Der weiße Pfau", „Whitechapel", „Geier- walli", „Kinder der Straße", „Die grüne Manuela", „Das alte Gesetz". Dann folgten „Der Demütige und die Sängerin" und schließlich bei der Ufa ,, Variete" mit Emil Jannings. In Amerika inszenierte ich dann „Lieb mich und die Welt ist mein" und zuletzt in England „Moulin Rouge".

Ich sehe die Zukunft des Films in dem naturalistischen Spielfilm, der nicht das Technisch-Experimentierende, sondern das Schauspielerisch-See- lische in den Vordergrund zieht.

Lia Eibenschütz

Da ich heute noch sehr jung bin und mein Dasein eigentlich kaum erwäh- nenswerte Ereignisse aufzuweisen hat, ist über mein Leben nicht viel zu sagen.

Zunächst einmal bin ich ungarischer Abstammung. Geboren wurde ich in Wiesbaden und entstamme einer sehr musikalischen Familie. Das wirkte sich bei mir dahin aus, daß ich Musik studierte und Pianistin wurde. Nach Beendigung meiner Studien gab ich mit vielem Erfolg in Deutschland Kon- zerte. Auf einer dieser Konzertreisen kam ich in Berlin mit dem Film in Berührung. Die vollkommen neue Welt, die sich mir hier erschloß, fesselte mich derart, daß sie mich bald restlos gefangennahm. Nachdem ich nun meine mimische Begabung beim Film entdeckt hatte, verwertete ich sie auch gleichzeitig beim Theater. Einer meiner ersten Erfolge auf der Bühne war der, daß ich mich verheiratete, wobei besonders zu beachten ist, daß mein späterer Gatte, als er mich bei der ersten Probe erblickte, voller Empörung zu unserem Direktor lief und kategorisch erklärte, mit dieser Schauspielerin wolle er nicht spielen. Seit unserer Heirat jedoch hat er seine Anschauung in dieser Beziehung wesentlich geändert.

Meine Einstellung zum Film: Vor allen Dingen gute Rollen möchte ich haben, sehr gute sogar. Besonders liegen mir junge Liebhaberinnen, elegante, schöne, reiche, junge Frauengestalten. Im allgemeinen bevorzuge ich ernste Charaktere. Zwischendurch spiele ich auch gern einmal eine lustige Rolle. Das Theater ist immer dasselbe. Der Film dagegen hat den Vorzug, inter- national zu sein. Es ist für mich ein eigenartiges Gefühl, zu wissen, daß ich an einem Tage gleichzeitig in fünf verschiedenen Erdteilen vor dem Publikum erscheinen kann. Die Musik ist mir auch heute noch eine treue Freundin, denn ich arbeite meine Rollen aus, während ich am Flügel sitze und phanta- siere. Dabei kommen mir die besten Ideen. Ich spiele überhaupt absolut gefühlsmäßig, und je mehr Freiheit mir der Regisseur während der Auf- nahme läßt, um so lieber ist es mir. Trotzdem konzentriere ich mich wäh- rend der Aufnahmen so stark auf meine Rolle, daß ich all die tausend tech- nischen Dinge des Films, die Lampen und die Kamera überhaupt nicht mehr empfinde. Einen Wunsch habe ich noch: Ich habe jetzt sehr viel Filme ge- spielt, aber ich möchte lieber weniger spielen und dafür nur künstlerisch wertvolle Filme, damit ich Zeit und Ruhe zum Ausarbeiten meiner Rollen habe.

Richard Eichberg

Ich bin waschechter Berliner. Das müßten Sie eigentlich schon aus den Filmen gemerkt haben, die ich gemacht habe. Ich glaube, der Humor ist mir schon mit in die Wiege gelegt worden, denn schon auf der Schmiere, auf der Bühne und später im Film habe ich meist komische Rollen gespielt. Als ich aber 1914 anfing, selbst einen Film zu inszenieren, schlug ich plötz- lich in die ganz entgegengesetzte Richtung um und machte Filme sehr ernsten, dramatischen Inhalts. Weshalb eigentlich? Schwer zu sagen. Mit Ellen Richter stellte ich eine Serie von zwölf Filmen her. Die ersten hießen „CoUins Tagebuch" und „Die im Schatten leben". Es folgten alle mög- lichen Filme, die ich nicht besonders aufzählen möchte. 1920 drehte ich mit Paul Wegener einen großen historischen Film „Monna Vanna", der unge- fähr ein Jahr dauerte und bei dem ca. 5000 Statisten mitwirkten. Es folgten eine ganze Reihe von Lee Parry-Filmen dieser Star war auch meine Entdeckung und sie gefielen dem Publikum immer sehr gut. In letzter Zeit habe ich eine ganze Reihe lustiger Filme mit Lilian Harvey her- gestellt.

Mein eigentliches Gebiet ist das Lustspiel. Aber manchmal treibt es mich, wieder ein Stück ernsten Inhalts zu machen. So entstanden „Die Leib- eigenen". Ich bemühe mich, ein Regisseur unserer Zeit zu sein, und bin darauf bedacht, immer wieder Neues im Film zu bringen, um nicht lang- weilig zu werden, sondern das große Publikum immer bei bester Laune zu erhalten. Hieraus erklärt sich auch mein Entdeckertum. Ich darf wohl mit Bescheidenheit feststellen, daß ich eine ganze Masse neuer Gesichter dem Film zugeführt habe und auch jetzt noch dabei bin, neue Talente zu suchen und zu finden.

Es ist nun gerade nicht leicht, wie so manche glauben, etwas Leichtes zu schaffen im Film, mit einer wie Champagner flüssig-prickelnden Hand- lung, etwas Unliterarisches und doch so lebenswahr Ungekünsteltes, daß das Herz des Zuschauers vor Entzücken aus dem Brustkasten springt!

Tempo, Humor, eine schöne charmante Frau, in deren Fingerspitzen das Gefühl für echten Humor vorhanden sein muß das erst gibt dann einen Film, der „knorke" ist. Der Film an und für sich ist ja noch so viel- gestaltig und reich an Möglichkeiten, daß ich hoffe, nocli allerlei Ergötz- liches zu schaffen.

Agnes Esterhazy

Wir Esterhazys sind ein Zweig des in der ganzen Welt bekannten Fürsten- geschlechtes. Wir wanderten aus Ungarn aus und siedelten uns in Sieben- bürgen an. Dort in der Hauptstadt Clausenburg wurde ich geboren. Nach dem Kriege nahmen uns die Rumänen noch das wenige von unserem Hab und Gut, was ein großzügiger Vorfahre uns noch gelassen hatte. Wir flohen bei Nacht und Nebel, weil wir fürchteten, daß man meinen Bruder in rumänische Kriegsdienste pressen würde. Da ich für mich und auch für meine Angehörigen sorgen mußte, und da ich für Film und Theater schon immer ein warmes Interesse gehegt hatte, so erwählte ich mir den Film als künftigen Beruf. Ich wandte mich an den Generaldirektor der „Sascha- Film" in Budapest, wo wir damals wohnten. Dieser schrieb dann an eine Wiener Filmgesellschaft. Man forderte mich auf, zu einer Probeaufnahme nach Wien zu kommen. Wir waren aber gänzlich mittellos, und ich konnte erst reisen, nachdem man mir vorher das Fahrgeld geschickt hatte. Zum Glück fiel die Probeaufnahme gut aus, und ich spielte sogleich bei derselben Gesellschaft die Hauptrolle in dem Film „Der junge Medardus". Von Wien ging ich nach München und spielte hier die tragende Rolle im Film „Zwei Menschen". Dann ging ich nach Berlin und spielte zunächst in dem Film „Die versunkene Flotte" und dann später mit Conrad Veidt zusammen im „Student von Prag" unter der Regie von Henrik Galeen.

Ich habe meinen Beruf recht lieb gewonnen und habe den Wunsch, von der Leinwand herunter den Menschen recht viel zu geben. Ist doch der Film dazu angetan, den Völkern aller Nationen etwas zu bringen. Berlin ist meine neue Heimat geworden. Das Herz freilich wird immer an dem teuren Fleck- chen Erde hängen, wo einst unsere Wiege stand. Aber sollen wir ihm etwa böse darum sein, dem lieben, dummen Herzen . . .

Alexander E. Esway

Von Geburt bin ich Ungar, und zwar ein echter Sohn der Steppe. Ich wurde auf dem Gute meiner Eltern in der Nähe von Debreczin geboren. Dann besuchte ich in Debreczin, Budapest und Wien die Schule. Meine Neigung ging von Anfang an dahin, Schriftsteller zu werden, und schon im 14. Lebensjahre schrieb ich für eine Reihe österreichischer Zeitungen und Magazine Feuilletons und Novellen. Meine Eltern dachten jedoch anders über meinen Beruf und bestimmten mich für die diplomatische Karriere. Ich studierte nun zuerst Jura und Philosophie. Dann trat ich in das Regiment der Wilhelm-Husaren in Debreczin ein und machte als Offizier den Welt- krieg mit. Nach dem Kriege kam ich für kurze Zeit als Attache an die ungarische Gesandtschaft in Paris, um bald darauf in das Ministerium des Äußeren zurückberufen zu werden, wo ich als Sekretär von Ludwig Biro tätig war. Um meinen künstlerischen Neigungen ungestört folgen zu kön- nen, gab ich meine diplomatische Laufbahn auf und wurde Journalist. 1921 ging ich nach Deutschland und war hier für eine Reihe großer ausländischer Zeitungen als Berichterstatter tätig. In diese Zeit fällt auch meine erste Be- gegnung mit dem Film, denn damals schrieb ich eine Reihe von Film-Manu- skripten. Allmählich zog mich der Film immer mehr in seinen Bann. 1922 ging ich nach Hollywood. Hier arbeitete ich mich von Grund auf in die komplizierte Materie des Films ein und verrichtete im Laufe der nächsten Jahre wohl jede Arbeit, die beim Film nur denkbar ist. Ich schrieb Manu- skripte und war abwechselnd Requisiteur, künstlerischer Beirat, technischer Leiter, Regisseur und Produktionsleiter bei der Paramount, Metro-Gold- wyn-Mayer, Cecil B. de Mille und Erich von Stroheim tätige u. a. arbeitete ich an den Filmen „Wings" und „Hochzeitsmarsch" mit.

Ich filme weil ich muß. Ich kann mir keinen anderen Beruf als den Film mehr denken. Am liebsten arbeite ich als Regisseur, und mein Ziel ist das künstlerische Film-Kammerspiel mit 2 bis 3 Darstellern und mit mög- lichst wenig Schauplätzen. Der interessanteste Stoff ist für mich die rein menschliche Tragödie, die Tragödie des einfachen Menschen, deren Manu- skripte aus technischen Gründen große Spannung aufweisen und mit mög- lichst viel Humor durchsetzt sein müssen.

Douglas Fairbanks

Ich kam durch Shakespeare zum Film, und zwar so : In Denver wurde ich geboren und erhielt meine Erziehung und Ausbildung der Reihe nach bei der Jarvis-Militär-Akademie, bei der East Denver und bei der Colorado School.

Meine Familie besaß sehr viele künstlerische Interessen und verkehrte viel mit bekannten Schauspielern. Meine Erziehung bestand zum großen Teil darin, daß ich im Fechten, Tanzen und anderen Sportarten ausgebildet wurde. Daneben beschäftigte ich mich natürlich mit meinem akademischen Studium und vor allen Dingen mit der dramatischen Literatur. Als ich 17 Jahre alt war, ging mein brennender Wunsch, Schauspieler zu werden, in Erfüllung. Ich fing an in New York in einigen Stücken von Shakespeare. Damals begann der große Aufschwung des Films in Amerika, und die Film- gesellschaften setzten ihren Ehrgeiz darein, einen bekannten Broadway- Bühnenstar für ihre Filme zu gewinnen. Auch an mich trat man heran. Ich begann mit einer Gage von 2000 Dollar pro Woche und konnte meine Bühnenerfolge im Film sehr bald vervielfachen.

Durch mein natürliches Gefühl für gesunden Humor, und vor allen Dingen durch die Leistungen meines akrobatisch geschulten Körpers schuf ich sehr bald einen neuen Filmtyp. Bei Artkraft, Famous Players Lasky- Corporation und dann in meiner eigenen Douglas Fairbanks Pictures Cor- poration schuf ich eine große Anzahl von Filmen, bis ich mit einigen Freunden zusammen die United Artists Corporation gründete. Hier errang ich meine größten Erfolge mit „Der Dieb von Bagdad", „Der Sohn des Zorro", „Der Seeräuber" und zuletzt mit dem „Gaucho". Wie ich mit meinen Rollen einen neuen Filmtyp geschaffen habe, so versuche ich, auch technisch dem Film immer neue Möglichkeiten zu erobern. Es ist mein Bestreben, unserem prosaischen, sachlichen Jahrhundert durch meine Filme aufs neue das Empfinden für lebensfrohe Abenteuer und echte Romantik nahezubringen, und ich hoffe, dadurch den Millionen der Kinofreunde manche angenehme Stunde zu bereiten.

Julius Falkenstein

Ich bin in Berlin geboren, das ist bemerkenswert, ebenso bemerkenswert wie die Tatsache, daß ich bereits auf der Schule Theater spielte. Daraus ergibt sich logischerweise, daß ich schon von Jugend an mit dem „unwider- stehlichen Drang" zum Theater behaftet war. Mein Vater war wesentlich anderer Ansicht. Er wollte einen Mediziner aus mir machen und erklärte mir in häufigen Diskussionen mehrfach, daß er mich totschlagen würde, wenn ich zum Theater gehe. Trotz allem aber kam ich selbstverständlich zum Theater und begann meine künstlerische Laufbahn am Berliner Theater unter Lindau in „Alt-Heidelberg" mit Harry Waiden. Dann kamen kleine Rollen am Lessingtheater. Da ich mich in Berlin damals nicht durchsetzen konnte, gab mir ein älterer Kollege den guten Rat, in die Provinz zu gehen. Ich begann in Posen als jugendlicher Held in „Maria Stuart" und hatte bei meinem ersten Auftreten einen durchschlagenden Lacherfolg. Das Er- gebnis dieses Abends war, daß mich mein Direktor als Komiker erkannte. Die nächsten Jahre führten mich durch fast alle größeren Städte Deutsch- lands und Österreichs, bis ich kurz vor dem Kriege endgültig in Berlin landete.

Hier in Berlin kam ich auch zum erstenmal mit dem Film in Berührung, und zwar 191 4, als ich bei Joe May in einem seiner Detektivfilme spielte. Dann folgten einige Lustspiele unter Lubitsch, von denen „Die Austern- prinzessin" ein ganz großer Erfolg wurde. Seit dieser Zeit habe ich bisher fast hundert Filme gespielt.

Ob ich dasTheater oder den Film mehr liebe ? Ich weiß es nicht. Entscheidend ist für mich stets die Rolle. Wenn sie gut ist, spiele ich sie gern. Vielleicht reizt mich der Film doch etwas mehr, denn die Kunst des Filmschauspielers liegt in seinen Augen. Selbstverständlich muß auch der Körper mitgehen. Aber das Entscheidende im Film ist der Blick. Mein Wunsch ist, unter guten Regisseuren gute tragisch-komische Rollen zu spielen Rollen, bei denen der Zuschauer zugleich lachen und weinen muß. Ich versuche, in allen meinen komischen Rollen das tragische Element zu betonen und glaube, daß ein großer Teil meines Erfolges darin liegt, daß ich meine Rollen so spiele, wie sie uns als Typen im Leben erscheinen. Wenn ich immer die Rollen hätte, die ich mir wünsche, ich glaube, dann würde ich nur noch Film spielen.

Friedrich Feher

Wer etwas auf sich hält, ist selbstverständlich in Wien geboren ich auch. Schauspielerakademie absolviert, sodann Bühne, mit ziemlichem Erfolg auch Wiener Theaterdirektor. Später Berlin. Seit zwanzig Jahren bereits beim Film, bis 1926 gleichzeitig bühnentätig. Die ersten acht Jahre als Regisseur bei der deutschen Mutoskop und Biograph Ges. m. b. H.

Meine letzten Filme habe ich für die National gedreht. Es waren dies: „Mata Hari", „Die Geliebte auf dem Königsthron", und „Sensationsprozeß".

Für mich ist der Film Inbegriff alles Neuen, Aktuellen in der Kunst, er verkörpert alles Gegenwärtige und auch Zukünftige. Darum wird mich jeder Stoff interessieren, der unserer Zeit entnommen ist. Auch das Ver- gangene muß im Film wirken, als sei es nicht ein Bild von gestern, sondern ein Bild von heute. Das ist Vorbedingung der modernen Regieführung.

Cilly Feindt

Im Alter von neun Jahren, da sich andere Mädchen mit den schweren Problemen des Rechnens und fremder Sprachen abplagen müssen, entdeckte ich in mir die Liebe zur Reitkunst. Schon nach Ablauf von drei Jahren,, als ich zvi^ölf Jahre alt w^ar, gab es kaum ein Pferd, das ich nicht imstande war, zu meistern. Darauf lernte ich privatim bei dem ersten Schulreiter des Zirkus Busch, Herrn Heß, die hohe Schule. Mein Schulpferd „Nestor", mit dem ich in der Scala ein Gastspiel gab und großen Erfolg errang, ist seit Jahren mein bester Freund. Mit ihm löse ich die schwierigsten Aufgaben.

Wie ich zum Film kam? Ganz einfach! Mein Herr Papa hat in Berlin, wo ich auch geboren bin, eine eigene Filmproduktionsgesellschaft, und so lag der Gedanke nahe, mich mit meinem Freunde „Nestor" in einem Film spielen zu lassen. „Die Zirkusprinzessin" war mein erster großer Film- erfolg. Dann filmte ich als „Mordsmädel" mit sieben großen Elefanten, mit denen ich mich sehr befreundete. Später folgten die Filme „Gefährdete Jugend" und zuletzt „Der Feldmarschall", mit dem ich das große Film- rennen gewann.

Reitsport ist für mich die liebste Beschäftigung, aber noch schöner ist es, wenn ich auf dem Rücken meines Pferdes über die Leinwand rasen kann, um jubelt von dem großen Publikum der Welt.

Angelo Ferrari

In Rom als Sohn eines angesehenen Direktors des Eisenbahnwesens ge- boren, sollte ich natürlich einmal studieren. Meine Schwärmerei für die Kunst, das Theater und den Film begann schon in frühester Jugend. Dann war es noch der Sport, dem ich leidenschaftlich ergeben war, und ihm dem Sport, habe ich es zu verdanken, daß ich zum Film gekommen bin. Das geschah eines Tages anläßlich eines großen Sportfestes : ich gewann mit 15 Jahren die italienische Rollschuhmeisterschaft! Den Ehrenpreis aber überreichte mir die Filmdiva Diana Carenne, und da ich sie mit meinen träumenden Knabenaugen bezauberte, engagierte sie mich für eine Haupt- rolle in ihrem Film „Sophia von Krakovia". Ich wurde ein Filmprinz wäh- rend meiner Schulferien, ohne Wissen der Eltern, verdiente mein erstes Geld und errang bei der Aufführung einen großen Erfolg. Meine Eltern waren überrascht und begeistert und erlaubten mir nun, meinem Filmstern weiter zu folgen. Ich hatte in meiner Heimat sehr viele Angebote erhalten und war schon mit meinen 19 Jahren auf dem besten Wege zum Filmstar, als der Krieg ausbrach und mich für drei Jahre als Fliegeroffizier ins Feld schickte. Als der Krieg endlich aus war, filmte ich noch einige Jahre in Rom mit Francesca Bertini. 1922 ging ich nach Berlin. Dupont engagierte mich für seine „Grüne Manuela". „Motorbraut", „Junges Blut", „Kopf hoch, Charly" und viele Porten-Filme waren für mich meist gute Erfolge bei Presse und Publikum.

Ich ziehe Film der Bühne vor, obwohl ich so manches Mal mit meinen Rollen nicht einverstanden bin. Vor allem mag ich keinen Intriganten spielen. Ich will der lustige Liebhaber bleiben! Denn ich bin nun einmal lustig, die Filmerei macht mir sehr viel Vergnügen, und nicht zuletzt tragen hierzu die vielen, vielen Briefe bei, die ich von netten, lustigen Backfischen bekomme ! . . .

Klaus Fery

In München kam ich als Sohn eines Bankdirektors zur Welt, war also für den kaufmännischen Beruf sozusagen prädestiniert. Aber die Kunst war es vor allem, der mein frühzeitiges Interesse galt, das Kaufmännische kam hinterher. Nach Abschluß des Gymnasialstudiums in München be- gann das Studium der Theater- und Kulturgeschichte und der Besuch der Vorlesungen an der Universität. Dann ging's auf die Schauspielschule König in München, von dort aus auf die Bühne. Zuerst in München, dann auf eine Tournee durch ganz Bayern. Schon damals begann ich zu filmen und mich lebhaft für die Aufnahmetechnik zu interessieren. 1914 1917 hinaus ins Feld als Kavallerieoffizier d. Res., 191 7/1 8 erster Bühnendarsteller han- noverscher Theater, schriftstellerisch und dramaturgisch tätig. Im Jahre 191 8 errichtete ich in Hannover ein Kinotheater, studierte eifrig den Filmverleih und Filmvertrieb und war noch im selben Jahre Autor, Regisseur und Haupt- darsteller eines großen Filmlustspiels. Bald darauf jgründete ich die erste han- noversche Filmfabrik „Fery-Film", deren künstlerischer und kaufmännischer Leiter ich war. Ich baute ein eigenes großes Atelier, eine Entwicklungs- und Kopieranstalt und produzierte drei große Spielfilme: „Der ewige Mönch", „Feindliches Blut", „Flachsmann als Erzieher" mit Darstellern wie Eugen Klopfer, Helga Molander, Emil Lind, Willy Achsel usw., außerdem eine Serie dreiaktiger Lustspiele mit Anna Müller-Lincke. Ab 1921 verlegte ich mein Tätigkeitsfeld nach Berlin, organisierte Filmbetriebe, produzierte unter eigener Regie einen großen Sensationsspielfilm. 1925 ging ich nach der Schweiz: Bühnengastspiele und Leitung einer Firma für Naturfarbenfilme. 1926 wieder in Berlin. Neugründung der „Fery-Filmgesellschaft". Jetzt entstanden eine ganze Reihe von Spielfilmen unter meiner künstlerischen Leitung und Produktionsleitung. Für 1928 bereite ich drei Großfilme vor und hoffe infolge meiner in allen künstlerischen und geschäftlichen Film- sparten gesammelten Erfahrungen mit immer besseren Werken vor das Publikum treten zu können.

Am Film reizt mich besonders das Unerschöpfliche seiner Möglichkeiten. Und vor allem der Gedanke, daß, wie im Mittelalter das Mysterienspiel do- minierte, auch heute wieder eine große Volkskunst da ist, in der die vox populi von neuem zu Gehör gelangt.

Olaf Fjord

In Chrisriania geboren, kam ich schon als dreijähriger Bengel nach Süd- slawien, nach Bosnien und der Herzegowina, wo mein Vater dienstlich zu tun hatte. Ich besuchte dort das Gymnasium und wurde von meinen Eltern wegen allerlei lustiger Streiche und meines „Schauspielerfimmels" in das Benediktinerkloster gesteckt und sollte Geistlicher werden! Als der Krieg ausbrach, riß ich aus. Aus dem Felde kehrte ich nach Wien zurück, studierte Gesang mit einer kärglichen Beihilfe, die mir meine Eltern für meine künst- lerische Ausbildung gewährten, bis mich eines Tages der Regisseur Zangen- berg für den Film entdeckte. Zunächst waren es Offiziersrollen, die ich zu spielen bekam, dann aber kamen so viele Engagements und Rollen, daß ich nur einige Filme nennen will: „Monna Vanna", „Weg zu Gott", „Lebens- künstler", „Zwei Menschen", „Götz von Berlichingen" u. a. m. Ich grün- dete dann auch meine eigene Gesellschaft in Wien, bald aber holte mich die Pariser „Nathan-Produktion". Filmenderweise ging es nach Amerika, Afrika, Indien und in noch viele andere interessante Länder und Städte. Die Welt erschloß sich mir in ihrer märchenhaften Pracht, und je mehr ich sie kennenlernte, um so mehr liebte ich sie und die Menschen, die in ihr wohnen .

Der Film ist eine fabelhafte Angelegenheit, wenn man Rollen spielen kann, die einem liegen. Nicht immer die süßen, kitschigen, verlogenen Himmler und Liebhaber, zu denen man mich so oft und so gern verwendet, und die jeden künstlerischen Ehrgeiz in meiner Seele töten. Aufgaben, je schwieriger, um so lieber, starke Rollen, von seelischen Kämpfen getragen, will ich erhalten Rollen, in denen ich mich entfalten kann ! Dieses heute so oft praktizierte Durchhetzen eines Filmspiels in zwei oder drei Wochen aus Ersparnisgründen durch das bittere geldliche „Muß" liegt mir nicht; ich kann nichts Oberflächliches vertragen, denn ich nehme es mit der Film- kunst sehr genau, und di,e Gestaltung einer Rolle ist für mich eine sehr ernste Angelegenheit.

Jakob Fleck

Wien ist meine Heimatstadt, und schon als junger Bursche wandte ich mich der Bühne zu. Zunächst wurde ich Charakterschauspieler in Troppau und Tschernowitz. Später war ich dann in Wien an verschiedenen Theatern als Regisseur und Schauspieler tätig. Ich interessierte mich schon früh für den Film und begann mich bereits 1910 praktisch im Film zu betätigen. Dann gründete ich mit meiner Frau zusammen die Wiener Kunst-Film- Industrie-Gesellschaft, aus der später die „Wieda" entstand. Zunächst insze- nierte ich eine Reihe von Filmen, Romane von Ganghofer und Volksstücke von Anzengruber. Bis 1923 war ich nur in Wien als Regisseur tätig und habe weit über 100 Filme inszeniert. Dann ging ich nach Deutschland. Hier machte ich als ersten Film „Frühlingserwachen" nach Wedekind. Dieser Film wurde für mich nicht nur ein künstlerischer, sondern auch ein großer geschäftlicher Erfolg. Weitere Filme, die ich in Berlin machte: „Liebelei", „Der Orlow", „Bettelstudent", „Der fröhliche Weinberg". Augenblicklich inszeniere ich für die Ufa „Die Yacht der sieben Sünden" mit Brigitte Helm in der Hauptrolle. Dieser Film ist der 186. Film, den ich inszeniere.

Ich bin der Überzeugung, daß der Film, wie er heute ist, noch um vieles verinnerlicht werden muß. Er muß seinen Stoff viel tiefer aus den mensch- lichen Problemen schöpfen, um von Mensch zu Mensch sprechen zu können.

Maria Forescu

Rumänien ist meine Heimat. Aber schon als Kind kam ich nach Prag. Hier besuchte ich fleißig das Konservatorium und erhielt Gesangsausbildung. Mein erstes Engagement als Sängerin rief mich nach Wien ans Karl-Thea- ter. Darauf ging es nach Petersburg. Die erfolgreiche Karriere, die ich meiner guten Stimme verdanke, führte mich bald nach Deutschland. Es ginge zu weit, sollte ich alle Städte aufzählen, in denen ich gastiert habe. Von meiner ruhelosen langen Reise kehrte ich schließlich nach Berlin zu- rück, wo ich festen Fuß faßte. 1916 hörte ich auf zu singen.

Mein Interesse wandte ich fortan in steigendem Maße dem Film zu, dieser neuen aufstrebenden Kunst. Joe May holte mich als erster und verpflichtete mich für seinen großen Film„Veritas vincit". Der Erfolg meiner ersten Rolle war groß, das Interesse der Filmregisseure noch größer. Es ist mir nicht möglich, alle Filme aufzuzählen, in denen ich gespielt habe, es sind deren zu viele. In letzter Zeit habe ich in Indien gefilmt. Die Reisen sind die schön- sten Erinnerungen, die der Filmberuf mit sich bringt. Meine schauspiele- rische Stärke liegt in Charakterrollen, in leidenschaftlichen, stark ausgepräg- ten Naturen. Der Film ermöglicht es mir, viel stärker zu charakterisieren als die Oper. Überhaupt halte ich den Film für die am intensivsten wirkende Kunstart, und er wird das Theater noch mehr in den Hintergrund drängen, als er es bisher getan hat.

Willy Fritsch

Mein Vater war Fabrikbesitzer, und geboren wurde ich ohne meine Schuld in Kattowitz. Aber ich kam schon sehr bald nach Berlin und wuchs hier auf. Schon als Schüler hatte ich es mir in den Kopf gesetzt, un- bedingt zum Theater zu gehen. Das aber war gegen den Willen meines Vaters, und da ich mich der höheren Gewalt beugen mußte, sollte ich eben- falls Ingenieur werden. Ich praktizierte bei Siemens und besuchte nebenbei das Technikum, das ich jedoch meistens schwänzte. Dafür statierte ich im Großen Schauspielhaus. Hier entdeckte mich Reinhardt, und als ich eines Tages für einen erkrankten Schauspieler einspringen mußte, wurde ich bald darauf engagiert und spielte nun am Deutschen Theater „tragende" Rollen, denn ich mußte Tabletts, Briefe, Speere und ähnliche Gegenstände auf die Bühne tragen. Auf die Dauer genügte das aber meinem künstlerischen Ehr- geiz nicht; ich ging von Reinhardt weg und wurde nach Bremen enga- giert, wo ich als jugendlicher Held spielte. Hier blieb ich über ein Jahr. 1920 erhielt ich das erste Angebot von der Ufa, in dem Mady Christians- Film „Seine Frau die Unbekannte" mitzuspielen. Später löste die Ufa mich aus meinem Bremer Vertrag, indem sie die Konventionalstrafe zahlte, und seitdem bin ich dauernd bei der Ufa tätig gewesen. Zwischendurch habe ich Theater und auch in einer Revue gespielt.

Es ist selbstverständlich, daß mir heute der Film viel mehr bedeutet als das Theater, auch in künstlerischer Hinsicht. Ich bin nicht begeistert von meinen Liebhaberrollen, ziehe jugendliche Charakterrollen mit dramatischem Einschlag vor. Ich schätze am Film im Gegensatz zum Theater besonders die absolute Natürlichkeit. Alles, was man macht, muß echt sein. Man kann kein „Theater" im Film machen. Für mein Gefühl ist die Filmkunst künstlerisch hochwertig, oder sie könnte es sein, wenn die Industrie die Filmproduktion unter ernsteren künstlerischen Gesichtspunkten betreiben würde. Daß dieses eines Tages der Fall sein möge, ist mein ganzer Wunsch.

Gustav Fröhlich

Am 21. März 1902 erblickte ich unter ganz gewöhnlichen Umständen das Licht der Welt. In Hannover. In der alten Bischofsstadt Würzburg ver- brachte ich meine frühe Kindheit. Buchstabieren und recht fehlerhaft schrei- ben lernte ich aber erst in Wiesbaden. In der Sexta mit blauer Samtmütze und einem kessen Goldstern daran, saß ich bereits in Berlin. Hier „stu- dierte" ich bis zur Unterprima, sieben Jahre lang. Vor die Wahl gestellt, einen ehrlichen anständigen Beruf zu ergreifen oder dem lockenden Ruf eines kleinen Käseblättchens als sogenannter Hilfsredakteur zu folgen, reiste ich kurz entschlossen mit einer Unzahl eigener Manuskripte in meinem Reisekorb in jenes kleine Städtchen bei Hannover ab. Dort war ich bald ein einflußreicher Mann, mit hungrigem Magen, denn in einer Person stellte ich Lokalreporter und Stadtparlamentsberichterstatter, Theaterkritiker, Korrekturleser und Expedient dar und vermittelte gleichzeitig den Verkehr mit dem Publikum. Selbstredend war ich auch Annoncen] äger. Ich war so hundsjung, daß ich für alles zusammen nur 35 Mark im Monat erhielt. Durch mein Amt als Kritiker bekam ich Fühlung mit dem Theater, durch meinen Hunger mit dem Film. Ich rezitierte nämlich für den berühmten Film „Der Weg, der zur Verdammnis führt" einen Prolog für 15 Mark pro Abend. Das war der Anfang besserer Zeiten. Flucht aus der Redaktion brachte mich zu einer finsteren Schmiere; aber es war wunderschön. Und dann folgten wieder schlimme Jahre. Der Zufall führte mich eines Tages wieder nach Berlin zurück. Theater, Theater, Theater. Immer von vorn an- fangen, bis der leise Erfolg kommt. Einen sicher macht. Glauben gibt an sich selbst.

Und der Film ? Es wäre noch schöner, wenn diejenigen Leute Manu- skripte schreiben können, die wirklich etwas zu erzählen haben. Wenn die Filmfabrikanten einsehen würden, daß mit nach den scheinbaren Bedürf- nissen des großen Publikums konstruiertem sentimentalem Kitsch das Publi- kum auf die Dauer nur ins Sprechtheater oder in die Lokale vertrieben wird. Um dem Film weiter zu helfen und ihm neue Freunde zu schaffen, brauchen wir aber Autoren, Regisseure und Darsteller, die an den Film glauben und von seinen künstlerischen Möglichkeiten überzeugt sind. Mit solchen Kol- legen zu arbeiten, ist mein größter Wunsch.

Alfons Fryland

Was soll ich Ihnen denn erzählen? Daß ich ein echtes goldiges Wiener Herz habe und täglich morgens mit meinem Punchingball einen wütenden Boxkampf austrage? Oder daß ich gern musiziere und auch Lieder kompo- niere ? . . .

Meine Jugend verlebte ich auf einem idyllisch gelegenen Gut in Schle- sien, tobte dort in Gottes freier Natur herum, las Bücher über Pflanzen und Tiere und ging ganz gern in die Schule, da ich leicht lernte. Nach Beendi- digung des Gymnasiums in Feldkirch ging ich nach Wien auf die Export- akademie und arbeitete dann praktisch in London, Paris und Zürich. Dann Militärdienst, darauf Musikstudium in Paris und Graz. Während meines Aufenthaltes in München nahm ich dramatischen Unterricht bei Peppler. Darauf ging's in den Krieg, aus dem ich glücklich zurückkehrte.

Wie ich nun zum Film kam? Das war im Jahre 1920 in Wien, wo mich der Regisseur Freisler zur „Sascha" brachte. Zu meiner großen Freude be- kam ich sofort die männliche Hauptrolle in dem Saschafilm „Die Jagd nach dem Glück". Es wurde eine Jagd für mich, bei der ich wirklich das Glück erjagte, denn jetzt begann die Filmkarriere. Aber nicht immer war es so leicht, wie es vielleicht aussah. Es hieß auch damals, sich durchzusetzen und emporzuarbeiten. Ich spielte in verschiedenen Filmen mit Lucy Doraine unter Michael Kertesz. Im Jahre 1921 holte mich der deutscTie Film. Ich spielte zuerst als Partner von Lotte Neumann in „Der ewige Kampf". Von meinen großen Filmen will ich vor allem „Quo vadis" nennen, wo ich den Vinitius spielte. „Leichte Kavallerie" und „Charlott etwas verrückt" waren zwei meiner letzten Filme.

Rollen bietet man mir genug an, so daß ich oft Angebote zurückweisen muß. Ich spiele sehr gern den modernen Menschen, der nicht nur rein äußer- lich Salonmensch ist, sondern ein Mann sein muß, der das Tempo unserer Zeit in den Knochen hat, sportgestählt und mit einem zielbewußten Charak- ter, der fähig ist, den Kampf gegen die Welt der geistigen Verflachung und des seelischen Niederganges erfolgreich durchzuführen. Denn das ist eigent- lich auch die edelste Aufgabe, die der Film von heute erfüllen müßte: uns Menschen vor Augen zu führen, die für uns moderne Idealgestalten sind und uns zugleich zum Nacheifern anspornen. Auf daß die Filmkunst dadurch eine ihrer vornehmsten Kulturaufgaben an der Menschheit erfülle!

Werner Fuetterer

Die ersten sechs Jahre meiner „jüngsten Jugend" verlebte ich in meiner Heimatstadt Stralsund, wo ich 1907 geboren wurde. Dann kam ich schon in die Welt hinaus, und zwar nach Guatemala in Mittelamerika, wo mein Vater eine Farm erworben hatte. Die ungebundene Freiheit auf der ausgedehnten Besitzung wurde mein Jugendparadies. Es ist menschlich, daß ich nur ungern dem gestrengen Rufe meiner Mutter, die mir den ersten Unterricht gab, Folge leistete. Bis zu meinem achten Jahre waren ihre Unterweisungen mein einziger Schulzwang! Nun aber forderte die „Bildung" energisch ihren Tribut, und ich kam nach Guatemala in die deutsche Schule. Eins meiner größten Schulereignisse war folgendes: Als ich just in den Ferien auf der elterlichen Farm umhertollte es war Weihnachten 191 7 zerstörte ein Erdbeben ganz Guatemala. Als diese Nachricht zu uns kam, erkundigte ich mich naturgemäß als erstes danach, ob auch unsere Schule Schaden ge- litten hätte. Und in der Tat, auch sie war vom Erdboden verschwunden. 1919 regte sich in meinen Eltern das Heimweh, die Farm wurde verkauft, und wir kehrten nach Deutschland zurück. Ich kam nach Lübeck auf die Schule, wo die ersten Berührungen mit Kunst und Wissenschaft erfolgten. Eine Einladung des schwedischen Schriftstellers Hjalmar Bergmann nach Schweden ermöglichte mir, dort Bekanntschaften mit Mauritz Stiller, Mary Johnson usw. anzuknüpfen. Von da ab schmeckte die Schulbank nicht mehr. Mein ganzes Sinnen ging dahin, Schauspieler zu werden. Am 22. Ok- tober 1924 sprach ich Max Reinhardt etwas vor und wurde in die Rein- hardt-Schule aufgenommen. Plötzlich jedoch berief man mich nach Schwe- den, Probeaufnahmen wurden von mir gemacht, und ich wurde für den Film „Der fliegende Holländer" engagiert. Hierauf spielte ich unter Grüne in „Brüder Schellenberg", dann unter Artur Bergens Regie in „Die Wis- kottens", und kurz darauf wurde ich als „Friseur Kubinke" verpflichtet. Jetzt kamen die großen Publikums- und Kassenfilme, die mich populär machten: „Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren", „Keusche Susanne", „Durchlaucht Radieschen" usw. Der Film ist für mich Lebensnotwendig- keit geworden, weil ich durch ihn mich selber entdeckte, und weil er mir Gelegenheit gegeben hat, meine künstlerische Sehnsucht zu stillen.

Wladimir Gaidarow

Ich, Wladimir Gaidarow, bin im Herzen der Ukraine, in der so malerisch gelegenen Stadt Poltawa geboren. Dort verlebte ich auch meine Jugend und absolvierte das Gymnasium. Dann bezog ich die Universität der alten Zaren- stadt Moskau und studierte Geschichte und Philosophie. Besonderes Inter- esse w^idmete ich den deutschen Philosophen. Ich spielte schon mit dem Ge- danken, mich ganz der Hochschullaufbahn zu widmen, als ich im Jahre 191 5 den berühmten Regisseur Stanislawsky kennenlernte, der mich für die Bühne gewann. Im ersten Jahre meiner neuen Laufbahn wurde mir schon am Moskauer Künstlertheater die jugendliche Hauptrolle des dramatisierten Dostojewskischen Romans „Das Gut Stepantschikowo" übertragen.

Dem Film wandte ich mich im dritten Jahre meines Wirkens am Mos- kauer Theater zu. Hier war mein ganzes Streben, die dramatischen Prin- zipien und Methoden Meister Stanislawskys auf die Leinwand zu über- tragen, also hieß es auch für mich: „Um zu verstehen, muß man fühlen." „Man muß den Zuschauer vor allem lehren, das Kluge zu verstehen und das Tiefe zu fühlen." j,Nie darf sich der Künstler zur Menge herablassen, sondern er muß die Menge zu sich emporziehen." Mit solchen Sätzen wandte sich Stanislawsky immer und immer wieder an seine Schüler. Diese Lehrsätze wurden auch für meine Tätigkeit beim Film maßgebend. Be- kannte russische Filme kamen. Immer mehr Schwierigkeiten tauchten in Rußland auf. Deshalb zog ich nach Estland und Lettland, wo ich in vielen Gastrollen auftrat, um schließlich 1921 in Berlin zu landen. Hier fand ich Arbeit in den Filmen „Die Gezeichneten", „Der brennende Acker" und schließlich bei Joe May in „Tragödie der Liebe". Nach einem Gastengage- ment in der Tschechoslowakei ließ ich mich für längere Zeit in München nieder, wo ich die Rolle des Paris in „Helena" (Der Untergang Trojas) spielte. Dann kam ich wieder nach Berlin, und heute habe ich im deutschen Film eine zweite künstlerische Heimat gefunden.

Abel Gance

Ich wurde in Paris geboren und besuchte hier das College Chaptal. Schon während der Schulzeit beschäftigte ich mich mit der dramatischen Literatur besonders stark und faßte schon damals meinen Entschluß, zum Theater zu gehen. Als ich diesen Entschluß später durchführte und ein Engagement an einem Brüsseler Theater annahm, zog ich mir alle Verwünschungen meiner Familie zu. Damals schrieb ich auch zwei Theaterstücke und einen Band Gedichte, letztere gab ich jedoch nie heraus. Mit mir selbst vollkommen un- zufrieden, kehrte ich verzweifelt nach Paris zurück, wo ich ein Buch mit metaphysischen Essays schrieb, die ebenfalls nie veröffentlicht wurden. In die- ser Zeit entdeckte ich Nietzsche und schöpfte aus ihm neuen Lebensmut. Ich Bchrieb dann mein bestes Werk „La Victoire de Samothrace" in 5 Akten. Ich schickte dieses Stück an Sarah Bernhardt, bekam ein Telegramm von ihr und fuhr voller Hoffnung nach Paris. Das war im Juli 19 14. Dann brach der Krieg aus, und alle Hoffnungen wurden wieder vernichtet. Ein Jahr war ich an der Front. Dann kehrte ich in die Heimat zurück und konnte mich wieder meinen künstlerischen Arbeiten widmen. Damals entdeckte ich den Film und war von ihm fasziniert. Ich beg-ann beim Film vollkommen von neuem und spielte zunächst einige kleine Filme, u. a. ein Lustspiel mit Max Linder. Dann verkaufte ich für 35 Francs mein erstes Manuskript an Paganini und für 45 Francs mein zweites. Darauf verfaßte ich mehrere andere Filmmanuskripte, von denen einige abgelehnt, andere aufgenommen wurden. Durch Zufall kam ich mit Louis Nalpas in Berührung, dem ich für 300 Francs ein Filmmanuskript verkaufte: „L'Infirmiere". Bei diesem Film war ich von Anfang an mit größtem Interesse bei den Aufnahmen dabei. Auf Grund des großen Erfolges bot mir Nalpas an, selbst einen Film zu inszenieren. Nach kurzem Zögern nahm ich an, und acht Tage später war mein erster Film, mit einem Kostenaufwand von 5000 Francs, beendet. Nun folgte Film auf Film. Immer mehr setzte ich meine eigenen Ideen durch, soviel ich auch angefeindet wurde, und begann mein künstlerisches Ziel zu sehen. Dann kam im Jahre 191 7 „J'accuse". Dieser Film wurde für mich entscheidend. 191 9 folgte „La Roue", bis ich in „Napoleon" den Film schaffen konnte, der am stärksten meinen künstlerischen Willen zum Aus- druck bringt.

Der Film ist die Musik des Lichts.

Meine Meinung über den Film ist, daß er eine unendlich starke Macht ist, die nutzbar gemacht werden sollte für die durch die tägliche Arbeit ermüdeten und erschöpften Menschen, um ihnen Erholung und Freude zu bereiten. Ich möchte das Empfinden für das geschriebene und gesprochene Wort verlieren, um ganz in dieser schweigenden Kunst aufgehen zu können.

Greta Garbo

In Stockholm, wo ich geboren wurde, besuchte ich die Akademie der Künste. Hier war ich noch als Schülerin tätig, als Mauritz Stiller mich für eine Hauptrolle in seinem Film „Gösta Berling" verpflichtete. Obwohl ich nie gespielt hatte, wagte ich den Versuch und errang einen Erfolg, der mich über Nacht in ganz Europa bekannt machte. Ich erhielt sofort viele Angebote von ausländischen Filmgesellschaften, die ich aber alle ablehnte, weil ich in Schweden bleiben wollte, wo ich noch eine Reihe von Filmen spielte. Als ich 1925 einen Film in Deutschland spielte, erhielt ich hier einen Kontrakt von Metro-Goldwyn-Mayer und ging noch im selben Jahre nach Amerika. Auch hier konnte ich mich sehr bald durchsetzen.

Ich liebe den Film heute so, daß ich ihn nicht mehr missen möchte. Wie ich ihn liebe, und wie ich meine künstlerischen Aufgaben empfinde, das sieht man am besten aus meinen Filmen selbst.

Janet Gaynor

In Philadelphia wurde ich geboren und ging dort, in Florida, Chicago und San Francisco zur Schule. Ich entstamme einer einfachen bürgerlichen Familie, die keine näheren Beziehungen zur Bühne, zum Film oder zu son- stigen Künsten hatte. Im Dezember 1924 kam ich nach Hollywood und bekam gleich am Tag nach Weihnachten eine kleine Episode zu spielen. Bei solch kleinen Episoden blieb es auch 6 Monate lang. Dann bekam ich eine Hauptrolle in einem längst vergessenen Wild-VVest-Zweiakter. Ich machte also keine Ausnahme von den vielen heute glänzenden Stars, die „von der Pike auf", d. h. vom Wild-West-Film an, angefangen haben.

Das Glück, eine richtige Rolle in einem richtigen großen Film zu bekom- men, lächelte mir erst wieder ein halbes Jahr später. Sheehan wurde auf mich aufmerksam und gab mir zunächst eine Rolle in dem Film „John Stown Flood". Der Erfolg dieses Filmes war für mich ein fester Vertrag mit der Fox-Film-Corporation. Ich spielte danach in „Der Kuß um Mitter- nacht" und „Der blaue Adler". „Der blaue Adler" war ein amerikanischer Marinefilm, in dem ich zum erstenmal mit George O'Brien zusammen spielte, mit dem ich bald darauf unter Murnaus Regie „Sonnenaufgang" machen sollte. Von diesem Film an beginnt mein Aufstieg, und gleich dar- auf trug ich in „Im siebenten Himmel" einen noch größeren Erfolg als in „Sonnenaufgang" davon. Mit 17 Jahren begann ich meine Laufbahn. Heute bin ich 19 und hoffe, noch viele große Rollen zu spielen und ebenso viele Erfolge zu erringen.

Otio Gebühr

Ich bin in Kettwig an der Ruhr geboren, aber in Köln zur Schule ge- gangen, was eine Verehrerin von mir aus Hamburg zu dem Ruf veranlaßte: „Die Gegend kenne ich, was für ein weiter Schulweg jeden Tag für so einen kleinen Jungen!"

Nach meinen Lehr- und Wanderjahren landete ich schließlich in Dresden als Königlicher Hofschauspieler. Von dort kam ich nach Berlin zu Brahm ans Lessing-Theater und später ans Theater in der Königgrätzer Straße, Meine erste Filmrolle war gleich diejenige, die meine Filmkarriere be- gründen sollte. Der Regisseur Karl Boese drehte seinerzeit mit Frau Lydia Salmonowa in der Hauptrolle einen Film, der „Die Tänzerin Barberina" hieß. Für die letzten Akte suchte man einen Fridericus. Paul Wegener, der Gatte der Diva, brachte mich in Vorschlag. So kam ich zum Film und zur Fridericus-RoUe. Mein entscheidender Erfolg aber wurde erst der vierteilige Fridericus Rex-Film des Regisseurs Arzen von Czerepy. Dann folgten u. a. „Die Perücke", „Eiserne Braut", ,',Die Sporck- schen Jäger". Erst kürzlich wurde der neue zweiteilige Fridericus-Film der National „Der alte Fritz" für mich zu einem großen künstlerischen Erfolge. Neben den Fridericus- und den Kapitänrollen ist es besonders das phan- tastische Genre, das ich bevorzuge. Wenn man mich in dem Gebührbuche einen Mann des schnellen Erfolges nennt, so ist das richtig und wieder auch nicht richtig. Gerade in den Anfängen meiner Laufbahn habe ich jahrelang sehr hart kämpfen müssen, bis die Sehnsucht meiner Jugend, ein tüchtiger Schauspieler zu werden, erfüllt wurde.

Filmen ist eine sehr schwere Sache. Und es gehört genau wie auf der Bühne neben Fleiß eine große künstlerische Begabung dazu, wenn man Menschenschicksale echt und packend verkörpern will.

Ich habe es immer sehr bedauert, daß man mich lange Zeit auf die Fridericus-Rollen festgenagelt hatte. Wenn ich diese Rollen auch stets sehr gern gespielt habe, ja sogar mit großer Begeisterung, so reizt mich als Schau- spieler doch vor allem der Wechsel in den mir gestellten Aufgaben. Je verschiedener die von mir darzustellenden Charaktere sind, um so mehr be- friedigen diese Rollen meinen künstlerischen Ehrgeiz.

Augusio Genina

Als Filmregisseur habe ich mich erst in Deutschland völlig entwickeln können, obgleich ich in meinem Heimatlande Italien und auch in Spanien schon eine Reihe von Filmen gedreht habe.

Mein erster Erfolg in Deutschland war das Lustspiel „Komtesse Bubi- kopf", das ich mit Carmen Boni in der Hauptrolle in Italien inszenierte und dessen Manuskript ich selber schrieb, wie überhaupt alle Manuskripte meiner Filme von mir geschrieben wurden. Dann kam in Deutschland „Die weiße Sklavin" mit Liane Haid. Ferner das Lustspiel „Der Sprung ins Glück" mit Carmen Boni und jetzt zuletzt „Scampolo, das Mädchen der Straße", ebenfalls mit Carmen Boni. Den neuesten Carmen Boni-Film „Liebeskarne- val" habe ich soeben beendet.

Jeder Darsteller hat eine künstlerische Möglichkeit, auch wenn seine Rolle noch so unbedeutend ist. Meine Aufgabe ist es, seine Chance zu entdecken, meine Pflicht ist es jedoch, das Entdeckte fruchtbringend zu verwerten. Ich liebe den Film wegen der unerschöpflichen Fülle seiner Ausdrucksmög- lichkeiten, besonders in bezug auf originelle Einstellungen, die dazu da sind, matte Stellen des Manuskriptes vergessen zu machen, ja sie geradezu ins Gegenteil umzukehren. Irgendwie muß der Regisseur wirken, sei es nun auf das Gehirn, auf das Auge oder auf das Herz des Zuschauers.

Gewiß ist eines der ersten Gesetze beim Film, daß eine Handlung Tempo, Schwung und Mitreißungskraft besitzt; aber ein großer Fehler ist es, eine Handlung müsse, wie viele glauben, kompliziert sein. Ganz im Gegenteil! Je einfacher, je verständlicher die Fabel ist, desto mehr Mitreißungskraft besitzt sie. Die erste Forderung ist, daß sich die Handlung klar und fest- linig entwickelt. Ich habe mich in Deutschland besonders dem Lustspiel gewidmet. Das Lachen unter Tränen ist es, was ich durch meine Lustspiele bei den Zuschauern erreichen möchte. Wenn einmal die Zeit kommt, wo das kranke, nervöse Finanzierungssystem, das an Zeit und Geldersparnis das Letzte fordert, verschwunden sein wird, dann ist Deutschland dazu prädestiniert, eines der ersten Filmländer der Welt zu werden.

Heinrich George

In Stettin kam ich zur Welt. Schlecht und recht verbrachte ich meine Jugendjahre, und außer einer gewissen Liebe zur Kunst war nichts Be- sonderes an mir zu merken. 191 2 kam ich zur Bühne, und zwar zunächst in dem Städtchen Kolberg in Pommern. Der Krieg riß, wie so viele, auch mich aus meinem Berufe, und als Soldat wurde ich vier Jahre hin und her ge- worfen.

19 10 spielte ich meinen ersten Film, den ßerger-Film „Christine von Herre". Unter den vielen Filmen, die dann folgten, waren meine liebsten Rollen in „Metropolis", „Das Meer", „Die Leibeigenen" und „Orient-Ex- preß". Theater oder Film ist für mich gleich. Beide bedeuten für mich nur eine Steigerung des eigenen Lebensgefühls, ein Sichausgebenkönnen. Ich liebe den Film, denn er enthält vielleicht stärkere Möglichkeiten, darstellerisch Einzelheiten des Menschen hervorzuheben, als die Bühne. Vor der Kamera kann man Unmittelbares bringen, alles, was uns der Augenblick eingibt. Kleine Ateliereinfälle, aus dem Augenblick heraus geboren, sind wichtiger als die Regieanweisungen im Manuskript. Ein anderer Vorteil des Films dem Theater gegenüber ist die Weite der Umwelt, die Natur. Filmen be- deutet für den Künstler die Möglichkeit, mit der Natur eins zu werden. Der Film hat meiner Überzeugung nach eine ungeheure Zukunft vor sich. Zu einem der wesentlichsten künstlerischen Faktoren gehört die Betonung des Atmosphärischen im Film, d. h. das Herausarbeiten des geistigen und ge- danklichen Hintergrundes der Handlung und ihrer Menschen. Meine lieb- sten Rollen sind ursprüngliche, primitive Menschen, fast möchte ich sagen, Naturmenschen. Aus diesem Grunde ist mein Film „Das Meer" mein lieb- ster Film gewesen, denn hier habe ich alles um mich herum vergessen und war vollkommen eins mit der Umgebung, mit der Natur.

Kurt Gerron

In Berlin bin ich geboren. Ich besuchte hier das Gymnasium und machte kurz vor Kriegsausbruch meine Abschlußprüfung. Im Felde wurde ich zweimal verwundet, und während der Zeit meiner Rekonvaleszenz widmete ich mich dem medizinischen Studium, bestand die ersten medizinischen Prü- fungen und ging als Arzt wieder in den Krieg. Nach der Revolution stu- dierte ich weiter. Eines Tages aber faßte ich den plötzlichen Entschluß, zur Bühne zu gehen, und wurde so ohne irgendwelche besonderen Zufälle Schauspieler. Zuerst trat ich in einem bekannten literarischen Kabarett, der „Wilden Bühne" auf, dann in verschiedenen Berliner Theatern. Erst in den allerletzten Jahren kam ich zum Film, wo ich mich dank der besonderen Eigenart meines sowohl physisch wie psychisch ausgeprägten Wesens bald durchsetzte.

Neben vielen anderen Filmen, wie „Einbruch", „Pflicht, zu schweigen", „Dr. Bessels Verwandlung", spielte ich tragende Rollen in den Filmen „Ramper" und „Manege".

Mein Wunsch ist es, nicht auf einen Typ, etwa den Zuhältertyp, fest- genagelt zu werden. Ich habe gezeigt, daß ich auch in sympathischen Rollen meinen Mann stehen kann.

Einmal einen Film zu drehen, der auf mich gestellt ist, und in dem ich eine große, ernste und psychologisch tiefe Charakterrolle zu verkörpern habe, ist dasjenige, was ich vom Film erhoffe.

Vivian Gibson

Schon in meiner frühesten Jugend bin ich in London, meiner Geburts- stadt, als Tänzerin aufgetreten. Solange ich denken kann, ist der Tanz mein Betätigungsfeld, mein Lebensinhalt gewesen. Mit i8 Jahren wurde ich der Tanzstar einer bekannten englischen Revue. Rudolf Nelson aus Berlin sah mich und holte mich in die deutsche Reichshauptstadt. Hier trat ich erst- malig in den Nelson-Revuen auf. Die Bretter seines kleinen, aber künst- lerischen Revu€-Theaters wurden für mich die Sprungbretter zum Film.

„Gräfin Mariza", unter der Regie von Hans Steinhoff, war der erste Film, in dem ich spielte. Dann kam in schneller Reihenfolge ein Film nach dem anderen, so „Liebelei" nach Schnitzler, „Plüsch und Plümowski", „Regine", „Der Orlow", „Der größte Gauner des Jahrhunderts", „Der lachende Ehemann" u. a. Einen besonders großen Erfolg hatte ich in dem eben schon genannten Film „Liebelei" unter der Regie von J. und L. Fleck. In diesem Filme scheint man mein Rollenfach endgültig festgelegt zu haben, denn ich muß fast immer die flatterhafte, leichtsinnige Frau, die Ver- führerin, den Vampir spielen. Mein Wunsch ist es aber, auch einmal sym- pathische Rollen zu verkörpern, die mondän sein können, sich aber die Sympathie des Publikums erwerben. Ich drehte dann bei der Emelka in Wien drei Filme und einen Film in Ungarn. Meinen letzten Erfolg, auch wieder als Verführerin und leichtsinnige Frau, hatte ich in dem Film „Die Durchgängerin" als Mutter der Käthe von Nagy.

Der Film ist für mich eine Lebensnotwendigkeit geworden. Ich glaube, daß ich nicht mehr ohne die Welt der Kulissen und Scheinwerfer leben könnte. Einen Wunsch habe ich nur bei meiner Tätigkeit: Immer mit lieben und netten Menschen zusammen zu arbeiten!

t

John Gilbert

Meine Mutter und mein Vater waren beide bekannte Bühnenschauspieler. Ich wurde in Logan (Utah) geboren und besuchte eine ganze Reihe von Schulen in verschiedenen Staaten, die bestimmt wurden durch die Orte, in denen meine Eltern zufällig auftraten. Die letzte Erziehung erhielt ich auf der Militärakademie San Rafael ijn Kalifornien.

Meine erste Rolle auf der Bühne spielte ich, als ich ein Jahr alt war. Es war selbstverständlich, daß ich nach Beendigung meiner Erziehung eben- falls Schauspieler wurde. Einige Jahre spielte ich abwechselnd an der Bühne und beim Film, wo ich meine ersten Erfahrungen 191 5 als Statist in einem Film sammelte. Zwischendurch war ich auch einmal Verkäufer in einem Warenhaus und Journalist. Allmählich aber geriet ich immer mehr in den Bann des Films und beschloß schließlich, das Filmen als Beruf aus- zuüben. A'Iit großer Ausdauer arbeitete ich mich von kleinen Rollen all- mählich bis zum Partner von Mary Pickford in ihrem Film „The Heart of the Hills" empor. Dieser Film war für meinen Erfolg entscheidend. Nach- dem ich einen Film unter Maurice Tourneur gespielt hatte, begann ich eine eigene Produktion in New York. Dann spielte ich längere Zeit bei Fox und wurde schließlich für Metro Goldwyn-Mayer verpflichtet. Hier errang ich einen Erfolg nach dem anderen. Meine liebsten Rollen waren in „Die lustige Witwe", „Die große Parade", „La Boheme" und „Es war". Man hat mich allmählich ausschließlich auf die Rollen des „Film-Liebhabers" festgelegt. Aber ich fühle mich auch wohl dabei. Meine Aufgabe ist, immer lustig zu sein. Mein Ehrgeiz ist, immer gut zu sein, und mein Zeitvertreib ist, alle anderen bei guter Laune zu halten.

Lillian Gish

Ich bin in Springfield in Ohio geboren, aber kurz nach meiner Geburt siedelten meine Eltern mein Vater war Leiter einer Schauspielertruppe nach Massillon über. Ich kam schon mit 15 Jahren auf die Bretter, die die Welt bedeuten, und so ging es einige Jahre weiter mit abwechselnden Er- folgen. Von meiner Familie hatte ich sehr wenig, denn mein Vater war meistens in einer anderen Stadt, und meine Schwester Dorothy war ebenfalls an einem anderen Orte tätig. So sahen wir uns oft jahrelang nicht. Eines Tages hatte ich einen Bühnenunfall, der mich für lange Zeit von jeder künstlerischen Betätigung fernhielt. In dieser Zeit kam ich mit meiner Schwester und Mutter in Kalifornien wieder zusammen. Hier in Kali- fornien sprach man natürlich überall vom Film. Zwei Namen waren es vor allem, die immer wieder genannt wurden. Mary Pickford und D. W. Grif- fith. Griffith war es, der mich für den Film entdeckte. Es war wohl der größte Moment meines Lebens, als mir die Metro-Goldwyn-Mayer einen Kontrakt anbot. Unter den vielen Rollen, die ich gespielt habe, war mir die „Mimi" in „La Boheme" die liebste. Nach dieser Rolle habe ich mich seit vielen Jahren gesehnt. Andere Filme, die ich gespielt habe, waren „Der scharlachrote Buchstabe", „Annie Lauri" und „Die weiße Schwester".

Das Geheimnis meiner Kunst ist ehrliche Arbeit. Ich wdll nicht sagen, daß man alles erlernen kann, aber ich bin davon überzeugt, daß man auch das Können erlernen und erarbeiten muß.

Bernhard Goetzke

In der Nähe von Danzig wurde ich geboren. Auf dem Lande. In der Einsamkeit der freien Natur wuchs ich heran. Mein Vater wünschte, daß ich Eisenbahningenieur werden sollte. Es folgte eine praktische Arbeitszeit in Potsdam. Vereinzelte Besuche in dem dortigen Theater hatten eine starke Sehnsucht zur Bühne in mir geweckt, die durch die Unbefriedigtheit meines Berufes noch bestärkt wurde. Eines Tages ging ich durch die Straßen Berlins spazieren, sah in einem Glaskasten Photographien von Kainz, Mat- kowsky usw. ausgestellt, schaute sie lange an: Mein Gott, sie sehen alle ganz anders aus als du, und du willst doch auch durchaus Schauspieler werden! Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Fast mechanisch ging ich weiter und stand plötzlich vor dem Deutschen Theater. Der Portier saß an der Kasse. Ich hielt ihn für den Direktor, weil der Potsdamer Direktor damals auch sein eigener Kassierer war. Mit tiefer Verbeugung zog ich den Hut: „Verzeihung, ich möchte gern hier Schauspieler werden." Der Portier erhob sich, klopfte mir auf die Schulter und meinte jovial: „Nee, lassen Sie's man lieber, det ist nichts for Ihnen !" Und doch ! Kurz entschlossen gab ich meinen Beruf auf, nahm Unterricht und tat den ersten Sprung auf die Bretter. Nach dem Kriege trat ich in Berlin als Schauspieler auf, dann kam der Film. Mein erster Erfolg war in „Die Brüder Karamasow". Dann verpflichtete mich Joe May für die Rolle des Yogy im „Indischen Grab- mal". Der Beifall machte die Ufa aufmerksam. Fritz Lang suchte einen Darsteller für den „Müden Tod". Keiner wollte an diese Rolle heran. Ich zuerst auch nicht. Doch nachdem ich mir den Tod als gütigen Helfer, als Freund und Erlöser dachte und so spielte, wurde auch diese Rolle ein großer Erfolg. Auch die Rolle des Staatsanwalts Wenk in „Dr. Mabuse" war eine sehr schwierige Aufgabe. Viele hatten sie schon abgelehnt. Den Staatsanwalt als Gegenpol Mabuses aufzufassen, hielt ich für die beste Lösung, und ich glaube, daß mir mein Erfolg recht gegeben hat. Dann kamen „Die Ni- belungen" usw.

Der Film ist für mich deshalb so ungeheuer reizvoll, weil er alle künst- lerischen Kräfte zur Entfaltung zu bringen vermag in viel stärkerem Maße, als das Theater je dazu in der Lage sein könnte. Der schwerste dramatische Stoff, ist er nur echt und menschlich vertieft, ist mir der willkommenste. Mögen meine Gestalten noch so durch Schmerz und Zweifel beschwert werden, letzten Endes müssen sie von einem unerschütterlichen Glauben an das Gute getragen werden. Gefühl ist alles. Verstellung nichts. Nur wer den Stimmen seines besten Gefühles folgt, wird Bleibendes geben können.

Gilda Gray

Auf einem kleinen Gut in der Nähe von Krakau in Polen bin ich geboren. Damals hieß ich noch Marianna Michalska. Als ich 8 Jahre alt war, kam ich mit meinen Eltern nach Amerika. Drei Jahre blieben wir in New York, dann verzogen wir nach Cudahy. Als ich 15 Jahre alt war, verheiratete ich mich. Zu dieser Zeit trat ich als Soubrette auf und sang in dem Kabarett meines Schwiegervaters Balladen. Ich trat auf unter dem Namen Gilda Gray. In diesem Kabarett tanzte ich auch den ersten Jimmy, Dieser erste Jimmy machte mich berühmt. Ich trennte mich von meinem Mann und ging nach Chicago. Hier wurde ich mit einem anderen Girl zu- sammen für einen „Schwesternakt" mit 50 Dollar pro Woche an ein Kabarett engagiert. Unser Jimmy führte uns bald nach New York und hier von Erfolg zu Erfolg. Eine Erzählung „Schatten der Südsee" regte mich an, einen neuen Südseetanz zu erfinden. 1922 war ich als Star der Ziegfeld Folies engagiert. Im Sommer 1923 heiratete ich zum zweitenmal, und nach meiner Rückkehr von der Hochzeitsreise trat ich 1924 in Hollywood für eine außerordentlich hohe Gage auf. Diese Gage erregte die Aufmerksamkeit Laskys von der Paramount und endete in einem Kontrakt mit dieser Ge- sellschaft. „Aloma, die Perle der Südsee" war mein erster Film, dem bald der zweite „Cabarett" folgte. Dann erhielt ich einen fünf jährigen Vertrag bei Samuel Goldwyn, mit der Verpflichtung, jedes Jahr einen Film zu spielen. Es ist für mich selbstverständlich, daß mir jeder meiner Filme ausgedehnte Möglichkeiten zum Tanz bietet, und es hat für mich jedesmal einen außer- ordentlichen Reiz, wenn ich mich auf der Leinwand tanzen sehen kann. So seltsam es klingt, ich weiß nicht, wo ich heute lieber tanze, ob auf der Bühne, vor einem tausendköpfigen Publikum, oder im Atelier, allein in der Dekoration, umgeben von vielen Lampen. Ich glaube, die Umgebung ist für mich vollkommen nebensächlich. Im Moment, wo die Musik erklingt, gehöre ich nur noch dem Tanz. Ich tanze mit der gleichen Begeisterung, ob für das Publikum oder für die Kamera.

Corinne Griffith

Eigentlich heiße ich Corinne Griff in, stamme von künstlerisch vollkommen unbelasteten Eltern und wurde in Texarkana in Texas geboren. Bald zogen meine Eltern nach Santa Monika in Kalifornien. Da hier meine Erziehung nicht die gewünschten Fortschritte machte, kam ich in das Sacred Heart Convent in New Orleans. Als die jährliche Schönheitskonkurrenz von New Orleans herannahte, drängten meine Freunde darauf, mich an ihr zu be- teiligen, und was ich nie geglaubt hätte, ich gewann diese Schönheits- konkurrenz. Trotzdem dachte ich noch mit keinem Atemzuge an den Film, sondern bezog die Universität von Texas. Hier bekam die junge Studentin einen Vertrag von der Vitagraph Companie. Natürlich nahm ich an.

Nachdem ich bei der Vitagraph einige kleine Rollen gespielt hatte, rückte ich auf Grund meiner Erfolge sehr schnell zum Star auf. Meinen ersten Starfilm machte ich 191 8. Nachdem ich fünf Jahre bei der Vitagraph ge- spielt hatte, machte ich 1923 zwei Filme bei Samuel Goldwyn. Ich folgte dann einem Rufe der First National, bei der ich eine Reihe größerer Er- folge erzielte, bis ich mich 1927 als unabhängiger Producer der United Artists Corporation anschloß. Der erste Film, den ich hier machte, ist „Der Garten Eden" nach dem bekannten deutschen Bühnenstück. Zwei Dinge gibt es, an denen ich mit ganzer Seele hänge. Das eine ist der Film, das andere der Sport. Meine freie Zeit verbringe ich entweder auf meiner Yacht, bei meinen Pferden oder beim Golf.

D. W. Griffith

Ich bin ein waschechter Amerikaner^ und zwar wurde ich in La Crange, Ky., geboren. Meine Erziehung lag in den Händen meiner Schwester Mattie. Eine meiner frühesten Erinnerungen: Abends versammelten sich die Erwach- senen um den Tisch und lasen sich Abenteuer, Erzählungen und Geschich- ten vor. Als kleiner Junge lag ich im Dunkeln unter dem Tisch und lauschte den Geschichten, die ich gleichzeitig in meiner Phantasie bildhaft nacherlebte. Diese meine Vorliebe für die Literatur wurde bestimmend für meinen Beruf, und als ich erwachsen war, war ich zunächst einige Jahre als Reporter in Louisville tätig. Dann beschloß ich, Schauspieler zu werden, und trat einer reisenden Schauspielertruppe bei, mit der ich mehrere Jahre auf Tourneen unterwegs war. In dieser Zeit schrieb ich mein erstes Theater- stück „The Fool and the Girl", das in Washington aufgeführt wurde. Während meines Aufenthaltes in Washington sah ich zum erstenmal einen Film und erkannte hier die ungeheuren Möglichkeiten dieser neuen Form des Dramas. Es war für mich selbstverständlich, daß ich mich sofort dem Film zuwandte. Ich begann als Schauspieler. Als eines Tages der Regisseur krank war, sprang ich für ihn ein. Damals drehte man einen Film an einem einzigen Tag, und einer meiner ersten Stars war Mary Pickford. Mit Mac Sennett zusammen machte ich einige Zeit später die erste Filmgroteske. Zwischen den einzelnen Filmen verging damals lange Zeit, aber verhältnis- mäßig rasch hatte ich vier Filme fertig. 191 2 kam ich nach dem Westen und machte hier meine ersten großen Filme, unter denen besonders „Into- lerance", „Bröken Blossoms", „Way Down East", „Orphans of the storm", „America" erwähnenswert sind.

Die Technik des Films war für mich von Anfang an eines der wichtig- sten Probleme, und stets habe ich versucht, neue Möglichkeiten auf diesem Gebiete zu entdecken. So führte ich u. a. das Aufblenden ein und ent- fesselte eine nicht geringe Aufregung in den damaligen Ateliers, als ich das Objektiv der Kamera so anwandte, als ob der Zuschauer mit diesem Objektiv die Szene verfolgt. Mit besonderer Genugtuung erfüllt es mich, daß ich es sein durfte, der eine große Zahl der heutigen Stars zum erstenmal auf die Leinwand brachte. Für mich gibt es keinen Stillstand im Film, und jedes Bild, das ich inszeniert habe, ist für mich nur die Grundlage zum wei- teren Aufbau neuer Möglichkeiten.

Raymond Griffith

Es war eigentlich ein Zufall, daß ich in Boston geboren wurde. Es hätte ebensogut in New York oder Chicago sein können. Denn damals gehörten meine Eltern einer Wandertruppe an. Mein Vater war Komiker, meine Mutter Sängerin. Auch mein Großvater war schon Schauspieler, und ich bin überzeugt, wenn ich meinen Stammbaum noch weiter verfolgen könnte, dann würde ich sicherlich feststellen, daß meine Vorfahren schon zu Wa- shingtons Zeiten von lauter Theatermenschen stammten. Ich war volle fünfzehn Monate alt, als ich zum erstenmal die Bühne betrat, und zwar gerade sechs Wochen nach meinem ersten Gehversuch. An die Art meiner ersten Rolle kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Mit sieben Jahren spielte ich dann den kleinen Lord. Als Zehnjähriger spielte ich Mädchenrollen in allen Städten der Welt. Mit fünfzehn Jahren kam ich zum Zirkus. Mit Barnum und Baily reiste ich damals um die ganze Welt und kam u. a. nach London, Paris, New York, Chicago, St. Francisco und allen Hauptstädten Europas. Als ich nach Amerika zurückkam, schickten mich meine Eltern auf die Schule von Montclait und später in das St. An- solms College in New Hampshire. Aber die Sehnsucht nach der Bühne ließ mich nicht los, und kaum hatte ich die Schule hinter mir, spielte ich auch schon wieder Theater. Ich spielte mit großem Erfolge in mehreren Komö- dien und bekam bald den ersten Antrag zum Film. Doch meine ersten Er- fahrungen in Hollywood waren absolut keine glücklichen. Ich hatte trau- rige Monate zu überstehen, bis ich mich endlich durchsetzen konnte. Mein Spezialgebiet sind komische Rollen, und zwar liebe ich vor allem die Rollen, die mir Gelegenheit bieten, auf eine elegante und kultivierte Art komisch zu sein.

Karl Grüne

Geboren bin ich in Wien. Schon mit 17 Jahren besuchte ich die Schau^ spielschule, dann folgten drei Jahre Schmierenleben in Bayern und Öster- reich. Über Czernowitz, Düsseldorf, Wiener Volksbühne ging es in den Krieg. Nach viereinhalb Jahren kehrte ich aus dem Felde zurück und blieb in Berlin. Kurze Zeit spielte ich am Theater. Mein Interesse aber galt dem Film. 1920 arbeitete ich bei Zelnik als Dramaturg, und noch im selben Jahre führte ich Regie in dem Film „Menschen in Ketten" mit Zelnik als Hauptdarsteller. Jetzt folgte in rascher Aufeinanderfolge eine ganze Reihe von Filmen: „Mann über Bord", „Nacht ohne Morgen", „Jagd nach Wahr- heit", „Frauenopfer", „Graf Charolais", „Schlagende Wetter", „Straße", „Arabella", „Komödianten", „Eifersucht". Dann bei der Ufa „Brüder Schellenberg" mit Veidt, „Am Rande der Welt" und schließlich bei der Terra „Königin Luise". Eben bin ich dabei, einen großen Film „Marquis d'Eon" zu inszenieren.

Der Film ist deshalb so reizvoll, weil er so überaus vielgestaltig und wech- selvoll ist. Es ist noch soviel Neuland zu entdecken, und jeder Schritt, den man macht, ist ein Schritt ins Dunkle, ins Unbekannte. Neue Wege im Filmland zu gehen, bedeutet Fortschritt in der künstlerischen Entwicklung des Films^ jede Wiederholung aber ist für den Regisseur gleichbedeutend mit seinem künstlerischen Todesurteil. Ich habe mich bemüht, der Kamera stets Neues zu erschließen, und hieraus erklärt sich auch der Umstand, daß icli noch nie zwei gleichartige Filme hintereinander gemacht habe.

Besonders interessant erscheint mir gerade beim Film die Verbindung zwischen Technik und Kunst. Beide sind eng verwachsen und aufeinander angewiesene Erfolgsfaktoren. Hier gilt es vor allem, die Technik der Kunst unterzuordnen, nicht die Kunst in kalter Technik erstarren zu lassen. Tech- nik darf nur Mittel zum Zweck sein, nie Selbstzweck. Noch ahnen wir nicht, was für Neuerungen auf technischem Gebiete uns die Zukunft bringt. Eines nur ist gewiß: wenn die Technik den Gipfel erreicht haben wird, dann wird die Filmkunst an ihrem Anfang stehen.

Max Gülstorff

Nach Absolvierung des Realgymnasiums in meiner Heimatstadt Tilsit kam ich zum Theater. Ich volontierte, machte lange Wanderfahrten durch die Provinz und traf in Schlesien mit einem anderen Schauspieler, der auch nicht auf Rosen gebettet zu sein schien, zusammen; es war Emil Jannings. Wurde dann an die Theater Rudolstadt und Kottbus für längere Zeit verpflichtet. 1912 stand ich zum erstenmal in dem kleinen Atelier in Neu- babelsberg im Jupiterlichte. Bruno Kastner und Carola Toelle waren meine Partner. Ich kam dann zum Deutschen Theater, arbeitete ab und zu beim Film und erlebte die filmischen Aufstiege von Emil Jannings und Lubitsch mit. In einem größeren Richard Oswald-Film, ich glaube er hieß „Freitag der 13.", traf ich schon mit fast allen nachmaligen Filmkoryphäen, wie Schünzel, Krauß, Lupu Pick, Veidt zusammen. Film auf Film folgte bis zu meinen letzten Darstellungen, wie dem „Pogner" im Ludwig Berger- Film „Der Meister von Nürnberg" und meinen Rollen in den Ufa-Filmen „Die Dame mit der Maske" und „Looping the Loop".

So sehr mich auch der Film interessiert, so ist doch das Theater dasjenige Kunstinstitut, von dem ich ausgegangen bin und zu dem ich immer wieder zurückkehren werde. Beim Theater gibt es kein „Schneiden". Man spielt seine Szene einheitlich hintereinander fort, kann Überblick und Bewußtsein seiner Leistung in einem viel höheren Maße als beim Film haben, wo sich die Szenen meistens ganz unorganisch aneinanderreihen. Beim Theater ist der Schauspieler Mittelpunkt, beim Film der Regisseur. Der Filmmensch braucht nicht zu sprechen, braucht nur zu wirken. So kommt es, daß heute noch in den meisten Fällen nicht seine schauspielerische Leistung, sondern sein schönes Gesicht ausschlaggebend ist.

Die Russenfilme scheinen diese Theorie über den Haufen geworfen zu haben, waren aber in der Provinz kein „Geschäft". Solange die schönen Ge- sichter und nicht die Schauspielerleistung das Geschäft machen, man könnte auch sagen, solange das breite Publikum, besonders in der Provinz, mit seinem Kunstverständnis keine Fortschritte macht, werden wir alten Büh- nenschauspieler uns beim Film nicht recht heimisch fühlen können. Erst der Zukunfts-Kunst-Film wird uns restlos befriedigen.

Johannes Guter

Als ich in Riga zur Welt kam, hatte man im Volksmunde für alle Künst- ler die Bezeichnung: die lustigen Bettler.

Trotzdem florierte gerade in meiner Heimatstadt die dramatische Kunst üppig, weil gerade hier zwei große Nationen, die deutsche und die russische, durch Gastspiele und feste Ensembles friedlich nebeneinander wirkten. Das deutsche Theater in Riga kann mit Stolz viele große Namen aufweisen, die hier im Dienste der Kunst ihre ersten Sporen verdient haben. Das gleiche kann man auch vom hiesigen russischen Theater sagen.

Alle wohlgemeinten Warnungen der Eltern konnten mich nicht abhalten, sofort nach Erlangung meiner Selbständigkeit mich mit voller Begeisterung dem „Völkchen der lustigen Bettler" anzuschließen.

Es war in der Kunst eine bewegte Zeit. Die Großtaten vom Moskauer Künstlertheater und von Otto Brahm in Berlin warfen ihre Schatten auch bis zu uns. Wir jungen Künstler machten uns frei von alter Tradition und suchten nach neuen Ausdrucksformen und neuen Wegen in der dramatischen Kunst.

Dichterwerke wie „Die Räuber", „Die Weber", selbst „Die versunkene Glocke" von Hauptmann waren verboten. Was Wunder, daß unter solchen Umständen die demokratische Flut, die über Europa brauste, auch die riga- ische Küste erreichte und mich unter die Freiheitskämpfer riß.

Es folgte der übliche Leidensweg der russischen Jugend, bis ich 1908 nach langen Irrfahrten als Burgtheater-Stipendiant in der Wiener k. und k. Akademie für Musik und Darstellungskunst eine neue Heimat gefunden hatte. Nach Absolvierung der Akademie ging meine Laufbahn als Schau- spieler über Wien und Frankfurt a. M. nach Berlin. Hier bekam ich die ersten starken Eindrücke von der neu aufstrebenden Kunst Film, die mich sofort in Bann schlug. Dies um so mehr, da die letzten Jahre meiner Tätig- keit bei der Bühne mich zur Regie geführt und die Erfolge auf diesem Ge- biet erwiesen hatten, daß ich da am richtigen Platze sei.

Seit dieser Zeit habe ich mit gleicher Begeisterung von Film zu Film für die Entwicklung dieser Kunstgattung gekämpft, und wenn es mir ein wenig gelungen ist, zu dem Fortschritt und Ausbau beizutragen, soll es mich ehr- lich freuen.

Man spricht und schreibt jetzt viel von der sogenannten „modernen Re- gie". Aber ich glaube, es gibt keine „moderne Regie", sondern jede Zeit hat ihre eigene Ausdrucksform in der Kunst, und unsere Aufgabe besteht nun darin, das Heute zu erfassen und in der Sprache von heute zu ver- suchen, unseren Mitmenschen das zu vermitteln, was zu aller Zeit ein Künstler selbst stark und ehrlich empfindet.

Artur Guttmann

Mit 6 Jahren kam ich an die Wiener Hofoper als Sängerknabe und erhielt hier unter Professor Skofitz und Lutze den ersten musikalischen Unter- richt. Auch im Knabenchor des Professor Joseph Sulzer sang ich mit.

Gleichzeitig hatte ich Unterricht bei dem berühmten Professor Labor und dessen Lieblingsschüler, Professor Menzer. Mit 14 Jahren kam ich an die Wiener Volksoper als Korrepetitor und studierte bei Hofkapell- meister Gille und Kapellmeister Großkopf. Als Sechzehnjähriger wurde ich als Kapellmeister für das „Kinder-Opern- und Operetten-Ensemble" enga- giert und reiste zwei Jahre in Österreich und Deutschland herum. Ich kom- ponierte dann auch selbst für dieses Ensemble zwei Werke, „Die Reise um die Welt" und „Onkel Tom", die am Prager Landestheater im Jahre 1909 ur- aufgeführt wurden. 191 1 kam ich an das Johann Strauß-Theater in Wien als Operettenkapellmeister und führte dort die Operetten „Czardasfürstin", „Faschingsfee", „Rund um die Liebe" usw. zum Welterfolg. 1919 kam ich an die Komische Oper nach Berlin und war später bei Zickel, Haller und am Metropoltheater als Erster Kapellmeister tätig. Als Gastdirigent wurde ich an die Charlottenburger Oper und an die Staatsoper verpflichtet. 1926 wurde ich für die Gesolei als Dirigent engagiert und kam dann zur Ufa.

Meine Stellung zur Filmmusik hat sich in den zwei Jahren meiner Tätig- keit beim Film in nichts geändert. Ich hatte mir mein Ziel klar vorgeschrie- ben, den Film da musikalisch hochwertig zu illustrieren, wo es nur immer möglich war. Ich halte die Originalmusik für den Film für die einzige Möglichkeit, um diese Hochwertigkeit erreichen zu können. Leider war es mir bisher noch nicht möglich, selbst eine Originalmusik zu komponieren. Hochwertige Filme vertragen unbedingt ein tiefes Eingehen auf die Begleit- musik. Leider fehlt hierzu gewöhnlich die Zeit, so daß man sich mit Illu- strationen behelfen muß, die aber immer ein Notbehelf sind und vor allen Dingen bleiben sollten. Die Filmmusik ist nicht so verschieden von der Opernmusik, wie man oft annimmt und behauptet. Ich begrüße es, daß sich ernsthafte Komponisten von Ruf mit der Filmmusik befassen, sofern diese Komponisten sich eingehend mit dem Film befaßt haben. Alle an- deren Versuche, für den Film zu komponieren, sind gescheitert und muß- ten scheitern. Der Film ist ein solches Spezialgebiet, daß unmöglich ohne feinstes Verständnis für die Notwendigkeiten der Filmmusik, ohne unbe- dingte Kenntnis der technischen Seite der Filmvorführung, eine hochwertige Filmmusik zustande kommen kann. Ich bin aber davon überzeugt, daß mehr und mehr die gute Filmmusik sich Bahn brechen wird, und ich weiß, daß sich Komponisten mit der Filmmusik beschäftigen, deren Können und deren künstlerisches Streben Gewähr dafür bieten, daß wir in absehbarer Zeit ein gutes Stück weiterkommen werden.

Grit Haid

Ich wurde als Tochter eines Geigenbauers in Wien geboren und begann meine künstlerische Laufbahn als Tänzerin. An der Wiener Volksoper wurde ich dann Primaballerina und kam von dort aus zum Film, und zwar trat ich zunächst bei der Pan-Film-Gesellschaf t in Wien in fast ein Dutzend Filmen auf. Mein erster Film war „Die Marquise von Clermont". Dann ging ich von Wien nach Berlin und wurde hier von Edmund Reinhardt für die Bühne engagiert. Mein sehnlichster Wunsch ist, meine Stimme ausbilden zu lassen und einmal Opernsängerin zu werden. Aber das hat vorläufig noch Zeit. Bis jetzt hat mich der Film noch vollkommen mit Beschlag be- legt, und ich muß sagen, ich fühle mich sehr wohl dabei. Ich habe mich in Berlin sehr rasch durchsetzen können und habe hier schon sehr viele Filme gespielt. Ich spiele am liebsten lustige und fröhliche Charaktere. Denn ich gehöre nun einmal zu den Menschen, die das Leben von der heiteren Seite nehmen.

Liane Haid

Ich bin stolz, a Wiener Madel zu sein. Ich war noch ein kleines Fräulein mit Hängezöpfen und Wadenstrümpfen, das sittsam zur Schule ging, als ich hinter den Schulbüchern und Heften schon von den Wundern des Theaters träumte. Eines Tages hielt es mich nicht länger, ich stürmte mit der Schulmappe unter dem Arm zu dem Direktor einer bekannten Wiener Bühne und stotterte dem gestrengen alten Herrn meinen Wunsch heraus, zur Bühne zu gehen. Ich trug ein altes Volksgedicht als Probe vor, und in der Tat mein keck emporgerichtetes Näschen stimmte den alten Prak- tikus immer nachdenklicher, bis er schließlich mit mir einen Versuch vi^agen wollte. Es dauerte nicht lange, da stand ich auf den Brettern des Ronacher- Theaters und erntete hier den ersten stürmischen Beifall. Wie stolz waren meine Eltern! Und siehe da auch der Film ließ nicht allzulange auf sich warten. In Wien drehte man mit mir den ersten Film „Sommeridyll". Dar- auf bekam ich Angebote aus Berlin. Zuerst von Schünzel, dann von Richard Oswald. „Lady Hamilton" und „Lucrecia Borgia" waren große künstlerische Erfolge. Dann heiratete ich, und meinem Gatten zuliebe zog ich mich ganz vom Film zurück. Aber man holte mich schließlich wieder, ich begann meine Filmtätigkeit mit neuem, gesteigertem Eifer. „Ich liebe Dich", „Insel der Tränen", „Liebesfeuer" und der große Film „Brüder Schellenberg" folgten kurz hintereinander. Seitdem jagt eine Rolle die andere, und ich komme nicht mehr zur Ruhe.

Aber dieses vom Filmtempo beherrschte Leben ist schön, weil es nie lang- weilig wird, weil es einen zu immer neuen Taten anspornt. Das Schönste jedoch sind die Filmreisen, die mich über die halbe Erde geführt haben, die mir die Wunder fremder Welten offenbaren und mich den verschieden- artigsten Menschen auf meinem Lebensweg begegnen lassen.

James Hall

Man behauptet, daß ich der lustigste Mann von Hollywood wäre. Ob das stimmt, können nur die anderen beurteilen, denn ich selbst habe noch keinen Grund gefunden, mich über mich selbst zu amüsieren. Allerdings war ich als Komiker in Singspielen am Broadway tätig, als Jesse Lasky mir einen Vertrag anbot, dessen Lockungen ich nicht widerstehen konnte und nach Hollywood ging. Meine erste Rolle spielte ich als Partner von Bebe Daniels in „The Campus Flirt", und kaum hatte ich diesen Film beendet, als ich als Partner von Pola Negri für den Film „Stacheldraht" engagiert wurde. Die- sem Film folgten gleich drei weitere Großfilme, deren letzten ich wieder als Partner von Bebe Daniels spielte.

Geboren wurde ich in Dallas in Texas am 22. Oktober 1900. Dort be- suchte ich auch die Schule, und dann folgte ich meiner Sehnsucht zur Bühne und fuhr nach New York. Hier gewann ich meine ersten Bühnenerfahrungen in kleinen Rollen in musikalischen Lustspielen. Dann spielte ich drei Jahre lang junge Naturburschen am Broadway.

Wie ich den Film und die Filmkunst auffasse, zeigen am besten meine Rollen. Für mich ist die Hauptsache, daß ich möglichst viel zu spielen habe.

Harry Halm

Als Sohn des Theaterdirektors Alfred Halm wurde ich in Berlin geboren, wo ich auch das Gymnasium besuchte. Nach Beendigung meiner Schulzeit nahm ich bei verschiedenen prominenten Schauspielern (so Ferdinand Gre- gori, Eduard von Winterstein und Hermann Vallentin) dramatischen Unter- richt und stand zum ersten Male im Jahre 19 19 auf der Bühne des Schau- spielhauses zu Potsdam, auf der ich das erste Jahr meiner schauspielerischen Tätigkeit als jugendlicher Liebhaber und Bonvivant vollendete. Von dort führte mich mein Weg nach Hamburg und ein Jahr später nach Berlin zu- rück zu Direktor Barnowsky an das Lessing- und Deutsche Künstler- Theater.

Für den Film wurde ich durch Reinhold Schünzel entdeckt. Mein erster Film hieß „Windstärke 9". Darauf folgten „Kammermusik" mit Henny Porten, „Der Demütige und die Sängerin" mit Lil Dagover u. a. m. In den letzten Jahren war ich ständiger Partner des Eichbergstars Lilian Harvey. Meine letzten Filme waren „Heut tanzt Mariett" und „Der Ladenprinz".

Ich kann mir nichts Schöneres denken als Filmen. Man muß allerdings das Glück haben, die passende Rolle zu erhalten und denjenigen Regisseur zu finden, von dem man richtig verstanden wird, und dem es infolgedessen gelingt, seine Schauspieler richtig zu führen und herauszubringen.

Neil Hamilton

Da man irgendwo geboren werden muß, so entschied ich mich für Lynn, Mass. In den ersten Jahren seines Lebens ist man bekanntlich ziemlich wehrlos, und so konnte ich infolgedessen nichts dagegen tun, als meine Eltern beschlossen, aus mir einen Priester zu machen. Im Verfolg die- ses elterlichen Planes mußte ich an mehreren theologischen Universitäten studieren, machte auch schließlich mein Examen und stand kurz da- vor, das Priestergelübde abzulegen, als ich meine eigene Meinung ent- deckte, und die war wesentlich anders, als die meiner Eltern. Schon während meines Studiums war mir persönlich das Theater weit reizvoller als die Theologie erschienen, und auf Grund dieser Erkenntnis opferte ich meine Priesterlaufbahn. Da ich ganz gut aussehe, wurde ich für eine Theater- truppe in New York City engagiert. Aber aller Anfang ist schwer. Zu- nächst zog ich mehrere Male mit verschiedenen Theatertruppen durch die Vereinigten Staaten.

Da es an der Bühne mit mir nicht so rasch vorwärts gehen wollte, beschloß ich, es einmal mit dem Film zu versuchen. Es g-elang mir, D. W. Griffith für mich zu interessieren, der es mit mir in seinem Film „The White Rose" versuchte. Dieser Film wurde für mich ein Erfolg, und Griffith gab mir einen Kontrakt. Ich spielte dann für Griffith noch in seinem Film „Und ist das Leben nicht wundervoll". Nach dem letzten Film wurde ich von der Paramount engagiert.

Im Laufe der vielen Filme, die ich spielte, habe ich festgestellt, daß es für einen Filmschauspieler nicht genügt, gut auszusehen, sondern daß man auch sehr viel können muß; und das eigenartige ist, daß ich, wenn ich immer glaube, etwas zu können, plötzlich entdecke, daß ich noch mehr lernen kann.

Der Film ist eben ein unerschöpfliches Gebiet, das dem Darsteller immer neue Aufgaben stellt.

Max Hansen

Geboren bin ich an einem gewissen Sonntag in einem Stemschnuppenjahr. Bin dänischer Staatsangehöriger und kam in Mannheim zur Welt. Meine Eltern sind aber merkwürdigerweise in Dänemark geboren. Nach Mann- heim aber fuhr ich sozusagen nur zu meinem Geburtstag; als die Feier vor- über war, gefiel es mir doch nicht mehr recht, und ich überredete meine Eltern, mich nach München übersiedeln zu lassen. Dies geschah. In Isar- Athen besuchte ich zur Freude des Schuldirektors die dortige Luisenschule, weil sie meinem Herzen und der elterlichen Wohnung am nächsten lag. Ich war wirklich ein Musterschüler! So viel Wichse wie ich bekam kein anderer. Sonst war ich natürlich sehr tüchtig. Aber mein Zeugnis im Betragen war schauerlich. Was ich alles anstellte, das möchte ich nicht erzählen. Sonst machen es die anderen bloß noch nach, und das könnte ich gar nicht verant- worten ! Genug wenn etwas angestellt worden war, untersuchte der Lehrer der Einfachheit halber erst gar nicht, wer es wohl gewesen sein könnte, sondern schrie einfach : „Hansen, raus ! . . ." Er hatte meist recht. Natürlich hatte ich damals schon den Kopf voller Theaterideen. Schon im letzten Schuljahr nahm ich energisch Bühnenunterricht und studierte Gesang bei Professor Heinrich Schwarz. Schon als Pennäler war ich in der Münchner Staatsoper Chormitglied, stand sogar einmal, neben Sanges- meister Caruso. Infolgedessen hoffte ich bei meinem Hinaustreten aus dem Bühneneingange für Caruso gehalten zu werden . . . Aber man verwechselte mich nicht! Diese Enttäuschung habe ich heute noch nicht überwunden.

Dann kam ich zu der berühmten Käti Kobus an das Kabarett „Simplicis- simus'" in München. Wurde von Variete zu Variete engagiert, spielte in Operetten und Revuen. Bereiste die halbe Welt auf Tourneen. War lange in Skandinavien, wo ich 191 7 in Kopenhagen als Lustspieldarsteller auf die Leinwand, die die Welt bedeutet, gestellt wurde. Dann war ich hinter- einander in Holland, Rußland und noch viel südlicher. Stets in Kabaretts, Operetten und Varietes tätig.

Mir macht beim Film besonders der Umstand Spaß, daß im allgemeinen so pünktlich bezahlt wird, und daß man sich nachher selber bewundem kann. Naturgemäß interessiert mich das Lustspiel am meisten, aber meine Sehnsucht ist es, einmal eine tragische Rolle zu spielen, allerdings mit Voll- bart und blauer Brille, damit die Leute mich nicht erkennen und zu lachen anfangen. Das würde mich in diesem Falle schmerzen, wie gern ich es auch sonst immer höre . . .

Lars Hanson

In Götheburg bei Stockholm verbrachte ich meine Jugend. 191 1 trat ich zum erstenmal an der Bühne auf. Ich bin ein begeisterter Theater-Schau- spieler. Meine Lieblingsrollen sind „Hamlet" und „King Lear". 191 7 machte ich meinen ersten Film, und zwar war es der Regisseur Mauritz Stil- ler, der mich zum Film holte und mit Greta Garbo zusammen in seinem Film „Gösta Berling" die Hauptrollen spielen ließ. Dieser Film, glaube ich, ist einer der besten, der je gemacht worden ist. Auf Grund meiner schwe- dischen Filme wurde ich von Metro-Goldwyn-Mayer nach Amerika geholt, wo ich eine Reihe größerer Filme mit Greta Garbo und Lillian Gish spielte, u. a. „Der scharlachrote Buchstabe" und „Es war".

Film ist für mich Kunst, vielleicht die Kunst unserer Zeit. Die techni- schen Eigenarten des Films zwingen den Filmschauspieler, neue künstle- rische Ausdrucksformen zu finden, die den technischen Gesetzen der Ka- mera entsprechen. Mehr als auf der Bühne muß der ganze Körper, jede kleinste Bewegung im Geiste der Rolle mitspielen.

Der Verzicht auf das gesprochene Wort zwingt den Schauspieler zur rest- losen Ausnutzung jeder mimischen Ausdrucksmöglichkeit. Meiner An- sicht nach stehen wir heute erst am Beginn der wahren Filmkunst. Daß es eine solche gibt, und daß sie große Möglichkeiten hat, beweisen am besten die Schwedenfilme von Mauritz Stiller und Viktor Sjöström. Auf dem Wege, der dort begonnen wurde, liegt meiner Ansicht nach die künstlerische Zukunft des Films.

Thea von Harbou

Ich halte jede Äußerung „von mir über mich" für groben Unfug, denn das Wesentliche sagt man nicht, und das Unwesentliche interessiert keinen Menschen. Lediglich als Vornotiz für einen eventuellen späteren Steckbrief: Ich bin eine Landpomeranze. Ich habe Pflanzen und Tiere namentlich Tiere schon als Kind tausendmal mehr geliebt als Menschen, was für eine frühzeitig entwickelte Intelligenz spricht. Ich habe die Schule aus tiefster Seele verabscheut und mich zu meiner Umgebung in dauerndem Protest befunden. Es entspricht leider den Tatsachen, daß ich mich schon als Kind schriftstellerisch betätigte. Eine Zeitlang fing mich die Bühne ein, jetzt hat mich der Film. Was ich von ihm und für ihn erwarte, er- hoffe, erkämpfe, kann man nicht aussprechen, nur erleben und tun: das ist schon nicht mehr Liebe, sondern Fanatismus ein Fanatismus, mit dem ich glücklicherweise nicht allein auf dem Kampfplatz stehe. Ich bin die Frau von Fritz Lang mehr brauche ich Ihnen hoffentlich nicht zu sagen.

Harry Hardt

Geboren bin ich in Pola, erzogen in der Steiermark. War vor dem Kriege Medizinstudent. Machte den Krieg als aktiver Artillerieoffizier mit. Von Ju- gend auf hatte ich einen Hang zum Theater. Die ersten Bretter, auf denen ich stand, waren die eines Varietes. Dort debütierte ich als Sänger und Zau- berkünstler. Durch Empfehlung des Komponisten Franz Lehär kam ich zur Bühne. Mein erstes Engagement führte mich nach Olmütz. Dann kam Berlin, w^o ich zu den Rotter-Bühnen geholt wurde. Ich spielte dort den jungen Raschoff als Gegenspieler Paul Wegeners, ferner in „Lady Winder- meres Fächer" usw. Der Film trat in Gestalt von Joe May an mich heran. Meinen ersten Film, den ich unter seiner Regie spielte, ist der „Leidensweg der Inge Kraft". Daß der Film Opfer fordert, und zwar keine geringen, habe ich an meinem eigenen Körper erfahren. Mitten bei Filmaufnahmen am Rhein wurde mein Vater plötzlich sterbenskrank. Ich mußte den Film fertigmachen und konnte nicht nach Hause fahren. Nicht einmal bei der Beerdigung meines Vaters konnte ich anwesend sein.

Filmreisen haben mich durch die ganze Welt geführt. Eine Zeitlang war ich fest bei der Ufa. Auch habe ich vielfach Operette gespielt und bei Revuen mitgewirkt. Die Filme, in denen ich Hauptrollen spielte, waren u. a. „Kinderseelen klagen Euch an", „Edles Blut", „Sturmflut", „Casano- vas Erbe".

Das liebste Filmgenre ist für mich der Abenteuerfilm. Die sportliche Viel- seitigkeit, die Exotik, das Geheimnisvolle und Fremdartige und last not least seine Weltverbreitung sind die Faktoren, die mich am Film am meisten interessieren.

Meine Sehnsucht ist es, einmal einen Weltreise-Expeditionsfilm auszu- rüsten, dessen Handlung stark und spannend ist, und der große kulturelle Werte aufweist.

Lilian Harvey

Meine Jugend verbrachte ich in London, wo ich auch geboren wurde. Mein Vater war Deutscher, meine Mutter Engländerin. 1914 kamen wir nach Berlin. Einen Monat später brach der Krieg aus. Meine Eltern ver- loren ihr Vermögen. Ich ging dann in Berlin zur Schule. Gleichzeitig wurde ich als Tänzerin ausgebildet und erhielt Ballettunterricht. Später ging ich mit einer Tanztruppe meiner Lehrerin Mary Zimmermann als Solotänzerin nach Budapest. Der Erfolg unseres Gastspiels war aber nicht überwältigend. Dann kam ich als Tänzerin nach Wien ans Ronacher-Theater, wo ich in der Revue „Wien gib acht" mit großem Erfolge auftrat. Als unsere Revue ein Gastspiel in Frankfurt a. Main gab, sah mich Richard Eichberg, und zwei Tage später war ich bei ihm engagiert. Mein erster Film war „Die Liebschaften der Hella von Gilsa", in dem ich meine erste und vermutlich auch letzte tra- gische Rolle spielte. Dann folgten die Lustspiele „Liebe und Trompeten- blasen", „Die Kleine vom Bummel", „Prinzessin Trulala", „Die keusche Susanne", „Vater werden ist nicht schwer", „Eheferien" und „Du sollst nicht stehlen". Diese Lustspiele wurden für mich eine ebenso lange Serie von Erfolgen. So sehr ich mich über diese Erfolge freue, so bedaure ich andererseits, daß ich dadurch auf den Lustspieltyp festgelegt worden bin. Ich möchte zu gern tragische Rollen spielen, und trotz meines ersten Miß- erfolges hoffe ich, daß ich es eines Tages doch noch erreichen werde. Am meisten Spaß machen mir diejenigen Rollen, die mir Gelegenheit bieten, mich tänzerisch zu betätigen.

Paul Heidemann

Ich bin ein echter „Kölscher Jong". Schon auf dem Gymnasium hatte ich weniger Vokabeln, aber desto mehr Theater im Kopf, gründete au« Klassenkameraden eine Schauspielertruppe und verübte namentlich in der schönen Karnevalszeit so viel Ulk, daß man mir dieserhalbw^egen ein grausiges Ende prophezeite. Gott sei Dank ist es anders gekommen! Ich möchte gleich hier erwähnen, daß ich später viele meiner damaligen Streiche in den „Paulchen Semmelmann-Filmen" naturgetreu wiederholt habe. Wenn ich auch als Junge keine Eisenbahnattentate verübte, meine eigene Loko- motive zerlegte ich oft genug, wenn ich alles genau wissen wollte.

Nach absolviertem Gymnasium kam ich in die Kaufmannslehre, und zwar in die Zigarrenbranche. Doch hier fühlte ich mich nicht recht am Platze. Meine Sehnsucht galt dem Theater. Und als ich eines Tages einen alten Schulfreund wiedertraf, der indessen Schauspieler geworden war, da war es mit meiner Ruhe endgültig zu Ende. Ich ging zu dem Meininger Hof- schauspieler Leopold Teller, sprach ihm die heimlich studierte Rolle des Raoul aus der „Jungfrau" vor und wurde als Schüler angenommen. Ich hatte dann das Glück, in Hanau bei Frankfurt zu einem Gastspiel engagiert zu werden und bekam o Freude! die Rolle des Karl Heinz in j, Alt- Heidelberg" zugeteilt. Bitter war nur die Gage, doch ein Engagement nach Breslau, wo ich (ohne je eigentlich Gesangunterricht genossen zu haben) die Buffo-RoUe in Granichstaedtens Operette „Bub' oder Mädel" erhielt, besserte meine Situation schon erheblich.

191 1, im Kometen jähre, erschien ich in Berlin, und zwar am Nollendorf - Theater. Regisseur Porten, der Vater der Henny, holte mich zum Film. Dann kam Direktor Duskes, der mir eine Hauptrolle in dem Film „Die Apachenbraut oder der rote Joel" anvertraute. Als ich mich zum ersten- mal auf der Leinwand sah, gefiel ich mir gar nicht. Doch der Film ent- wickelte sich weiter, und wir entwickelten uns mit ihm. Dann kam ich zur „Literaria" und filmte dort unter dem internationalen Namen „Teddy" mit „Max" (Linder), inszenierte dann selbst beim Oliverfilm Filme mit der un- ersetzlichen Dorrit Weixler, mit Erika Gläßner und Hanne Brinkmann. Worauf ich meine eigene Produktion gründete.

Das amüsante und charmante Lustspiel ist dasjenige, was mir am Film persönlich am besten gefällt und worin ich am liebsten arbeite.

Brigitte Helm

Ich wurde in Berlin geboren. Mein Vater, der Offizier war, starb, als ich 4 Jahre alt war. Schon als kleines Kind traten bei mir Zeichen künst- lerischer Begabung zutage. Vor allen Dingen wirkte Musik sehr stark auf mich ein. Als ich älter wurde, spielte ich mit den anderen Mädchen sehr gern Theater. Zunächst besuchte ich in Berlin zwei Jahre die Schule. Dann kam ich im Alter von 8 Jahren in das Johanna-Heim in Werftpfuhl bei Berlin. Mit Begeisterung war ich hier bei allen Theateraufführungen be- teiligt, und bald fiel meine starke schauspielerische Begabung auf, so daß man es für selbstverständlich betrachtete, daß ich später zur Bühne gehen würde. Es wurden auch schon alle entsprechenden Vorbereitungen getroffen. Aber es sollte anders kommen. Eines Tages lernte ich den Filmregisseur Fritz Lang kennen, der sich sehr für mich interessierte. Fritz Lang stand damals vor Beginn der Aufnahmen für seinen „Metropolis"-Film. Er ließ Probeaufnahmen von mir machen, und diese Probeaufnahmen gefielen ihm so gut, daß ich von der Ufa engagiert wurde. Fast i^/g Jahre arbeiteten wir an diesem Film, der auch für mich ein durchschlagender Erfolg wurde. Nach kurzer Pause folgten bei der Ufa „Am Rande der Welt" und „Die Liebe der Jeanne Ney". Dann kam mit „Alraune" wiederum ein ganz großer Erfolg. Augenblicklich spiele ich bei der Ufa die Hauptrolle in dem Film „Die Yacht der sieben Sünden".

Ich habe keine Lieblingsrollen. Aber ich möchte immer Charaktere dar- stellen, die mir künstlerisch interessante Aufgaben stellen. So reizt es mich, besonders komplizierte Frauencharaktere zu spielen.

Marcel L' Herbier

Ich wollte ursprünglich einmal Rechtsanwalt werden und vor allen Din- gen Schriftsteller. Damals habe ich mehrere Bücher veröffentlicht und war Mitarbeiter großer Revuen und anderer Zeitschriften. Während des Krieges wurde ich 191 7 der Kinematographischen Abteilung der französischen Armee zugeteilt. Bei dieser Gelegenheit erkannte ich den Film und begann ihn zu lieben. Dann schrieb ich zunächst zwei Manuskripte, die ich zusam- men mit Mercanton inszenierte. Das waren „Le Torrent" und „Bouclette". Dann war ich allein als Regisseur tätig, und zwar für die Gaumont, wo ich vier Jahre blieb. Hier schuf ich u. a. „Rose France", „Le Bercail", „Le Car- neval des Verites", „L'Homme du Large" usw. Dann gründete ich eine eigene Gesellschaft „Cinegraphic", deren Filme ich selbst inszenierte oder bei denen ich die Produktionsleitung ausübte. Hier schuf ich folgende Filme: „L'Inhumaine", dann „Feu Mathias Pascal" mit Iwan Mosjoukin, „Le Vertige" und „Le Diable au Coeur". Augenblicklich arbeite ich an einem großen Film „L'Argent" nach einem Roman von Zola. Ich habe mich von jeher bemüht, neue Wege der Filmkunst zu finden, und bin überzeugt, daß alle unsere Versuche erst ein Anfang sind. Wir müssen nur den Mut haben, uns vom Alten zu trennen. Der Film ist die Ausdrucksform unserer Zeit, und an uns ist es, diese künstlerische Ausdrucksform zur Vollkommenheit zu entwickeln.

W'erner Richard Heymann

1896 bin ich in Königsberg als jüngster Bruder des im Kriege gefallenen Dichters Walter Heymann geboren. Schon als Knabe von 6 Jahren begann ich Geige zu spielen und trat mit 15 Jahren in meiner Vaterstadt als Geigen- virtuose auf. Geigenunterricht, später auch Theorie und Komposition hatte ich bei Schaupflug. 191 2 siedelte ich nach Berlin über und nahm Komposi- tionsunterricht bei Professor Juon von der Staatlichen Hochschule für Mu- sik. 1915 kam eine Komposition „Frühlings Nocturno" mit dem Blüthner- Orchester unter Schaupflug, 1916 zwei Gesänge für Tenor und Orchester mit demselben Orchester zur Aufführung. 19 18 brachten die „Wiener Phil- harmoniker" unter Weingartner die „Rhapsodische Symphonie für Or- chester und Bariton".

An den verschiedensten Berliner Theatern wurde Bühnenmusik von mir zur Aufführung gebracht. An dem Reinhardtschen Literarischen Kabarett „Schall und Rauch", sowie an der „Rakete" und der „Wilden Bühne" war ich als Hauskomponist tätig.

1925 ging ich zum Film über, und zwar zunächst als Assistent von Rapee. Als solcher habe ich viele große Filme der Ufa illustriert. Ich nenne nur „Faust", „Wolgaschiffer", „Kurier des Zaren", „Blutsbrüderschaft", „Spi- one". Daneben habe ich viele Kompositionen für den Film verfaßt und her- ausgegeben.

Carl Hoff mann

Geboren bin ich im Glatzer Gebirge. Meine Entwicklung begann, als ich 1908 als Photograph in Freiburg tätig war. Ich besaß hier ein eigenes Pho- toatelier, beschäftigte mich aber schon damals sehr intensiv mit dem Film, aus der einfachen Erwägung heraus, daß das bewegte Bild viel eher in der Lage sei, das Gedankliche eines Bildes wiederzugeben, als das Standphoto. Ich machte damals auf eigene Rechnung Filme, und zwar zunächst kleine Landschaftsfilme, aktuelle und Industriefilme. Dann ging ich nach Heidel- berg, wo ich bei einer Gesellschaft eine Reihe von Spielfilmen drehte. Da- mals mußte der Operateur noch alles machen, Drehen, Entwickeln, Belich- ten und den Film auch selbst schneiden. Von Heidelberg ging ich nach München, wo ich mehrere oberbayerische Spielfilme herstellte. 191 5 kam ich nach Berlin zur Mutoscop. Hier drehte ich mit Robert Reinert den großen Homunkulus-Film. Dann kam ich zu Erich Pommer und war eine Zeitlang Chefoperateur. Damals schrieb ich auch mehrere Manuskripte und habe in den zwei Jahren meiner Tätigkeit bei der Decla 52 Filme gedreht und geschnitten. Bis heute habe ich im ganzen rund 150 Filme gedreht, darunter Filme wie „Prinz Kuckuck", „Verschwörung zu Genua", „Ca- gliostro", „Lady Hamilton" und „Unheimliche Geschichten" mit Richard Oswald, „Dr. Mabuse" und „Die Nibelungen" mit Fritz Lang, „Faust", „Der geheimnisvolle Spiegel" und jetzt zuletzt „Die Todesschleife". Die Film-Photographie sollte immer vom Gesichtspunkt des rein Bildhaften ausgehen und versuchen, alles Gedankliche des Manuskripts bildhaft wiederzugeben. Es gibt film-photographisch keine Norm. Jeder Film muß seinen eigenen photographischen Stil haben. Das wesentlichste, künst- lerischste Hilfsmittel des Filmoperateurs ist das Licht, mit Hilfe dessen er die Bildstimmung des ganzen Filmes bestimmen kann. Diese Bildstixn- mung ist einer der wesentlichsten Faktoren für die künstlerische Wirkung. Heute wird vielfach die Technik der Kamera noch sehr überschätzt. So sollte man vor allen Dingen sparsam mit dem Bau von künstlichen Land- schaften im Atelier sowie mit der Verwendung von Tricks umgehen, denn gut ist nur der Trick, den man als solchen niemals empfindet.

Dr. Wolfgang Hoffmann-Harnisch

Ich bin geboren an dem Tag, an dem ich zum erstenmal eine Theatervor- stellung sah. Es war „Die Zauberflöte" von Mozart im Kleinen Stadt- theater meiner Heimatstadt Frankfurt a. d. Oder, und ich war dem Kalender nach etwa 8 Jahre alt. Von diesem Tage an habe ich mich bis zum gegen- wärtigen Zeitpunkt für nichts anderes auf der Welt interessiert als für die Bretter, die mir eine Welt bedeuten. Noch zwei andere Institutionen traten später in den Kreis meines Interesses die Presse und der Film. Meine journalistischen Interessen wirkten sich bei der ersten Berührung mit dem Film vollständig aus, das heißt: sie gingen in die neu erwachten Filminter- essen über. Ich durfte ca. ein halbes Jahr lang an der Ufa das Handwerk des Films erlernen. Der nun verstorbene Altmeister Davidsohn lenkte meine ersten Schritte. Mein erster großer Film „Die Frauengasse von Algier" machte mich praktisch mit dem Handwerk vertraut. Ich glaube noch immer fest an die Notwendigkeit und Berechtigung des europäischen Films. Wir können von den Amerikanern wie von den Russen manches lernen, wie beide auch von uns schon vieles gelernt haben; aber wir werden immer etwas anderes produzieren müssen, weil wir anders denken und fühlen. Das west- liche Europa gehört zusammen, und die Geschicke Deutschlands, Frank- reichs und Englands sind unlösbar miteinander verknüpft. Die Kulturen, so verschieden sie auf den ersten Augenblick sein mögen, sind im Grunde nah miteinander verwandt. Wir alle sind Kinder des Humanismus und haben unser Denken und Fühlen, unsere ganze Mentalität aus diesem Urstoff ge- formt. Unüberbrückbare Welten trennen uns von Amerika wie von Rußland. Erst der Zusammenschluß zu einer westeuropäischen Filmproduktion wird uns Europäern die Möglichkeit geben, Filme hervorzubringen, die Wert und Bestand auch für die übrige Welt haben.

Ernst Hofmann

Geboren bin ich in Breslau. Schon während meiner Schulzeit war es mein heimlicher Wunsch, zur Bühne zu gehen. So wählte ich zunächst den Um- weg über das Universitätsstudium, um später, wenn ich mich freier und un- abhängiger fühlte, direkt auf mein Ziel lossteuern zu können. Ich studierte in Berlin Germanistik, neue Sprachen und Kunstgeschichte. In meiner Freizeit absolvierte ich die Reinhardtschule. Ich wurde darauf ans Deutsche Theater als jugendlicher Liebhaber verpflichtet. Dann spielte ich am „Klei- nen Theater", am „Kleinen Schauspielhaus" und in den „Kammerspielen".

In der Rolle des Moritz Stiefel in dem Wedekindschen Kinderdrama „Frühlingserwachen" erntete ich großen Beifall. Urban Gad, dem meine Darstellung dieses sentimentalen Jungen außerordentlich gefiel, stellte mich in dem Asta Nielsen-Film „Das Feuer" dieser großen Schauspielerin als Partner gegenüber. Später spielte ich mit Paul Wegener bei der Bioscop. Dann brach der Weltkrieg aus, den ich drei Jahre lang als Feldartillerie- offizier mitmachte. Ich wurde verwundet und durfte im letzten Jahre meine schauspielerische Tätigkeit wieder aufnehmen. Jetzt begann meine große Zeit im Film. „Moral der Gasse", „Motorbraut", „Blitzzug der Liebe", „Keusche Susanne" usw. sind Filme, in denen ich Hauptrollen spielte. Wenn ich nicht durch Filmengagements gebunden bin, reise ich mit meiner Sketchtournee durch ganz Deutschland. Die amüsantesten Zwischenfälle ereignen sich oft bei diesen Wanderfahrten. In Aschersleben z. B. wollte man absolut nicht glauben, daß ich echt wäre, erst nach peinlichster Prüfung auf Herz und Nieren erlaubte man mir, die geheiligten Bretter zu besteigen.

Beim Spiel bemühe ich mich, mit sparsamsten Mitteln größte Wirkungen zu erzielen. Ich muß sagen, daß Asta Nielsen, mit der ich in den Anfängen meiner Filmlaufbahn oft zusammen gespielt habe, eine unbezahlbare Lehr- meisterin für mich gewesen ist. Ihr fein abgetöntes Spiel, die unerhört reiche Skala ihrer mimischen Ausdrucksmittel ist unerreicht, ist ein Wunder damals wie heute ! Man kann nur bewundern und lernen ! . . .

Camilla von Hollay

Mit den Autobiographien von uns Filmleuten ist das so eine eigene Sache

ich habe die unbestimmte Empfindung, daß ich schreiben kann, was ich will, die meisten der freundlichen Leser und Leserinnen werden mit einem leichten Schmunzeln und Besserwissen argwöhnen, es entspräche doch nicht der Wahrheit. Vielleicht wird es in diesem Falle anders sein was ich über mich erzählen kann, ist so wenig sagend und so durchaus nicht auf- regend, daß es wirklich alle Chancen hat, die Wahrheit zu sein.

Ich bin also in Budapest geboren, als Tochter eines Fabrikdirektors, war ein sehr braves und auch sehr stilles Mädchen, sollte Ärztin werden, wollte aber nicht und wurde nach einigen familiären Großkampftagen Schau- spielerin. Spielte im Budapester Lustspielhaus, dann in anderen ungarischen Theatern, schimpfte mit der wandelfähigen Eliisa in Shaws „Pygmalion", ließ mich mit Sardous Cyprienne scheiden, tändelte und weinte mit dem kleinen Mariechen in Molnars „Liliom", bis endlich eines schönen Tages ein Film- regisseur auf dem Plan erschien und mir den Kopf vollredete. Ich gab nach, spielte in einem der ersten ungarischen Filme, in der Volkslegende „Der Held Johann" nicht den Helden, sondern seine jugendliche Geliebte, spielte dann noch in drei Dutzend ungarischen Filmen, gründete eine eigene Gesellschaft und war gewiß gerade dabei. Millionärin zu werden, in Papier- kronen, als ich eines Tages ein Telegramm bekam. Das Telegramm kam aus Berlin und war eine Einladung zur Phoebus. Ich nahm an und blieb seitdem in Berlin, wo ich mich auch verheiratet habe. Eine sehr einfache Geschichte

nicht wahr, nicht einmal ein Filmstoff.

Ich liebe aber den Film. Er bildet mein Element. Er bietet mir Möglich- keit, mich auszuleben, in vielerlei Gestalten zu wandeln, mich in hundert Spiegeln ebenso vieler Menschenfiguren zu sehen, er bietet mir Arbeit und Vertiefung. Deshalb liebe ich ihn.

Dary Holm

Ich stamme von der Hamburger Wasserkante. Meine Eltern siedelten bald nach Oberbayern über, und hier zwischen den Bergen fand ich meine eigentliche Heimat. Vielleicht sind es auch die hohen Bergriesen gewesen, die mich für den Sensationsfilm bestimmt haben. Auf ihnen nämlich machte ich meine ersten waghalsigen Klettertouren, die schon damals viel Mut und Geistesgegenwart erforderten.

Bernd Aldor lernte mich auf einer seiner Filmreisen kennen und brachte mich zu Rippert. „Die Beute der Erynnien" war mein erster Film. Ich gefiel, und die Engagements kamen. Buchowetzki holte mich, dann Fred Strantz nach München, wo ich eine tragende Rolle erhielt. Hier arbeitete ich längere Zeit mit Franz Seitz zusammen. Und dann kam Fiel, dessen Partnerin ich wurde. Jetzt begann für mich erst richtig der Film mit seinem Tempo: mit dem rasenden Auto über die zusammenbrechende Brücke, in der Gondel des brennenden Luftschiffes in schwindelnder Höhe, auf den Dächern des rasenden Expreßzuges ja, das waren alles aufregende Sachen, bei denen ich so manches Mal nahe daran war, ins Verderben zu rennen. Es war bei- leibe nicht alles Trick, wie es sich manche naiven überschlauen Zuschauer vorstellen, sondern es war sehr ernste gefährliche Wirklichkeit. Einer meiner letzten Filme war „Panik" mit Harry Piel.

Das Spielen mit dem Abenteuer reizt mich am Film. Gewiß, andere Stars haben wohl oft mehr Gelegenheit, ihr mimisches Talent zu offenbaren und mit dem Lächeln ihrer schönen Lippen und dem Zauber ihrer Augen sich das Herz des Publikums zu erobern. Ich aber muß mit meinem Partner Gefahren auf mich nehmen und muß mir durch meinen Todesmut die Sympathie erringen. Aber es geht auch so. Das Gefahrentempo, das mich durch den Film trägt, ist das, was mir die größte Freude bereitet und nicht zuletzt den Erfolg bringt. Dieses Tempo ist echtester Film so etwas bringt die Bühne nie zustande!

Evelyn Holt

Am 3. Oktober 1908 wurde ich als Tochter eines politischen Redakteurs in Berlin geboren. Besuchte das Hohenzollernlyzeum. Nach Absolvierung der Schule wollte ich Opernsängerin werden. Andere wieder rieten mir, zum Film zu gehen. Ich wagte es und erhielt sofort die Rolle des „Mär- chens" in der „Walpurgisnacht". Dann folgten die Filme „Spitzen", „Waise von Lowood", „Die Achtzehnjährigen", „Wenn Menschen reif zur Liebe werden", „Freiwild" usw.

Alle meine Gedanken, mein ganzes Privatleben ist vom Film beherrscht. Wenn ich auf Reisen bin oder mich zu Hause ausruhe, so tue ich es, um für den nächsten Film Kräfte zu sammeln. Jedesmal freue ich mich, eine neue Arbeit anfangen zu können und es mag sentimental klingen ich bekomme fast Herzweh, wenn der letzte Aufnahmetag herangerückt ist. Ich bin froh und glücklich über meine Erfolge. Ja, fast will es mir als Traum erscheinen, daß ich schon so viele Filme gedreht und so schöne Erfolge er- zielt habe. Aber ich will es immer besser machen. Ich bin durch den Film innerlicher geworden, die seelischen Konflikte, das fortgesetzte Sichein- fühlen in andere Menschen stärkt das Empfindungsvermögen.

Innere Befriedigung und Freude sind für mich die vielen Briefe, die ich aus den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung erhalte. Alle Schreiben- den nehmen herzlichen Anteil an meiner Arbeit und gehen gern auf einzelne Szenen, die ihnen besonders gefallen haben, ein. Gern würde ich alle Briefe eigenhändig beantworten, aber meine Zeit ist zu beschränkt. Seelisch fühle ich mich der Gish am verwandtesten, diesem reinen, zärtlichen, ernsten Mädchen, das immer wie in Erwartung von Leiden ist. „Gretchen", „Mimi" und „Käthchen" sind die drei Gestalten, die im Film einmal verkörpern zu dürfen raein innigster Wunsch ist.

Jack Holt

Ich wurde als Sohn eines bischöflichen Geistlichen in Süd- Virginia ge- boren. Hier lebte ich bis zu meinem neunten Jahre, dann wurde mein Vater nach New York versetzt, wo ich die Schule besuchte. Später kehrten wir je- doch nach Virginia zurück, und ich kam auf eine Militär-Akademie, um meine Ausbildung zu vollenden. Dann studierte ich Technik und erhielt nach Beendigung meines Studiums eine Anstellung als Ingenieur bei der Eisenbahn-Gesellschaft. Ich wurde auf einen Posten in der Nähe einer großen Farm geschickt. Hier lernte ich das interessante Gebiet der Viehzucht kennen, und besonders machten die Pferde einen so großen Eindruck auf mich, daß ich meine Ingenieurlaufbahn aufgab und Cowboy wurde. Diesem Umstand verdanke ich meine große Geschicklichkeit im Reiten, denn als Reiter wurde ich zum erstenmal in einem Film verwandt. Zwischen meinem ersten Film und meinen Cowboytagen lag jedoch eine lange Zeit mit vielen bitteren Erfahrungen. So habe ich eine Zeitlang in Alaska nach Kupfer ge- sucht, und später bin ich in einer Operettentruppe aufgetreten. Nach meiner Reiterrolle spielte ich zunächst Filmschurken. Heute spiele ich mit Vorliebe Charakterrollen. Ich liebe besonders diejenigen Charaktere, denen alles Süß- liche und Sentimentale fehlt.

Camilla Horn

Im Gegensatz zu irgendwelchen phantastischen und romantischen Ge- rüchten bin ich bürgerlich-prosaisch in Frankfurt am Main zur Welt ge- kommen. Meine Kindheit ist absolut friedlich und wohlbehütet verlaufen. Mein sehnlichster Wunsch war, einmal die Direktrice eines großen Mode- salons zu werden. Als ich die Schule verlassen hatte, kam ich auch sofort in die Lehre, besuchte ferner die Schneiderakademie und ging zwei Jahre lang in die Kurse der Kunstgewerbeschule. Mit siebzehn Jahren war ich so weit, den bescheidenen Grundstein zu dem einstigen Weltmodehaus zu legen. Immerhin beschäftigte ich mit der Zeit sechs kleine Lehrmädchen, von denen keines älter war als ich. Bald konnte ich mir die Erfüllung eines geheimen Wunsches erlauben und von meinem selbstverdienten Geld Tanz- stunden nehmen, denn ich hatte inzwischen beschlossen, Charaktertänzerin zu werden. Aber meine Mutter dachte anders und holte mich eines Abends mit Gewalt aus der Tanzstunde heraus ! Bei der ersten Gelegenheit fuhr ich nach Berlin und nahm wieder eine Stellung in einem Modesalon an (aller- dings noch nicht als Direktrice!). Zwei Monate lang wagte ich nicht, meiner Mutter zu schreiben, daß ich in Berlin sei, und schickte meine Briefe erst nach Erfurt. Endlich hatte ich soviel Geld beisammen, um Unterricht bei Laban nehmen zu können. Dann erhielt ich ein Engagement bei Nelson, von dort aus wurde ich in ein Filmatelier mitgenommen, war begeistert, sta- tierte, bekam eine kleine Rolle, und endlich kam die große Entdeckung durch Murnau.

Murnau brauchte mich für eine Ersatzaufnahme. Während der Aufnahme trat er auf einmal an mich heran und sagte: „Sie sollen das Gretchen in meinem Film ,Faust' spielen. Sie haben diesen Zug von stiller Verträumt- heit, den ich seit über zwei Jahren suche."

So spielte ich den großen Faust-Film der Ufa und dann bei derselben Firma noch „Jugendrausch" und „Frauengasse von Algier". Ich folgte dann einem Rufe nach Hollywood und habe hier als Partnerin von John Barrymore für die United Artists den Film „Sturm" gespielt.

Georg Jacoby

Ich entstamme einer alten Künstlerfamilie. Mein Vater war Schriftsteller und Theaterdirektor. Mein Bruder Gustav ist der bekannte Vortragskünst- ler. So war es nur natürlich, daß auch ich Künstler wurde. Ich v/urde Schauspieler und blieb zehn Jahre lang der Bühne treu. Dann kam der Film. Schon meine ersten Regieerfolge machten mich bekannt.

Der Harry Liedtke-Film „Der Mann ohne Namen" war wohl mein po- pulärstes Filmwerk, das meinen Namen zum ersten Male in die internatio- nale Welt hinaustrug. Auf diesen von Presse und Publikum sehr beachteten Großfilm folgte eine Reihe neuer Arbeiten wie „Seine Exzellenz von Ma- dagaskar" mit Eva May, „Paradies im Schnee", später „Quo vadis", „Hu- sarenfieber", „Ritt in die Sonne", „Gasthaus zur Ehe" usw. Meine letzte Arbeit ist „Der Faschingskönig". Rund siebzig Filme habe ich gedreht. Ich liebe es, meinen Filmen eine lustige Note und einen Abenteuereinschlag zu geben. Der Film ist für die ganze Welt da. Die Welt gehört dem Film. Ja, Film heißt Welt. Seine Spannungsmomente, sein Bildwechsel kann von keiner anderen Kunst der Welt erreicht, geschweige denn übertroffen wer- den. Aber auch eine gut ausgesponnene Filmhandlung kann sich mit keiner anderen Kunstart, auch nicht mit dem Roman, in bezug auf Intensität und Anschaulichkeit messen.

Nach den Erfolgen des „Mannes ohne Namen" folgte „Die Frau ohne Namen", ein Film, der von Berlin nach New York, Florida, Kuba, Hono- lulu, Japan, China, Sibirien führt. Ich wollte hier keinen Reisefilm schaffen, sondern einen Spielfilm, dessen Handlung sich dem jeweiligen Volkscharak- ter und den Sitten der einzelnen Länder organisch einordnet.

La Jana

Von Beruf bin ich ja eigentlich Tänzerin. Haller hat mich entdeckt und in Berlin in seiner Revue zum ersten Male auf die Bühne gebracht. „An und aus" wurde erst in Berlin gespielt, doch ging später die ganze Truppe auf Reisen und besuchte Wien, Dresden und Hamburg. Schon auf dieser Reise wurden mir verschiedene Filmangebote gemacht, doch habe ich niemals die Probeaufnahmen machen lassen, die zu einem Engagement unerläßlich waren. Ich zeigte eben für den Film kein Interesse.

In eine kurze Urlaubszeit fällt hier meine erste Tätigkeit für den Film ich spielte die Tanzeinlage in einem Ufa-Film. Aber sofort war ich wieder beim Bühnentanz bis es schließlich dem Regisseur Bryde nach langem Suchen wieder einmal gelang, mich dieses Mal in Hamburg zu stellen und mich für die Svenska Ateliers in Stockholm zu verpflichten, um mit Gösta Ekmann in seinem neuen Film „Der Mann mit dem Monokel" zu spielen. Trotzdem ich in diesen Wochen, die ja in meine Ferienzeit fielen, schwerer als je gearbeitet habe, darf ich wohl rückblickend behaupten, daß sie zu meiner schönsten Zeit gehören.

Aber schon im September 1927 mußte ich wieder in Wien sein, wo ich für die Revue „Alles aus Liebe" im Stadttheater engagiert war. Hier war es, wo sich Friedrich Zelnik mit mir in Verbindung setzte und mir so häu- fig erzählte, daß meine Zukunft im Filmatelier läge, bis ich schließlich einen langfristigen Vertrag unterzeichnete.

In „Therese Raquin" war mir zum Eingewöhnen eine zwar kleine, aber nicht unbedeutende Rolle versprochen worden, und ich war selbst über mich erstaunt, als ich beim Fortschreiten der Arbeit an der Rolle feststellen konnte, wie schnell das Interesse an allen Filmangelegenheiten wachsen kann, da ich mich doch vorher nur auf den Tanz konzentriert hatte. Die dauernde Berührung mit dem Film, das Leben in einer Rolle bringen es mit sich, daß man ganz unbewußt sich den neuen Verhältnissen anpaßt.

Mit besonderer Freude habe ich aber die Nachricht empfangen, daß ich in einem der nächsten Filme in meiner Rolle auch Gelegenheit haben werde, verschiedene Tanzakte aufzuführen das Verlangen, zu tanzen, wird in mir immer weiterleben, und ich bin dankbar, daß ich auch beim Film diesem für mich natürlichen Bedürfnis nachkommen kann.

Emil Jannings

Ich wurde in Brooklyn in Amerika geboren. Mein Vater, ein geborener Deutscher, war Fabrikant von Küchenutensilien und hatte es im Laufe der Jahre zu einem kleinen Vermögen gebracht. Als ich lo Monate alt war, verkaufte mein Vater seine Fabrik und zog mit der ganzen Familie nach Zürich. In Zürich lebten wir lo Jahre, dann übersiedelten wir nach Görlitz, der Heimatstadt des Vaters. Dort besuchte ich zum Leidwesen meiner Lehrer das Gymnasium und hielt bis zur Obertertia aus. Dann packte mich die Abenteuerlust, und ich verließ eines schönen Tages die Heimat, ohne mich vorher zu verabschieden. Im Hafen von Hamburg kam ich schließlich als Küchenjunge auf einem kleinen Frachtdampfer an. In London floh ich arg enttäuscht von Bord, lungerte einige Tage in der fremden riesigen Stadt herum, bis man mich aufgriff und in die Heimat zurückbeförderte. Eine Zeitlang hielt ich mich brav; dann brannte ich zum zweiten Male durch und zog mit Schmieren umher. 12 Jahre hindurch war ich Wanderkomö- diant. Es gibt wenige Rollen, die ich nicht gespielt habe. Mein erstes En- gagement hatte ich in Gardelegen, dann ging es aufwärts. Ich spielte von da ab i^ größeren Städten und kam zuletzt nach Berlin.

Wie ich zum Film kam ? Man könnte sagen : aus Dalles. Denn wenn ich mich auch schon in den ersten Jahren der Berliner Zeit künstlerisch voll ausleben konnte, so ging es mir doch finanziell ziemlich mäßig. Alle Leute rieten mir, zu filmen, um meine hoffnungslosen Finanzen etwas aufzu- bessern. Das leuchtete mir ein. Natürlich fand ich zunächst überall ver- schlossene Türen.

Der Mensch entgeht aber seinem Schicksal nicht. Zufällig lernte ich Robert Wiene kennen, der damals für Messter den Film „Fromont jun. & Risler sen." drehen sollte. Ich bekam das Angebot, als Partner Erna Mo- renas den Risler zu spielen. Die Gage war mehr als fürstlich, 40 Mark pro Tag. Ich war ein gemachter Mann.

Als ich mich zum ersten Male auf der Leinwand sah, war der Eindruck niederschmetternd. So dumm sah ich aus? So blöde bewegte ich mich? Ich schwor mir, daß dies nicht nur mein erster, sondern auch mein letzter Film sein sollte. Nun, den Schwur habe ich gebrochen, und ich habe es nicht bereut.

Etwas später durfte ich als Partner Ossi Oswaldas in einigen Einaktern spielen, in denen ein junger Kollege vom Deutschen Theater seine ersten Regieversuche wagte. Der junge Mann hießJErnst Lubitsch.

Dann kam mein erster Welterfolg in „Madame Dubarry". „Das Weib des Pharao", „Der letzte Mann", „Variete", „Tartüff" waren weitere Sta- tionen.

Was ich am liebsten spiele? Menschen echte Menschen, mit all ihren tausend kleinen Schwächen und Fehlern, mit allen ihren Freuden und allem Leid.

Victor Janson

Ich wurde in Riga geboren. Nach Absolvierung der Militärschule be- stimmte mich mein Vater für die juristische Laufbahn. Doch die Bühne lockte, und bald folgte ein dramatischer Kursus bei ersten Professoren in Riga. Bereits als Siebzehnjähriger kam ich nach Berlin. Hier wurde ich nochmals geprüft, für tauglich befunden und bekam mein erstes Engagement am Hoftheater in Detmold. Hamburg und Berlin folgten. Besonders lange arbeitete ich am Central- und Residenz-Theater, und zwar im komischen Charakterfache. Darauf beteiligte ich mich an einer großen Operetten- tournee durch Südamerika und kam 1919 unter Lubitsch zum Film. Meine ersten Filme, in denen ich als Schauspieler wirkte, hießen „Ich möchte kein Mann sein" und „Mädel vom Ballett". Einer meiner größten Erfolge in damaliger Zeit war der Film „Die Austernprinzessin" unter der Regie von Ernst Lubitsch. Dann versuchte ich mich selber als Regisseur. „Die Dame in Schwarz" und der „Gelbe Schein" mit Pola Negri waren die ersten Filme, die ich inszenierte. Der Stern Ossi Oswaldas ging auf. „Das Mädel mit der Maske", „Colibri", „Niniche" folgten. Mady Christians, Imogene Robert- son, Xenia Desni, Lilian Harvey, Liane Haid und jetzt zuletzt Maria Paud- ler sind dann meine Lustspielstars gewesen.

Was mich am Film interessiert: Fortschritt und Entwicklung! Leider werden diese beiden Faktoren durch tausend feindliche Elemente immer wie- der sabotiert. Die Grundlage des Films, sein A und O, ist das gute Manu- skript. Ohne dieses ist selbst der genialste Filmregisseur nicht imstande, einen guten Film herzustellen. Viele gute Ideen treten an uns heran, doch die Kürze der Zeit, Geldknappheit und das Dogma der Serienfilme hemmt immer wieder die Entwicklung und Entfaltung neuer Talente. Erst wenn alle Produzenten von der Notwendigkeit frischer Blutzufuhr restlos über- zeugt sind, wird Wandlung geschaffen werden.

Hilde Jennings

Ich bin in der schönen Mark Brandenburg geboren. Nach Beendigung meiner Pensionszeit bekam ich Ballettunterricht, wurde bei einem russischen Ballett als Tänzerin engagiert und nahm an einer großen Tournee durch Italien, Spanien, Marokko teil, war zwei Jahre im Ausland, kam nach Berlin zurück und wurde von der Staatsoper als Tänzerin verpflichtet.

Auch der Film trat an mich zuerst in meiner Eigenschaft als Tänzerin heran. In dem Lotte Neumann-Film „Die Brigantin von New York" mußte ich einen Solotanz aufführen. Ich fiel auf und wurde in dem Film „Alte Burschenherrlichkeit" für eine Hauptrolle verpflichtet.

Meine größten Erfolge hatte ich in den Filmen „Arme kleine Colombine" und „Dirnentragödie".

Am liebsten spiele ich lustige und sportliche Rollen. Die anregende Arbeit beim Film, die immer Neues gibt, und die mich vor die Aufgabe stellt, immer neue Menschen zu spielen, liebe ich am meisten beim Film. Die Man- nigfaltigkeit der Ausdrucksmöglichkeiten meine ich, die der Tanz in dieser reichen Auswahl nicht zu bieten vermag. Mein Wunsch ist, einmal eine ganz lustige und doch packende Hauptrolle zu spielen, vielleicht in der Art von Mary Pickford.

Mary Johnson

Ich stamme aus einem mittelschwedischen Städtchen. Als Abkömmling alter schwedischer Bauerngeschlechter ist die Sehnsucht nach dem Lande für mich immer die größte gewesen. Vor einigen Jahren ist dieser mein Wunsch in Erfüllung gegangen. In der Nähe von Oslo habe ich auf Gut Rödsgard eine neue Heimat gefunden.

Wie viele junge Mädchen las ich haufenweise Theaterstücke und ver- folgte mit brennendem Interesse alle Vorgänge auf den schwedischen Büh- nen. Es war die Zeit der großen Strindbergerfolge. Die ganze Nation war stark an den Problemen des Theaters interessiert. Als Schauspielerin ge- prüft wurde ich von Karin Swanström und erreichte es schließlich, daß ich am Theater in Göteborg ein Engagement erhielt. Von dort kam ich nach Stockholm, wo ich mehrere Jahre hindurch die zarten Mädchengestalten der skandinavischen Bühnenliteratur verkörpert habe.

Dem Film trat ich als junge Bühnenschauspielerin anfänglich etwas spöt- tisch gegenüber. Doch sein Aufschwung hat mich längst eines Besseren über- zeugt. Mein erster Film fällt in meine Göteborger Zeit. Er hieß „Der ge- stiefelte Kater". Später holte mich Mauritz Stiller und gab mir in seinen nachmals weltberühmt gewordenen Schwedenfilmen, wie „Herrenhofsage" und „Herrn Arnes Schatz", tragende Rollen. In Deutschland spielte ich die Hedwig in der Verfilmung der „Wildente" durch Lupu Pick und bei Joe May in „Dagfin", später in „Ramper" und „Manege" Hauptrollen.

Es ist selbstverständlich, daß ich, ganz meiner körperlichen Eigenart ent- sprechend, am liebsten das blonde, zarte, oft gepeinigte und immer tief fühlende Mädchen spiele.

Jenny Jugo

Ich bin Wienerin und hatte nie die Absicht, zu filmen. Im Gegenteil. Mit i6 Jahren heiratete ich bereits und zog bald darauf nach Deutschland. 191 7 wurde ich geschieden. Zum Film kam ich durch einen reinen Zufall, und zwar brachte mich Ben Blumenthal zu Erich Pommer. Man machte Probeaufnahmen von mir und bot mir einen Vertrag an. Ich wurde auf drei Jahre für die Ufa engagiert und spielte als ersten Film „Die gefundene Braut". Da sich nach diesem Film keine Rollen für mich fanden, spielte ich meine nächsten Filme bei der Phoebus, bei der ich längere Zeit blieb und hier als Star in einer Reihe von Großfilmen herauskam. Dann kehrte ich wieder zur Ufa zurück, bei der ich in dem Großfilm „Die Todesschleife" mit Werner Krauß als Partner und in „Die Carmen von St. Pauli" die Haupt- rolle verkörperte.

Ich muß sagen, daß ich es nicht bereue, zum Film gegangen zu sein. Ich kann mir keinen Beruf denken, der abwechslungsreicher und interessanter als der meinige wäre. Vor allen Dingen stellt er einen, und das ist für einen künstlerisch schaffenden Menschen das wichtigste, immer wieder vor neue Aufgaben. Am liebsten spiele ich Rollen, die mein von Natur sehr lebhaftes Temperament voll und ganz zur Geltung kommen lassen. Leider hat dieses Temperament auch einen Nachteil für mich, denn es ist wohl die Ursache, daß man mir mit Vorliebe lustige und lebhafte Charaktere zuteilt, während ich doch brennend gern einmal einen ernsten dramatischen Charakter ver- körpern möchte. Aber auch das wird eines Tages noch kommen.

^^^^

Hans Junkermann

Geboren bin ich in Stuttgart. In meinen Adern rollt echtes Künstlerblut. Mit 20 Jahren zur Bühne. Spielte zunächst in Antwerpen unter der Regie meines Vaters. Darauf in Gera und in Berlin. Im Herbst des Jahres 1892 machte ich die Reise über den großen Teich und war drei Vierteljahre drüben in den Vereinigten Staaten, wo ich in 32 Städten auftrat. 1893 spielte ich am alten Thalia-Theater in Hamburg. Darauf in Weimar, Wiesbaden. 1895 das Militärjahr. 1896 wieder in Berlin am Thalia-, Lessing-, Trianon- Theater und an den Barnowsky-Bühnen. Während des Krieges war ich auf Gastspielreisen durch ganz Deutschland unterwegs.

Bereits 191 2 wurde der erste Film unter der Regie von Max Mack „Wo ist Coletti.''" mit mir gedreht. Dann spielte ich zusammen mit der Porten in dem Film „Der Schirm mit dem Schwan". Doch gleichzeitig Filmen und Theaterspielen war auf die Dauer zu aufreibend für mich. Ich fürchtete, das eine auf Kosten des anderen zu vernachlässigen und zog mich eine Zeit- lang vom Film zurück.

Doch der Film, dessen künstlerisches Niveau sich fortdauernd hob^ zog ernste Kräfte immer wieder in seinen Bann. Kein Wunder, denn das Theater verflachte immer mehr und bot dem strebsamen Künstler von Tag zu Tag weniger. Der Film ist mir längst vollwertiger Ersatz für die Bühne ge- worden. Erfreulicherweise beginnt man jetzt ja auch eine Reihe neuer Lust- spiele zu drehen. „Liebe und Trompetenblasen", „Prinzessin Trulala", „Feldherrnhügel", „Keusche Susanne", „Tolle Lola" usw. usw. waren Er- folge, an denen auch ich Anteil hatte.

Der Film ist unter meinen Augen aufgewachsen. Ich habe seine zeit- weiligen Mängel erkannt, ahnte aber auch seine ungeheuren Entwicklungs- möglichkeiten. Auch in den kritischen Zeiten seines Anfangsstadiums, wo noch die Kinematographie als Stiefkind verachtet und verlacht wurde, habe ich keinen Augenblick daran gezweifelt, daß mit ernstem künstlerischem Wollen der Film einmal seinen Weg machen würde. Heute noch arbeite ich in ihm mit derselben Begeisterung wie in früheren Zeiten. Ich versuche mit Sorgfalt all die winzigen Kleinigkeiten, an denen ich als junger Dachs einst achtlos vorübergeschritten war und die doch letzten Endes das Wesen des Films ausmachen, aufzuheben und umzuwenden, diese tausend Kleinig- keiten, die doch gerade erst dem komischen Charakterfach Lebensfülle und kräftige Farbtöne geben.

Fritz Kampers

Geboren bin ich in dem schönen Garmisch-Partenkirchen, wo meine El- tern das „Parkhotel" besaßen. Bis zum 12. Lebensjahre habe ich überhaupt keine richtige Schule gekannt, nur Privatunterricht, aber dann trat der Ernst des Lebens an mich heran. Man steckte mich in ein strenges Internat, wo ich furchtbar büffeln mußte! Die Schulzeit behagte mir nach dem freien Leben gar nicht. Ich fraß einen dummen Streich nach dem anderen aus und konnte mich mit der Schule absolut nicht befreunden um so mehr, als ich schon damals den Kopf voller Theaterpläne und weniger voller Vokabeln hatte. Theaterblut